Nach einer Phase der Stagnation gewinnt der deutsche Onlinehandel wieder an Tempo. Laut dem aktuellen Branchenreport des IFH KÖLN wird für das Jahr 2025 ein Umsatzwachstum zwischen 2,7 und 5,7 Prozent prognostiziert. Dies entspricht einem potenziellen Marktvolumen von bis zu 110 Milliarden Euro. Bereits 2024 war der Markt um 3,8 Prozent gewachsen – dieser Trend soll sich fortsetzen, trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten und verhaltener Konsumstimmung.
Lokale Lücken und Digitalisierung treiben Onlinekäufe
Als Wachstumstreiber identifiziert das IFH KÖLN eine Reihe struktureller Veränderungen im Handel: Die Digitalisierung im stationären Bereich, der Einfluss sozialer Medien und die ständige Verfügbarkeit von Smartphones fördern den Onlineeinkauf. Gleichzeitig führt die sinkende Dichte stationärer Angebote dazu, dass Verbraucher vermehrt auf Onlinekanäle ausweichen – insbesondere dort, wo lokale Geschäfte verschwinden.
„Die zunehmende Lücke im stationären Angebot verleiht dem Onlinehandel zusätzlichen Schub“, so Hansjürgen Heinick, Experte für Onlinehandel beim IFH KÖLN. Der Onlinekauf wird vielerorts zur Notwendigkeit, etwa in ländlichen Regionen mit geringer Einzelhandelsdichte.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
FMCG dominiert, Wohnen bleibt Schlusslicht
Ein genauer Blick auf die Branchendaten zeigt: Nahezu alle Branchen entwickeln sich im Onlinebereich dynamischer als im Gesamtmarkt. Besonders stark ist das Segment der Fast Moving Consumer Goods (FMCG), das für 2025 ein Onlinewachstum von bis zu 14,6 Prozent erwarten lässt. Dahinter folgt die Branche Gesundheit & Wellness mit bis zu 8,8 Prozent Zuwachs. Am schwächsten schneidet weiterhin der Bereich Wohnen und Einrichten ab, der lediglich ein moderates Onlineplus von bis zu 2,9 Prozent aufweist.
„Große Anbieter im FMCG-Bereich erweitern ihre Liefergebiete, auch Quick-Commerce-Services erleben eine gewisse Renaissance“, so Heinick. Die Kombination aus schneller Verfügbarkeit und flexiblen Lieferoptionen treffe den Nerv der Kunden – insbesondere im Lebensmittelhandel.
Wachstum bis 2029: Drei Szenarien für den Onlinehandel
Für den mittelfristigen Ausblick rechnet das IFH KÖLN mit einem anhaltenden Wachstum des B2C-Onlinehandels. Im mittleren Szenario steigt das jährliche Umsatzvolumen bis 2029 um durchschnittlich 4,2 Prozent – das entspräche rund 128 Milliarden Euro. Im optimistischen Fall könnte der Markt sogar auf 141 Milliarden Euro anwachsen. Selbst das pessimistische Szenario liegt noch bei 117 Milliarden Euro. Der Ausgangspunkt der Analyse liegt bei 70 Milliarden Euro im Jahr 2019, mit einem bereits erreichten Anstieg auf 102 Milliarden Euro in 2021.


