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Deloitte-Studie: Nachhaltigkeitsberichte werden kürzer und einheitlicher

Wald in einer Kugel dargestellt
Foto: Arthur Ogleznev / Pexels

Key takeaways

➟ Laut Deloitte und DRSC berichten 66 Prozent der untersuchten Börsenunternehmen vollständig nach ESRS. Nachhaltigkeitsberichte werden kürzer, externe Prüfungen bleiben verbreitet und ergänzende ESG-Factbooks gewinnen an Bedeutung.

Lesezeit ca. 4 Minuten

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher Börsenunternehmen orientiert sich zunehmend an den European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Nach einer Untersuchung von Deloitte und dem Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) erstellten 66 Prozent der analysierten DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen ihre Berichte für das Geschäftsjahr 2025 vollständig nach diesen Vorgaben. Im Vorjahr waren es 51 Prozent. Gleichzeitig wurden die Veröffentlichungen durchschnittlich kürzer, während die externe Prüfung und ergänzende ESG-Informationen eine wichtige Rolle spielen.

DAX-Unternehmen wenden ESRS besonders häufig an

Die Studie „Die Praxis der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD/ESRS“ zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Börsensegmenten. Während 90 Prozent der untersuchten DAX-Konzerne die Standards vollständig anwendeten, erreichten MDAX-Unternehmen einen Anteil von 79 Prozent.

Im SDAX lag die Quote bei 42 Prozent und damit deutlich niedriger. Insgesamt bewerteten die Studienautoren die Nachhaltigkeitsberichte von 119 Unternehmen als inhaltlich ESRS-konform.

Die zunehmende Verbreitung erfolgt vor dem Hintergrund veränderter regulatorischer Rahmenbedingungen. Die Europäische Union hat ihre Anforderungen im Zuge des Omnibus-Verfahrens angepasst, während die Umsetzung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) in deutsches Recht zum Zeitpunkt der Untersuchung noch ausstand.

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Unternehmen überarbeiten ihre Nachhaltigkeitsangaben

Von den 119 Unternehmen mit inhaltlich ESRS-konformen Berichten veröffentlichten 99 bereits zum zweiten Mal entsprechende Informationen. Insgesamt 87 dieser Unternehmen ergänzten ihre aktuellen Angaben um Vergleichswerte aus dem Vorjahr.

Rund neun von zehn Firmen mit vorheriger ESRS-Berichterstattung überarbeiteten ihre bestehenden Informationen. Besonders häufig betrafen die Anpassungen Daten zu Treibhausgasemissionen sowie Kennzahlen über die eigenen Beschäftigten.

Nach Einschätzung der Studienautoren zeigt sich darin eine zunehmende Vereinheitlichung der Berichtspraxis. Unternehmen passen ihre Veröffentlichungen stärker an regulatorische Anforderungen und die Vorgehensweise vergleichbarer Marktteilnehmer an.

Klimawandel und Beschäftigte bleiben zentrale Themen

Ein wesentlicher Bestandteil der ESRS-Berichterstattung ist die doppelte Wesentlichkeitsanalyse. Unternehmen untersuchen dabei sowohl ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft als auch die finanziellen Folgen nachhaltigkeitsbezogener Entwicklungen für das eigene Geschäft.

Im Durchschnitt identifizierten die untersuchten Unternehmen sechs wesentliche ESRS-Themen. Besonders häufig wurden Klimawandel, die eigenen Arbeitskräfte und Unternehmensführung als relevant eingestuft.

Die von der Europäischen Kommission eingeführten Quick-Fix-Erleichterungen fanden bislang nur begrenzt Anwendung. Lediglich 19 der 119 Unternehmen mit inhaltlich ESRS-konformen Berichten nutzten diese Vereinfachungen, was einem Anteil von rund 16 Prozent entspricht.

Cybersecurity gewinnt in Nachhaltigkeitsberichten an Bedeutung

Neben den vorgegebenen ESRS-Themen berichten Unternehmen zunehmend über zusätzliche Nachhaltigkeitsaspekte. Insgesamt 46 Prozent der untersuchten Firmen veröffentlichten Angaben zu unternehmensspezifischen Themen, gegenüber 36 Prozent im Vorjahr.

Besonders häufig standen Cybersicherheit, Datenschutz und digitale Verantwortung im Mittelpunkt. In 37 Berichten wurden entsprechende Themen behandelt, während 18 Veröffentlichungen zusätzliche Informationen zu Compliance, Unternehmensführung und Geschäftsethik enthielten.

Im Durchschnitt stuften die Unternehmen zwei solcher ergänzenden Themen als wesentlich ein. Die Entwicklung zeigt, dass digitale Risiken und verantwortungsvolle Unternehmensführung zunehmend in die Nachhaltigkeitskommunikation einbezogen werden.

Weniger wesentliche Risiken und Auswirkungen dokumentiert

Die Zahl der berichteten wesentlichen Auswirkungen, Risiken und Chancen, der sogenannten IROs, ging gegenüber dem Vorjahr zurück. Im Durchschnitt sank sie von 43 auf 36 je Unternehmen.

Für das Geschäftsjahr 2025 identifizierten die Firmen durchschnittlich 14 negative und neun positive Auswirkungen sowie vier Chancen und neun Risiken. Besonders deutlich fiel der Rückgang im MDAX aus, wo die durchschnittliche Zahl von 53 auf 38 sank.

Angaben zu den erwarteten finanziellen Folgen wesentlicher Risiken und Chancen blieben dagegen selten. Insgesamt 111 der 119 Unternehmen nutzten entsprechende Übergangsregelungen und verzichteten auf diese Informationen.

Nachhaltigkeitsberichte werden durchschnittlich 13 Seiten kürzer

Neben der inhaltlichen Entwicklung zeigt die Studie Veränderungen beim Umfang der Veröffentlichungen. Die durchschnittliche Länge der Nachhaltigkeitsberichte verringerte sich von 130 auf 117 Seiten.

Die Unterschiede zwischen einzelnen Unternehmen bleiben allerdings erheblich. Die untersuchten Berichte umfassten zwischen 27 und 259 Seiten.

DAX-Konzerne veröffentlichten mit durchschnittlich 141 Seiten die umfangreichsten Berichte. Im MDAX lag der Durchschnitt bei 117 Seiten, während SDAX-Unternehmen auf 96 Seiten kamen.

Zugleich integrierten mehr Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsinformationen in einen gesonderten Abschnitt des Lageberichts. Der entsprechende Anteil stieg um zwölf Prozentpunkte auf 80 Prozent und erreichte im DAX sogar 97 Prozent.

92 Prozent lassen Berichte freiwillig prüfen

Die externe Prüfung von Nachhaltigkeitsinformationen ist bei den untersuchten Unternehmen weit verbreitet. Insgesamt 92 Prozent ließen ihre Berichte freiwillig durch unabhängige Prüfer beurteilen.

Bei 93 Berichten erfolgte die Prüfung mit begrenzter Sicherheit. Ein weiterer Bericht wurde mit hinreichender Sicherheit geprüft, während sämtliche durchgeführten Prüfungen zu uneingeschränkten Prüfungsurteilen führten.

Die Ergebnisse verdeutlichen die Bedeutung externer Prüfungen für die Nachhaltigkeitskommunikation. Allerdings unterscheiden sich Prüfungen mit begrenzter und hinreichender Sicherheit hinsichtlich Umfang und Aussagekraft.

ESG-Factbooks ergänzen die Kapitalmarktkommunikation

Zusätzlich zu den regulären Nachhaltigkeitsberichten veröffentlichen Unternehmen verstärkt eigenständige ESG-Datensammlungen. Für das Geschäftsjahr 2025 stellten 41 Prozent der untersuchten Firmen mindestens ein sogenanntes ESG-Factbook bereit.

Diese Dokumente enthalten ergänzende Kennzahlen und Informationen zu Nachhaltigkeitsstrategien, Fortschritten und Unternehmenszielen. Sie richten sich insbesondere an Investoren, Ratingagenturen und andere Kapitalmarktteilnehmer.

Bei großen Börsenunternehmen ist dieses Format besonders verbreitet. Während 67 Prozent der DAX-Konzerne ESG-Factbooks veröffentlichten, lagen die Anteile im MDAX bei 44 Prozent und im SDAX bei 17 Prozent.

ESRS entwickelt sich zum etablierten Berichtsrahmen

Die Untersuchung dokumentiert eine zunehmende Anwendung der europäischen Nachhaltigkeitsstandards trotz regulatorischer Veränderungen. Vor allem größere Börsenunternehmen haben ihre Berichtsprozesse bereits weitgehend an den ESRS ausgerichtet.

Gleichzeitig werden die Berichte kompakter und die veröffentlichten Informationen stärker vergleichbar. Unterschiede bestehen weiterhin beim Umfang der Angaben, bei zusätzlichen unternehmensspezifischen Themen und bei der Nutzung regulatorischer Erleichterungen.

Für die weitere Entwicklung dürfte entscheidend sein, wie Unternehmen ihre Berichtsprozesse an die europäischen Vereinfachungen und die noch ausstehende nationale Umsetzung anpassen. Die Studie zeigt, dass sich die ESRS-Berichterstattung bei vielen börsennotierten Unternehmen bereits als fester Bestandteil der Unternehmenskommunikation etabliert hat.

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