Die Globalisierung bleibt widerstandsfähig: Laut dem DHL Global Connectedness Report 2026 (Kernpunkte als PDF) lag der Globalisierungsgrad 2025 bei 25 Prozent – und damit auf dem Rekordniveau von 2022. Trotz geopolitischer Spannungen, US-Zollerhöhungen und Unsicherheit in der Handelspolitik halten Staaten und Unternehmen an ihren internationalen Beziehungen fest. Die Analyse, erstellt von DHL und der NYU Stern School of Business, basiert auf über neun Millionen Datenpunkten zu internationalem Handel, Kapital, Information und Personenströmen.
USA und China entkoppeln sich – ohne große Folgen für die Weltwirtschaft
Der Handel zwischen den USA und China sank 2025 auf nur 2,0 Prozent des globalen Warenhandels – nach 2,7 Prozent im Jahr 2024. Auch grenzüberschreitende Investitionen liegen mit unter 1 Prozent auf Tiefststand. Dennoch zeigt die Studie: Die Abschwächung betrifft nur einen kleinen Teil der internationalen Ströme. In den vergangenen zehn Jahren wurden lediglich 4–6 Prozent weltweiter Handels- und Investitionsströme von geopolitischen Rivalen weg verlagert, meist in flexibel positionierte Länder wie Indien oder Vietnam. Eine weltweite Blockbildung bleibt damit aus.
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KI-Boom und Zollerhöhungen prägen Handelsjahr 2025
Der Welthandel wuchs 2025 so stark wie seit 2017 kaum. Gründe waren vorgezogene US-Importe vor Zollanhebungen, steigende chinesische Lieferungen in alternative Märkte und ein deutlicher Anstieg des Handels mit KI-bezogener Infrastruktur. Laut WTO entfielen 42 Prozent des globalen Handelswachstums auf KI-Komponenten.
Für die Jahre bis 2029 erwartet der Bericht ein durchschnittliches Wachstum des Welthandels von 2,6 Prozent pro Jahr – ähnlich dem Niveau der vergangenen Dekade, selbst bei höheren Zöllen.
Information unter Druck – Mobilität auf Rekordniveau
Während Kapitalströme stabil bleiben und multinationale Konzerne weiterhin hohe Auslandsumsätze erzielen, verlangsamt sich die Globalisierung von Informationsströmen deutlich. Gründe sind geopolitische Konflikte und Beschränkungen von Datenflüssen. Personenströme hingegen erreichen neue Rekordwerte: Reisen, Migration und internationale Studierendenmobilität übertreffen erstmals wieder alle Vor-Corona-Niveaus.
Handel über Rekorddistanzen – Regionalisierung bleibt aus
2025 legten Handelsgüter im Durchschnitt 5.010 Kilometer zurück – ein historischer Höchstwert. Auch Greenfield-FDI-Projekte erreichten neue Rekorddistanzen von 6.250 Kilometern. Die erwartete regionale Verlagerung globaler Lieferketten bleibt damit bislang aus.
Singapur bleibt globalisiertestes Land – Europa führt im Regionenvergleich
Singapur belegt erneut Platz 1 im Länder-Ranking, gefolgt von Luxemburg und den Niederlanden. Europa ist die am stärksten globalisierte Region, vor Nordamerika und dem Nahen Osten. Großbritannien weist weltweit die breiteste geographische Verteilung internationaler Ströme auf.
Experten: Globalisierung bleibt wertvoll – aber politisch fragil
DHL-Express-CEO John Pearson betont, dass globale Vernetzung entscheidend sei, um Herausforderungen wie Armut oder Klimawandel zu bewältigen. Steven Altman von der NYU Stern unterstreicht, dass politische Unsicherheit zwar hoch sei, die realen globalen Ströme jedoch weit stabiler bleiben als erwartet.


