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Logistikbranche erwartet 2027 leichtes Wachstum – Kosten bleiben Belastung

Arbeiter in einer Logistikhalle
Foto: depositphotos.com

Key takeaways

➟ Die deutsche Logistikwirtschaft könnte 2027 real um ein Prozent wachsen. Steigende Kosten, Industrieschwäche und Fachkräftemangel belasten die Branche. Automatisierung und künstliche Intelligenz sollen die Produktivität verbessern.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Die deutsche Logistikwirtschaft dürfte 2027 wieder leicht wachsen, bleibt jedoch erheblichen wirtschaftlichen Belastungen ausgesetzt. Der Expertenkreis „Gipfel der Logistikweisen“ erwartet im wahrscheinlichsten Szenario einen realen Zuwachs von 1,0 Prozent und ein nominales Plus von 3,6 Prozent. Steigende Betriebskosten, schwache Industrieimpulse und geopolitische Risiken begrenzen die Erholung. Entscheidend für die weitere Entwicklung werden nach Einschätzung der Logistikweisen Investitionen in Produktivität, Digitalisierung und künstliche Intelligenz.

Logistikweisen erwarten moderate Erholung

Die Prognose basiert auf dem Herbstgipfel der Initiative, bei dem Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft die Perspektiven des Logistikstandorts Deutschland untersuchten. Für 2026 rechnen die Experten inzwischen mit einem realen Wachstum von knapp einem Prozent und einem nominalen Anstieg von rund vier Prozent.

Zu dieser Entwicklung tragen eine stabile Exportnachfrage und zusätzliche Logistikleistungen für den Ausbau von KI-Rechenzentren bei. Auch vorsorglich erhöhte Lagerbestände infolge geopolitischer Unsicherheiten haben das Geschäft unterstützt.

Für 2027 unterscheidet der Expertenkreis drei mögliche Entwicklungen. Im optimistischen Szenario steigt die reale Wirtschaftsleistung der Logistik um 1,6 Prozent, während im ungünstigsten Fall lediglich 0,2 Prozent Wachstum erreicht werden.

Nominal liegen die Prognosen zwischen 3,2 und 5,0 Prozent. Das Trendszenario mit 3,6 Prozent nominalem Wachstum setzt eine allmähliche wirtschaftliche Stabilisierung voraus.

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Personalkosten und Industrieschwäche belasten Unternehmen

Trotz der erwarteten Erholung bleibt die wirtschaftliche Situation vieler Logistikunternehmen angespannt. Besonders problematisch ist die Entwicklung der Personal-, Fahrzeug- und Lagerkosten, denen nur begrenzte Produktivitätsfortschritte gegenüberstehen.

Da die transportierten Warenmengen voraussichtlich nur langsam zunehmen, lassen sich höhere Betriebskosten nicht vollständig über zusätzliche Aufträge ausgleichen. Auch Preiserhöhungen können Unternehmen im Wettbewerb nur eingeschränkt durchsetzen.

Zusätzliche Belastungen entstehen durch den Strukturwandel der deutschen Industrie. Insbesondere aus der Automobil- und Chemiebranche erwarten die Logistikweisen für 2027 kaum nennenswerte Wachstumsimpulse.

Etwas günstigere Perspektiven bestehen für die Bauwirtschaft und die Elektronikindustrie. Auch Maschinenbau und Konsumgüterproduktion könnten die Nachfrage nach Logistikdienstleistungen leicht erhöhen.

Automatisierung und KI sollen Produktivität steigern

Um den steigenden Kostendruck zu bewältigen, müssen Logistikunternehmen ihre Abläufe effizienter gestalten. Der Expertenkreis sieht deshalb in Automatisierung, digitalen Technologien und künstlicher Intelligenz zentrale Voraussetzungen für die künftige Wettbewerbsfähigkeit.

Ab 2027 könnten ausgereifte technische Lösungen zunehmend auch für mittelständische Unternehmen wirtschaftlich nutzbar werden. Automatisierte Lagerprozesse, datenbasierte Planung und KI-gestützte Steuerung sollen dazu beitragen, Personalressourcen besser einzusetzen und Betriebskosten zu begrenzen.

Allerdings erschweren eingeschränkte Investitionsbudgets und zusätzliche Anforderungen an die Cybersicherheit vielerorts die Umsetzung. Die Experten erwarten daher eher schrittweise Produktivitätsfortschritte als kurzfristige grundlegende Veränderungen.

Fachkräftemangel und Lieferketten bleiben Risiken

Der Mangel an qualifiziertem Personal bleibt eine strukturelle Herausforderung für die Logistikbranche. Nach Einschätzung der Experten liegt das Problem zunehmend darin, dass vorhandene Arbeitskräfte nicht ausreichend zu den betrieblichen Anforderungen passen.

Besonders schwierig gestaltet sich weiterhin die Besetzung von Fahrerstellen. Erleichterungen bei der Anerkennung ausländischer Führerscheine, gezielte Zuwanderung und bessere Arbeitsbedingungen könnten die Situation verbessern.

Zugleich müssen Unternehmen ihre Lieferketten widerstandsfähiger organisieren. Geopolitische Konflikte, extreme Wetterereignisse und Abhängigkeiten von wichtigen Rohstoffen erhöhen die Gefahr von Unterbrechungen.

Auch Nachhaltigkeitsanforderungen bleiben ein Thema. Selbst bei einer möglichen Lockerung gesetzlicher Berichtspflichten dürften Auftraggeber weiterhin entsprechende Standards von ihren Logistikpartnern verlangen.

Logistik erwirtschaftet mehr als 330 Milliarden Euro

Die Initiative fordert eine stärkere wirtschaftspolitische Berücksichtigung der Logistik. Mit einer Wirtschaftsleistung von über 330 Milliarden Euro und mehr als 3,3 Millionen Beschäftigten gehört sie zu den größten Wirtschaftsbereichen Deutschlands.

Ihre Bedeutung reicht weit über Gütertransport und Lagerhaltung hinaus. Logistikunternehmen sichern industrielle Produktionsabläufe, internationale Handelsverbindungen und zunehmend auch verteidigungsrelevante Versorgungsstrukturen.

Wettbewerbsvorteile sehen die Experten insbesondere in der deutschen Intralogistik, Automatisierungstechnik und Organisation komplexer Liefernetzwerke. Unter dem Leitbild „Logistik Made in Germany“ sollen Qualität, technologische Kompetenz und Versorgungssicherheit stärker hervorgehoben werden.

Experten fordern bessere Investitionsbedingungen

Für eine nachhaltige Stärkung der Branche empfehlen die Logistikweisen mehr Investitionen in Innovationen und eine engere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Forschung. Unternehmen sollen digitale Anwendungen schneller einführen und ihre Dienstleistungen stärker an veränderten Kundenanforderungen ausrichten.

Von der Politik erwartet der Expertenkreis weniger bürokratische Belastungen, verlässliche Investitionsbedingungen und leistungsfähige Verkehrs- und Energienetze. Auch die Fachkräftegewinnung soll durch geeignete Maßnahmen unterstützt werden.

Die Prognose verdeutlicht, dass zusätzliches Transportaufkommen allein für einen nachhaltigen Aufschwung nicht ausreichen dürfte. Entscheidend ist vielmehr, ob die Unternehmen ihre Produktivität erhöhen und sich erfolgreich an den industriellen Strukturwandel anpassen.

Der vollständige Jahresbericht zur Entwicklung der deutschen Logistikwirtschaft 2027 soll im ersten Quartal des kommenden Jahres erscheinen. Anschließend ist die Übergabe an das Bundesministerium für Verkehr vorgesehen.

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