Eine neue Brancheninitiative bringt einige der bekanntesten Luxusmodemarken Europas zusammen, um ihre Lieferketten klimafreundlicher zu gestalten. Angeführt wird das Projekt von der 2019 gegründeten NGO The Fashion Pact.
Zu den beteiligten Unternehmen gehören laut Fashion Pact CHANEL, Ermenegildo Zegna Group, Kering, Moncler Group und Prada Group. Gemeinsam wollen sie mit einem sogenannten „European Accelerator“ die Dekarbonisierung von Lieferketten vorantreiben – beginnend in Italien, einem Schlüsselstandort für die Herstellung hochwertiger Modeprodukte.
Standardisierte Umweltdaten für mehr Effizienz
Kernstück des Projekts ist ein freiwilliger und nicht abschließender Fragenkatalog, den Zulieferer ausfüllen können. Dieser wurde in Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsberatung Quantis (Teil von BCG) entwickelt und bereits sechs Wochen lang mit 74 italienischen Zulieferern getestet. Er umfasst Daten zu Energieverbrauch, Wasserverbrauch und Abfallaufkommen. Ziel ist es, die Erhebung von Umweltdaten zu vereinheitlichen, den bürokratischen Aufwand für Lieferanten zu senken und die Datenqualität für Marken zu verbessern.
Einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung des Fragenkatalogs leisteten auch Branchengremien wie Confindustria Moda und die Camera Nazionale della Moda Italiana, die mehr als 200 Modemarken in Italien repräsentiert.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Zugang zu Finanzierung als Hürde
Laut der Studie „Just Fashion Transition 2025“ der TEHA Group benötigt die europäische Modebranche rund 4,4 Mrd. Euro bis 2030, um ihre Klimaziele zu erreichen. Insbesondere in Italien fehlt es vielen Zulieferern jedoch an Investitionsspielraum – rund 58 % gelten als finanziell nicht in der Lage, in klimafreundliche Technologien zu investieren.
Der European Accelerator setzt daher nicht nur auf Datentransparenz, sondern auch auf Maßnahmen zur Kapazitätsbildung und zur Förderung von Investitionen in erneuerbare Energien und Effizienztechnologien. Ein Ziel ist es, neue Finanzierungsmöglichkeiten zu eröffnen, damit Zulieferer Zugang zu den nötigen Ressourcen für eine nachhaltige Transformation erhalten.
Aufruf zur branchenweiten Beteiligung
Das Projekt ist offen für weitere Marken. Der Fragenkatalog wird kontinuierlich weiterentwickelt, um den neuesten gesetzlichen Vorgaben und Best Practices gerecht zu werden.
Eva von Alvensleben, Geschäftsführerin von The Fashion Pact, betont: „Durch gemeinsame Standards verbessern wir nicht nur die Datenqualität und -vergleichbarkeit, sondern entlasten auch unsere Lieferanten. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einer resilienteren und nachhaltigeren Modebranche.“


