JD.com will in den kommenden Jahren massiv in die Wohnsituation seiner Kuriere investieren und setzt damit ein starkes Zeichen im zunehmend umkämpften Markt für Schnelllieferungen. Wie Reuters berichtet, kündigte das chinesische E-Commerce-Unternehmen an, insgesamt 22 Milliarden Yuan (rund 3,12 Milliarden Euro) für Wohnunterstützung bereitzustellen. Bereits heute stellt JD.com, Chinas größter Einzelhändler, nach eigenen Angaben 28.000 Wohneinheiten für Zusteller zur Verfügung, bis 2030 sollen es 150.000 werden.
Reaktion auf öffentlichen Druck und harte Marktbedingungen
Die Initiative erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender öffentlicher Aufmerksamkeit für die teils prekären Arbeitsbedingungen der rund 12 Millionen Kurierfahrer in China. In Filmen, Büchern und sozialen Medien wird ihre Lebensrealität zunehmend thematisiert – oft als Sinnbild für die Schattenseiten der digitalen Konsumgesellschaft. Die Unternehmen reagieren mit dem Ausbau sozialer Leistungen: Neben JD.com hat auch der Essenslieferdienst Meituan vor Kurzem angekündigt, zehn Milliarden Yuan in die soziale Absicherung seiner Fahrer zu investieren.
Die Maßnahmen dienen jedoch nicht nur dem sozialen Gewissen, sondern sind auch ein strategisches Signal an Markt und Behörden. Denn die Regulierer haben JD.com, Meituan und Alibaba bereits dazu aufgefordert, ihren aggressiven Wettbewerb um Marktanteile im sogenannten „Instant Retail“ – also Lieferungen binnen einer Stunde – zu zügeln und zu einer „rationaleren“ Konkurrenz zurückzukehren. Die milliardenschweren Subventionen und Rabatte im Preiskampf hatten nicht nur die Margen belastet, sondern auch politische Kritik provoziert.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Wettbewerbsfaktor Mitarbeiterbindung
Der Ausbau von Mitarbeiterwohnungen ist somit nicht nur ein soziales Projekt, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil in einem Markt, in dem Geschwindigkeit und Verlässlichkeit entscheidend sind. Unternehmen wie JD.com setzen darauf, ihre Fahrer durch bessere Wohnbedingungen stärker zu binden und gleichzeitig ihren Ruf als verantwortungsbewusste Arbeitgeber zu verbessern. Meituan etwa bietet in Städten wie Peking oder Shenzhen bereits subventionierte „Rider Apartments“ mit Mietpreisen von bis zu 50 Prozent unter dem Marktwert an.


