Der wirtschaftliche Austausch zwischen Deutschland und Russland ist seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine drastisch zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2026 importierte Deutschland Waren im Wert von lediglich 532 Millionen Euro aus Russland. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 entspricht dies einem Rückgang von 96,4 Prozent. Auch deutsche Exporte nach Russland, Unternehmensbeteiligungen und der grenzüberschreitende Personenverkehr haben deutlich abgenommen, wie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen.
Deutsche Russland-Importe fallen von 15 Milliarden auf 532 Millionen Euro
Vor dem Krieg gehörte Russland insbesondere bei der Energieversorgung zu den wichtigen Handelspartnern Deutschlands. Im ersten Halbjahr 2021 erreichten die deutschen Warenimporte aus Russland noch einen Wert von 15,0 Milliarden Euro.
Fünf Jahre später sind die Einfuhren auf einen Bruchteil dieses Volumens geschrumpft. Maßgeblich dafür sind die umfangreichen Sanktionen der Europäischen Union, die unter anderem den Handel mit Energieträgern und zahlreichen Industrieprodukten beschränken.
Auch die deutschen Ausfuhren nach Russland gingen erheblich zurück. Sie sanken im Vergleich der beiden Halbjahre um 73,1 Prozent von 12,7 auf 3,4 Milliarden Euro.
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Energieimporte verlieren ihre frühere Bedeutung
Die Zusammensetzung der verbliebenen Russland-Importe hat sich grundlegend verändert. Während Erdöl und Erdgas 2021 noch 61,5 Prozent der deutschen Einfuhren ausmachten, dominieren inzwischen andere Warengruppen.
Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 206 Millionen Euro beziehungsweise 38,7 Prozent der Importe auf Nahrungs- und Futtermittel. Metalle erreichten mit 168 Millionen Euro einen Anteil von 31,6 Prozent, während chemische Erzeugnisse mit knapp 96 Millionen Euro weitere 18 Prozent ausmachten.
Bei den deutschen Exporten nach Russland stehen mittlerweile pharmazeutische Produkte im Vordergrund. Sie erreichten einen Wert von rund 1,5 Milliarden Euro und stellten damit 42,4 Prozent der gesamten Ausfuhren.
Maschinen machten noch 11,1 Prozent und Nahrungs- sowie Futtermittel 10,5 Prozent aus. Vor Kriegsbeginn hatten dagegen Maschinen und Fahrzeuge wesentlich größere Anteile am deutschen Exportgeschäft mit Russland.
Russische Unternehmen verlieren in Deutschland an Bedeutung
Der Rückzug aus den deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen zeigt sich auch bei den Unternehmensbeteiligungen. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland noch 76 Unternehmen von Muttergesellschaften mit Sitz in Russland kontrolliert, gegenüber 229 im Jahr 2021.
Ihr gemeinsamer Jahresumsatz verringerte sich im selben Zeitraum von 25,4 auf 8,4 Milliarden Euro. Damit sank ihr Anteil an den Umsätzen aller auslandskontrollierten Unternehmen in Deutschland von 1,3 auf 0,4 Prozent.
Auch deutsche Investoren reduzierten ihre wirtschaftliche Präsenz in Russland. Die Zahl der dort von deutschen Eigentümern kontrollierten Unternehmen ging zwischen 2021 und 2024 von 481 auf 290 zurück.
Der von diesen Gesellschaften erwirtschaftete Umsatz fiel von rund 38 auf 13 Milliarden Euro. Dies verdeutlicht, dass sich die wirtschaftliche Entflechtung nicht auf den Warenhandel beschränkt.
Flugverkehr zwischen Deutschland und Russland nahezu eingestellt
Besonders deutlich sind die Veränderungen im Luftverkehr. Aufgrund des bestehenden Direktflugverbots finden zwischen deutschen Hauptverkehrsflughäfen und Russland praktisch keine direkten Passagierflüge mehr statt.
Im ersten Halbjahr 2019 waren noch jeweils rund eine Million Fluggäste direkt zwischen beiden Ländern unterwegs. Im ersten Halbjahr 2026 lag die Zahl entsprechender Direktverbindungen dagegen nahezu bei null.
Unter Berücksichtigung von Umsteigeverbindungen reisten noch rund 39.900 Passagiere von deutschen Flughäfen mit letztbekanntem Ziel Russland ab. Gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 entspricht dies einem Rückgang von 95,9 Prozent.
Mehr russische Staatsangehörige verlassen Deutschland
Auch bei den Wanderungsbewegungen hat sich das Verhältnis verändert. Im ersten Halbjahr 2026 zogen rund 3.800 russische Staatsangehörige nach Deutschland, während mehr als 4.400 das Land verließen.
Im ersten Halbjahr 2022 hatte sich noch ein deutlich anderes Bild gezeigt. Damals waren rund 12.700 russische Staatsangehörige nach Deutschland gekommen, während lediglich etwa 3.400 fortzogen.
Der rückläufige Austausch betrifft außerdem die Hochschulen. Im Studienjahr 2025 nahmen rund 1.700 russische Studierende mit ausländischer Hochschulzugangsberechtigung erstmals ein Studium in Deutschland auf.
Gegenüber 2021 entspricht dies einem Rückgang von 40 Prozent. Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 verringerte sich die Zahl der Studienanfänger aus Russland sogar um 45 Prozent.
Sanktionen verändern Wirtschaftsbeziehungen dauerhaft
Die Zahlen zeigen eine weitreichende Verringerung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und Russland. Besonders ausgeprägt ist der Rückgang im Warenhandel, der zuvor stark von russischen Energielieferungen geprägt war.
Die inzwischen 21 Sanktionspakete der Europäischen Union umfassen Handelsbeschränkungen, Finanzsanktionen und Einschränkungen im Verkehrssektor. Sie haben die Rahmenbedingungen für Unternehmen und Privatpersonen grundlegend verändert.
Während bestimmte Waren weiterhin gehandelt werden, sind zahlreiche frühere Geschäftsbeziehungen weggefallen. Eine Rückkehr zum Handelsniveau vor dem russischen Angriff auf die Ukraine ist unter den bestehenden politischen und wirtschaftlichen Bedingungen nicht absehbar.


