Die duale Berufsausbildung wird von den meisten Auszubildenden in Deutschland weiterhin positiv bewertet. Laut dem Ausbildungsreport 2026 der DGB-Jugend sind 65,7 Prozent mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Besonders hoch fällt die Zufriedenheit in Betrieben mit Jugend- und Auszubildendenvertretung oder Betriebsrat aus. Gleichzeitig zeigt die Studie deutliche Defizite bei Arbeitsbelastung, psychischer Gesundheit und beruflichen Perspektiven nach dem Ausbildungsabschluss.
Mitbestimmung verbessert die Ausbildungsqualität
In Betrieben mit einer Interessenvertretung bewerten 75,7 Prozent der Auszubildenden ihre Ausbildung positiv. Nach Einschätzung des DGB tragen Betriebsräte sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen dazu bei, Ausbildungspläne einzuhalten, Probleme frühzeitig anzusprechen und die Rechte der Auszubildenden besser durchzusetzen.
Dennoch besteht weiterhin Verbesserungsbedarf. Mehr als ein Drittel der Auszubildenden leistet regelmäßig Überstunden. Zudem geben 16,3 Prozent an, häufig Aufgaben übernehmen zu müssen, die nicht Teil ihrer Ausbildung sind und keinen Beitrag zum Ausbildungsziel leisten.
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Große Unterschiede zwischen den Ausbildungsberufen
Die Zufriedenheit fällt je nach Ausbildungsberuf sehr unterschiedlich aus. Besonders positiv bewerten Verwaltungsfachangestellte ihre Ausbildung. Auch Industriemechaniker, Mechatroniker und Industriekaufleute erreichen hohe Zufriedenheitswerte.
Deutlich kritischer äußern sich dagegen Hotelfachleute, Friseurinnen und Friseure, Zahnmedizinische Fachangestellte sowie Köchinnen und Köche. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Ausbildungsqualität stark von Branche und Betrieb abhängt.
Mentale Gesundheit rückt stärker in den Fokus
Ein Schwerpunkt des diesjährigen Ausbildungsreports liegt auf der psychischen Belastung von Auszubildenden. Mehr als die Hälfte der Befragten berichtet von psychischen Belastungen im Ausbildungsalltag. Als häufigste Ursachen nennen die Auszubildenden Leistungs- und Zeitdruck, Personalmangel sowie hohe Verantwortung.
Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss der Betreuung. Sind Ausbilderinnen und Ausbilder zuverlässig erreichbar, berichten deutlich weniger Auszubildende von hoher psychischer Belastung. Gleichzeitig verfügt ein großer Teil der belasteten Auszubildenden über keine Ansprechperson, mit der Probleme besprochen werden können. Der DGB fordert deshalb niedrigschwellige Beratungsangebote sowie verpflichtende Fortbildungen zur mentalen Gesundheit für Ausbildungspersonal und Lehrkräfte.
Finanzielle Belastungen und unsichere Perspektiven
Neben der Ausbildung selbst belasten viele junge Menschen ihre finanzielle Situation. Rund zwei Drittel der Befragten geben an, von ihrer Ausbildungsvergütung nicht eigenständig leben zu können. Viele sind weiterhin auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen oder arbeiten zusätzlich in einem Nebenjob.
Auch die berufliche Zukunft bleibt für zahlreiche Auszubildende ungewiss. Mehr als ein Drittel der Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr weiß kurz vor dem Abschluss noch nicht, ob sie vom Ausbildungsbetrieb übernommen werden. Der DGB fordert deshalb mehr Planungssicherheit, eine höhere gesetzliche Mindestausbildungsvergütung sowie eine unbefristete Übernahme nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss.
DGB fordert mehr Verantwortung der Betriebe
Mit Blick auf den Ausbildungsmarkt kritisiert der DGB, dass immer weniger Betriebe selbst ausbilden. Gleichzeitig verfügen weiterhin Millionen junger Erwachsener über keinen Berufsabschluss. Um mehr Ausbildungsplätze zu schaffen, spricht sich der Gewerkschaftsbund für eine umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie aus, die Ausbildungskosten solidarisch verteilt und mehr Unternehmen an der Fachkräftesicherung beteiligt.



