Der Berliner Lieferdienstkonzern Delivery Hero kann sein Taiwan-Geschäft vorerst nicht an Grab verkaufen. Die taiwanesische Wettbewerbsbehörde hat die geplante Übernahme von Foodpanda Taiwan untersagt. Damit bleibt eine Transaktion über 600 Millionen US-Dollar blockiert, deren Erlös Delivery Hero zur Verbesserung seiner Finanzlage einsetzen wollte. Hintergrund sind wettbewerbsrechtliche Bedenken wegen der Beteiligung von Uber an Grab.
Wettbewerbsbehörde verweigert Genehmigung
Die Taiwan Fair Trade Commission lehnte den im März 2026 vereinbarten Verkauf am 21. Oktober ab. Delivery Hero bestätigte die Entscheidung in einer Ad-hoc-Mitteilung und verwies darauf, dass die behördliche Zustimmung Voraussetzung für den Abschluss gewesen wäre.
Grab wollte den Kaufpreis von 600 Millionen Dollar in bar bezahlen. Ursprünglich hatten beide Unternehmen den Vollzug für die zweite Jahreshälfte 2026 vorgesehen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Uber-Beteiligung gefährdet Wettbewerb
Der taiwanesische Markt für Essenslieferungen wird wesentlich von Foodpanda und Uber Eats bestimmt. Mit der Übernahme hätte Grab die Position von Foodpanda übernommen und wäre zum wichtigsten Konkurrenten von Uber Eats geworden.
Problematisch ist aus Sicht der Wettbewerbsbehörde die Beteiligung von Uber an Grab. Uber besitzt rund 13 Prozent der Aktien, verfügt aufgrund unterschiedlicher Stimmrechte jedoch nur über etwa 3,9 Prozent der Stimmen.
Die Behörde befürchtet, dass diese wirtschaftliche Verbindung den Wettbewerb zwischen beiden Plattformen abschwächen könnte. Von Grab angebotene Maßnahmen zur Begrenzung des Einflusses und zum Schutz sensibler Geschäftsinformationen wurden als unzureichend bewertet.
Delivery Hero fehlen Mittel für Schuldenabbau
Der Verkauf war Bestandteil einer umfassenderen Überprüfung des internationalen Beteiligungsportfolios von Delivery Hero. Die Nettoerlöse sollten insbesondere zur Rückführung von Verbindlichkeiten und zur Stärkung der finanziellen Flexibilität verwendet werden.
Durch das Veto entfällt dieser Mittelzufluss zunächst. Ein unmittelbarer Verlust von 600 Millionen Dollar entsteht dadurch allerdings nicht, da das Taiwan-Geschäft vorerst im Konzern verbleibt.
Die Entscheidung trifft Delivery Hero trotz einer verbesserten operativen Entwicklung. Im Geschäftsjahr 2025 erreichte das bereinigte EBITDA 903 Millionen Euro, rund 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Der freie Cashflow stieg auf 250 Millionen Euro.
Grab muss Expansion nach Taiwan verschieben
Für Grab sollte Taiwan der erste Markt außerhalb Südostasiens werden. Der Konzern plante, das bestehende Netzwerk von Foodpanda zu übernehmen und Kunden sowie Lieferpartner schrittweise auf seine Plattform zu übertragen.
Ab 2028 hatte Grab einen zusätzlichen jährlichen Beitrag zum bereinigten EBITDA von mindestens 60 Millionen Dollar erwartet. Diese Perspektive ist durch die behördliche Entscheidung vorerst hinfällig.
Ein eigenständiger Markteintritt bleibt grundsätzlich möglich, würde jedoch den Aufbau eigener Kundenbeziehungen, Lieferstrukturen und Restaurantpartnerschaften erfordern. Damit wären zusätzliche Investitionen und wirtschaftliche Risiken verbunden.
Rechtsmittel und Entschädigung möglich
Delivery Hero kann die Entscheidung der Wettbewerbsbehörde anfechten. Ob der Konzern oder Grab diesen Weg einschlagen wird, ist bislang offen.
Der Kaufvertrag enthält zudem eine sogenannte Break-Fee-Regelung, die unter bestimmten Bedingungen eine Entschädigungszahlung ermöglichen könnte. Ob daraus tatsächlich ein Zahlungsanspruch entsteht, steht derzeit nicht fest.
Portfoliostrategie bleibt unter Druck
Das Veto zeigt, dass Wettbewerbsbehörden bei Plattformübernahmen auch indirekte Beteiligungen und mögliche Interessenkonflikte berücksichtigen. Selbst ohne unmittelbare Zusammenlegung konkurrierender Unternehmen können solche Verbindungen eine Genehmigung verhindern.
Für Delivery Hero erschwert die Entscheidung die geplante Neuordnung seines internationalen Geschäfts. Die operative Erholung bleibt davon zunächst unberührt, doch der erwartete Verkaufserlös zur finanziellen Konsolidierung steht vorerst nicht zur Verfügung.


