Mit einem neuen Einrichtungshaus-Konzept schlägt IKEA in Deutschland ein weiteres Kapitel seiner Omnichannel-Strategie auf. Am 25. Juni eröffnet in Ingolstadt der erste deutsche Standort eines kompakten Formats. Auf weniger als zehn Prozent der Fläche eines klassischen IKEA-Hauses will der Möbelhändler künftig näher an den Wohn- und Einkaufsalltag der Menschen heranrücken – und gleichzeitig die Brücke zwischen stationärem Handel und digitalem Einkauf weiter stärken.
Die Eröffnung in Ingolstadt markiert für IKEA Deutschland einen strategischen Testlauf. Während die traditionellen Einrichtungshäuser des Unternehmens meist am Stadtrand liegen und durchschnittlich rund 35.000 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassen, kommt der neue Standort auf lediglich rund 2.950 Quadratmeter. Dennoch soll das neue Format weit mehr sein als ein verkleinertes Möbelhaus.
Vielmehr verfolgt IKEA das Ziel, in Regionen präsent zu sein, in denen bislang kein großes Einrichtungshaus wirtschaftlich darstellbar wäre. Der Standort im Westen Ingolstadts liegt verkehrsgünstig in unmittelbarer Nähe des Einkaufszentrums Westpark und ist bewusst auf kurze Wege, spontane Besuche und eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ausgelegt.
Weniger Fläche, gezielteres Sortiment
Das Herzstück des neuen Konzepts ist ein deutlich reduziertes, aber sorgfältig kuratiertes Sortiment. Statt der rund 10.000 Produkte, die in klassischen IKEA-Einrichtungshäusern direkt verfügbar sind, bietet der Ingolstädter Standort etwa 3.690 Artikel. Rund 2.690 davon können sofort mitgenommen werden.
Der Fokus liegt auf Wohnaccessoires, kleineren Möbeln, Küchen- und Haushaltsartikeln sowie Produkten des täglichen Bedarfs. Großmöbel bleiben zwar Teil des Angebots, werden jedoch überwiegend digital bestellt. Kundinnen und Kunden können vor Ort auf das vollständige IKEA-Sortiment zugreifen und sich die Ware nach Hause liefern lassen oder zu einem späteren Zeitpunkt abholen.
Damit verbindet IKEA die Vorteile eines stationären Einkaufserlebnisses mit den Möglichkeiten des Online-Handels. Das Unternehmen setzt dabei konsequent auf die Verzahnung seiner Vertriebskanäle und verfolgt den Ansatz, Kunden dort abzuholen, wo sie einkaufen möchten – online, stationär oder kombiniert.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Omnichannel als strategischer Wachstumstreiber
Die Einführung des neuen Formats ist eng mit der langfristigen Wachstumsstrategie von IKEA verbunden. Der Möbelhändler investiert seit Jahren in den Ausbau seiner Omnichannel-Strukturen und ergänzt die klassischen Einrichtungshäuser zunehmend durch Planungsstudios, Innenstadtformate und digitale Services.
Deutschlandchef Peter Jelkeby bezeichnet die Eröffnung in Ingolstadt als wichtigen Meilenstein, um IKEA „noch näher zu den Kund zu bringen“. Das Unternehmen wolle seine Formate kontinuierlich weiterentwickeln und stärker auf unterschiedliche Lebenssituationen und Einkaufsgewohnheiten reagieren.
Die Entwicklung spiegelt einen grundlegenden Wandel im Einzelhandel wider. Kunden erwarten heute zunehmend Flexibilität, schnelle Verfügbarkeit und wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten. Große Destination-Stores bleiben zwar relevant, werden aber zunehmend durch kleinere Formate ergänzt, die spontane Besuche und kürzere Einkaufswege ermöglichen.
Inspiration, Beratung und Food als Frequenzbringer
Trotz der kompakten Fläche setzt IKEA auch im neuen Format auf zentrale Elemente der eigenen Markenwelt. Besucher finden inspirierende Wohnlösungen, Musterpräsentationen sowie persönliche Beratungs- und Planungsangebote.
Insbesondere Küchen- und Einrichtungslösungen sollen vor Ort gemeinsam mit Fachpersonal geplant werden können. Ergänzt wird das Angebot durch digitale Planungstools, die den Übergang zwischen Beratung und Bestellung erleichtern.
Auch das Thema Gastronomie bleibt Bestandteil des Konzepts. Zwar verzichtet IKEA auf ein vollständiges Restaurant, bietet jedoch ein ausgewähltes Food-Sortiment mit Klassikern wie Köttbullar, Hot Dogs, pflanzlichen Alternativen und Zimtschnecken an. Damit soll die Aufenthaltsqualität erhöht und gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil des IKEA-Markenerlebnisses erhalten bleiben.
Ingolstadt als Testmarkt für internationale Expansion
Die Eröffnung in Ingolstadt ist Teil eines größeren internationalen Roll-outs. Nachdem vergleichbare Pilotprojekte bereits in Großbritannien, Polen, Frankreich und den USA getestet wurden, weitet die Ingka Group das Konzept nun auf weitere Märkte aus.
In den kommenden Monaten sollen neue Standorte unter anderem in Spanien, Portugal, Italien, Finnland und Kanada entstehen. Insgesamt plant die Ingka Group weltweit rund 20 zusätzliche Small Stores innerhalb kurzer Zeit.
Für Deutschland besitzt der Test besondere Bedeutung. Das Unternehmen betreibt hier bereits eines seiner größten Ländergeschäfte weltweit mit mehr als 50 Einrichtungshäusern und mehreren Planungsstudios. Sollte das Konzept erfolgreich sein, dürfte Ingolstadt kaum der letzte Standort dieser Art bleiben.
Für den stationären Einzelhandel insgesamt liefert das Projekt einen interessanten Hinweis darauf, wie große Handelsketten künftig auf veränderte Kundenbedürfnisse reagieren könnten: mit kleineren Flächen, höherer Standortdichte und einer noch engeren Verzahnung von stationärem und digitalem Handel.


