Deutsche Großunternehmen setzen zunehmend auf künstliche Intelligenz, können deren wirtschaftlichen Nutzen jedoch häufig nicht nachweisen. Laut dem aktuellen CFO-Survey von Deloitte messen bislang lediglich 17 Prozent der befragten Unternehmen einen konkreten Wertbeitrag ihrer KI-Anwendungen. Gleichzeitig fehlt vielen Finanzabteilungen der Überblick über die entstehenden Kosten.
Für die Untersuchung befragte Deloitte mehr als 120 Finanzvorstände deutscher Großunternehmen. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen den Erwartungen an KI und ihrer bisherigen wirtschaftlichen Bewertung.
Nur 42 Prozent kennen ihre KI-Ausgaben
Weniger als die Hälfte der befragten Finanzvorstände kann die Kosten für künstliche Intelligenz im eigenen Unternehmen beziffern. Lediglich 42 Prozent verfügen über entsprechende Informationen.
Unternehmen mit einer bestehenden Kostenerfassung wenden derzeit durchschnittlich rund 0,5 Prozent ihrer Gesamtkosten für KI auf. Im kommenden Jahr soll dieser Anteil auf etwa ein Prozent steigen und anschließend langfristig auf diesem Niveau bleiben.
Die geplante Verdopplung verdeutlicht die wachsende Bedeutung von KI-Investitionen. Gleichzeitig erhöht sie den Druck auf Finanzabteilungen, Ausgaben und wirtschaftliche Ergebnisse genauer zu kontrollieren.
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Effizienzsteigerung dominiert die KI-Strategien
Für 83 Prozent der Finanzvorstände stehen Produktivitätsverbesserungen und Kostensenkungen im Mittelpunkt ihrer KI-Projekte. Weitergehende Möglichkeiten, etwa neue Geschäftsmodelle oder zusätzliche Umsatzquellen, werden dagegen deutlich seltener verfolgt.
Nur zehn Prozent der Unternehmen haben nach Einschätzung der Befragten das Potenzial von KI zur Abgrenzung gegenüber Wettbewerbern bereits ausgeschöpft. Damit konzentrieren sich viele Initiativen weiterhin auf die Optimierung bestehender Prozesse statt auf grundlegende Veränderungen.
Deloitte sieht insbesondere bei der strategischen Priorisierung, der Dateninfrastruktur und der Anpassung betrieblicher Abläufe Nachholbedarf.
70 Prozent erwarten messbaren Nutzen innerhalb von zwei Jahren
Obwohl bislang nur 17 Prozent einen konkreten wirtschaftlichen Mehrwert feststellen, rechnen 70 Prozent der befragten Finanzvorstände innerhalb der kommenden zwei Jahre mit messbaren Ergebnissen.
Besonders weit sind Unternehmen aus der Finanz- und Technologiebranche. Dort können bereits 30 Prozent einen positiven Wertbeitrag nachweisen, während weitere 50 Prozent entsprechende Ergebnisse in den nächsten zwei Jahren erwarten.
Die Unterschiede zwischen den Branchen zeigen, dass die wirtschaftliche Nutzung künstlicher Intelligenz unterschiedlich weit entwickelt ist. Deloitte warnt davor, dass eine ungleichmäßige Einführung langfristig die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen könnte.
Unternehmen bauen KI-Controlling aus
Mit steigenden Investitionen gewinnt die systematische Steuerung von KI-Kosten an Bedeutung. Bereits ein Viertel der Unternehmen kontrolliert die Nachfrage nach KI-Diensten und die damit verbundene Token-Nutzung.
Weitere 40 Prozent wollen künftig die wichtigsten Kostentreiber genauer erfassen. 45 Prozent planen, ihre KI-Ausgaben einzelnen Anwendungen zuzuordnen und mit dem jeweiligen Nutzen abzugleichen.
Zudem beabsichtigen 29 Prozent, eindeutige Zuständigkeiten für das Kostenmanagement festzulegen und eine zentrale Steuerungsstruktur aufzubauen.
Wirtschaftlichkeit wird zum entscheidenden Faktor
Die Deloitte-Ergebnisse verdeutlichen, dass der Einsatz künstlicher Intelligenz allein noch keinen nachweisbaren Geschäftserfolg garantiert. Entscheidend wird zunehmend, ob Unternehmen ihre Investitionen nachvollziehbar bewerten und die Anwendungen wirtschaftlich sinnvoll in bestehende Prozesse integrieren können.
Für Finanzvorstände rücken damit neben technologischen Möglichkeiten vor allem Kostenkontrolle, belastbare Kennzahlen und strategische Prioritäten in den Vordergrund. Die kommenden zwei Jahre dürften zeigen, in welchem Umfang sich die hohen Erwartungen an KI tatsächlich erfüllen.






