Closed bekommt eine neue Chance: Die Premium-Modemarke aus Hamburg wurde aus der Insolvenz heraus von der Eigentümerfamilie des Labels Marc O’Polo übernommen. Auch Marc O’Polo-Aufsichtsrat Dieter Holzer ist beteiligt. Der Standort Hamburg bleibt erhalten – über personelle Konsequenzen wurde bislang jedoch nichts bekannt, wie Textilwirtschaft berichtet.
Bereits Anfang August hatte Closed Insolvenz angemeldet. Rund 350 Beschäftigte waren betroffen, nachdem Banken aufgrund mangelnden Vertrauens die Kreditlinien gestrichen hatten. Die Folge: Gehälter konnten nicht mehr vollständig gezahlt werden. Das Unternehmen beauftragte daraufhin die Beratungsgesellschaft Enomyc mit der Erstellung eines Sanierungsgutachtens.
Schwere Mängel im Management
Laut dem Gutachten offenbarten sich gravierende Schwächen in der Unternehmensführung. So habe Closed wiederholt Planvorgaben verfehlt und sei mit einer zu hohen Gehaltsstruktur sowie Überkapazitäten im Personal belastet gewesen. Die Finanzdaten galten als unzuverlässig – ein Befund, der das Misstrauen der Gläubiger weiter bestärkte.
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Vertriebsnetz bleibt bestehen
Closed vertreibt seine Mode – darunter hochwertige Denim-Produkte – in insgesamt 36 eigenen Filialen im In- und Ausland. Zu den bekanntesten Standorten zählen Keitum auf Sylt, Mallorca und Kitzbühel. Darüber hinaus wird über namhafte Händler wie Breuninger und Engelhorn sowie online verkauft.
Im Geschäftsjahr 2022/23 erwirtschaftete Closed laut dem letzten verfügbaren Konzernabschluss noch einen Umsatz von über 120 Millionen Euro und einen leichten Gewinn. Danach verschlechterte sich die Lage rapide. Mit der jetzigen Übernahme durch erfahrene Akteure aus dem Premiumsegment könnte Closed nun ein Neustart gelingen – vorausgesetzt, strukturelle Schwächen werden konsequent angegangen.



