Google hat überraschend sein Anfang Oktober vorgestelltes KI-Modell Gemini 4 Argon weltweit veröffentlicht. Nach einer geschlossenen Testphase steht es nun Entwicklern, Unternehmen und zahlenden Privatkunden zur Verfügung. Der Konzern verspricht insbesondere Fortschritte bei komplexen Programmieraufgaben, wissenschaftlichen Analysen und der automatisierten Fehlerbehebung.
Der Zugang erfolgt unter anderem über Google AI Studio, die Gemini-API und die Gemini-App. Privatkunden benötigen ein Google-AI-Pro- oder Ultra-Abonnement. Für Entwickler gelten neue nutzungsabhängige Preise, die Google zunächst als Einführungskonditionen bezeichnet.
Gemini 4 Argon für komplexe Aufgaben entwickelt
Das neue Modell soll laut Google anspruchsvolle Arbeitsabläufe über mehrere Schritte hinweg selbstständig bearbeiten können. Zu den Einsatzgebieten zählen Softwareentwicklung, Finanzanalysen, juristische Recherchen, Cybersicherheit und wissenschaftliche Forschung.
Google verweist auf Spitzenplatzierungen in verschiedenen Leistungstests. Im Vals Index, der KI-Modelle anhand wirtschaftlich relevanter Aufgaben bewertet, erreicht Argon nach Unternehmensangaben den ersten Platz.
Eine zentrale Neuerung ist das erweiterte Kontextfenster. Über die API können Eingaben und Ausgaben zusammen bis zu einer Million Token umfassen. Dadurch lassen sich umfangreiche Dokumente, große Codebestände und komplexe Projektinformationen innerhalb eines Arbeitsablaufs verarbeiten.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Google meldet Fortschritte bei der Programmierung
Besonders deutlich sollen die Verbesserungen in der Softwareentwicklung ausfallen. Google berichtet, dass interne Teams mit Argon mehr als 35 Prozent zusätzliche agentengestützte Codebeiträge erstellen konnten, während die Zahl zurückgenommener Änderungen um nahezu ein Drittel sank.
Beim Chromium-Projekt unterstützte das Modell die Umstrukturierung eines umfangreichen Softwarebereichs mit Millionen Codezeilen. Arbeiten, die normalerweise mehrere Monate beanspruchen, konnten laut Google innerhalb weniger Wochen abgeschlossen werden.
Auch beim quelloffenen Agent Development Kit (ADK) erzielte Argon messbare Verbesserungen. Die Vorbereitung längerer Arbeitssitzungen wurde nach Unternehmensangaben um 40 Prozent beschleunigt, während sich die Ladezeit beim erstmaligen Import um 21 Prozent verkürzte.
Die Ergebnisse stammen überwiegend aus internen Projekten und ausgewählten Praxistests. Sie lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf sämtliche Entwicklungsumgebungen übertragen.
KI unterstützt Sicherheitsanalysen und Forschung
Neben der Programmierung hebt Google die Fähigkeiten bei der Erkennung von Sicherheitslücken hervor. In Zusammenarbeit mit dem Cybersicherheitsunternehmen Wiz soll Argon unter anderem Schwachstellen in staatlichen und medizinischen IT-Systemen aufgedeckt haben.
Auch wissenschaftliche Anwendungen gehören zu den Schwerpunkten. Google nennt Fortschritte bei der Optimierung von Quantenalgorithmen, der Entwicklung neuer Enzyme und der Analyse genetischer Daten seltener Erkrankungen.
In der Robotik erreichte das Modell nach Unternehmensangaben 87 Prozent im Benchmark ERQA, der räumliches und physikalisches Schlussfolgern untersucht. Ein Demonstrationsprojekt zeigte zudem, wie Argon aus Videoaufnahmen Bewegungsabläufe für einen humanoiden Roboter ableitete.
Google betont, zusätzliche Sicherheitsmechanismen gegen missbräuchliche Anfragen und unerlaubte Aktionen autonomer KI-Agenten integriert zu haben.
API-Preise beginnen bei zwei US-Dollar
Mit der Veröffentlichung führt Google eine neue Preisstruktur für Gemini 4 Argon ein. Die API-Nutzung kostet zunächst zwei US-Dollar je Million Eingabetoken und zehn US-Dollar je Million Ausgabetoken.
Für zwischengespeicherte Eingabetoken gewährt der Anbieter einen Abschlag von 95 Prozent. Damit können Anwendungen, die wiederholt dieselben umfangreichen Informationen verarbeiten, ihre Kosten reduzieren.
Die genannten Beträge gelten ausdrücklich als Einführungspreise. Ob und wann Google die Konditionen verändert, geht aus der Ankündigung nicht hervor.
Für Privatkunden ist Argon in der Gemini-App und im KI-Modus der Google-Suche über die kostenpflichtigen Tarife AI Pro und AI Ultra verfügbar. Entwickler können das Modell über die kostenpflichtige API in AI Studio und Android Studio einsetzen.
Weltweiter Rollout bereits gestartet
Google stellt Gemini 4 Argon seit dem 13. Oktober weltweit bereit. Unternehmenskunden erhalten Zugang über entsprechende Geschäftslösungen und Entwicklungsplattformen, während Ultra-Abonnenten das Modell auch in Google Antigravity nutzen können.
Für die Forschung kündigt der Konzern ein Sonderprogramm an: Bis zu 10.000 Wissenschaftler sollen unter bestimmten Voraussetzungen sechs Monate lang kostenlosen Zugang zur höchsten Nutzungsstufe von Antigravity erhalten.
Mit Argon erweitert Google sein KI-Angebot vor allem für anspruchsvolle professionelle Anwendungen. Weitere Modelle der Gemini-4-Familie sollen folgen, konkrete Veröffentlichungstermine nennt das Unternehmen bislang nicht.






