Angesichts hoher Schulden und schwacher Nachfrage im Luxussegment steht der US-Luxuswarenkonzern Saks Global vor einer existenziellen Bewährungsprobe. Wie Bloomberg berichtet, prüft das Unternehmen ein Chapter-11-Insolvenzverfahren – allerdings nur als letzte Option.
Hoher Schuldendienst setzt Konzern unter Zeitdruck
Nach Informationen aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen sieht sich Saks Global mit äußerst begrenzten Handlungsspielräumen konfrontiert. Bereits zum Monatsende wird eine Schuldentilgung von mehr als 100 Millionen US-Dollar (rund 91 Mio. Euro) fällig. Um die kurzfristige Liquidität sicherzustellen, sondiert der Konzern derzeit mehrere Alternativen: von der Aufnahme von Notfallfinanzierungen über den Verkauf von Vermögenswerten bis hin zu einer umfassenden Restrukturierung unter dem Schutz des US-Insolvenzrechts.
Ein Unternehmenssprecher erklärte, man prüfe „alle denkbaren Wege, um eine starke und stabile Zukunft für Saks Global zu sichern“. Hinter den Kulissen laufen parallel vertrauliche Gespräche mit Kreditgebern.
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Gespräche mit Gläubigern über Insolvenzfinanzierung
Wie Bloomberg weiter berichtet, haben sich einige Kreditgeber von Saks Global bereits zu vertraulichen Gesprächen zusammengefunden. Im Fokus steht dabei unter anderem ein sogenanntes Debtor-in-Possession-Darlehen (DIP-Finanzierung), das Unternehmen während eines Chapter-11-Verfahrens Liquidität verschaffen würde. Solche Kredite gelten als vorrangig besichert und sind ein zentrales Instrument bei US-Restrukturierungen.
Bereits im September hatte Saks Global bestätigt, den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung am renommierten Luxuswarenhaus Bergdorf Goodman zu prüfen, um die Verschuldung zu reduzieren. Ein Abschluss dieser Gespräche ist bislang jedoch nicht bekannt geworden.
Schwächelnde Luxuskauflaune belastet Geschäft
Die finanzielle Schieflage fällt in eine Phase gedämpfter Konsumlaune in den USA. Steigende Lebenshaltungskosten, anhaltender Inflationsdruck und ein sich abkühlender Arbeitsmarkt haben die Ausgaben für nicht lebensnotwendige Güter deutlich gebremst. Besonders das Luxussegment leidet unter der Zurückhaltung wohlhabender, aber zunehmend vorsichtiger Konsumenten.
Für Saks Global bedeutet dies zusätzliche Belastungen in einem ohnehin herausfordernden Marktumfeld, in dem Wettbewerber mit schlankeren Kostenstrukturen und stärkerem Online-Fokus punkten.
Entstanden aus milliardenschwerer Übernahme
Saks Global ist ein vergleichsweise junges Konstrukt. Der Konzern entstand im Juli des Vorjahres im Zuge der 2,65 Milliarden US-Dollar (ca. 2,4 Mrd. Euro) schweren Übernahme der Warenhauskette Neiman Marcus durch die Hudson’s Bay Company. Unter dem neuen Dach wurden Saks Fifth Avenue, Neiman Marcus sowie weitere Luxus- und Immobilienassets gebündelt, um schlagkräftiger gegen Wettbewerber wie Nordstrom, Bloomingdale’s oder Macy’s auftreten zu können.
Die Finanzierung des Deals erwies sich jedoch als schweres Erbe: Neben Eigenmitteln floss unter anderem ein Kredit über 1,15 Milliarden US-Dollar (rund 1,05 Mrd. Euro) von Apollo Global Management. Zusätzlich nahm HBC rund zwei Milliarden US-Dollar (etwa 1,82 Mrd. Euro) an Fremdkapital bei einem Bankenkonsortium auf – Schulden, die nun zunehmend zur Belastung werden.
Entscheidung mit Signalwirkung für den US-Luxushandel
Ob Saks Global den Gang unter den Schutz von Chapter 11 tatsächlich antreten muss, ist offen. Klar ist jedoch: Eine Insolvenz eines der prominentesten Luxus-Warenhauskonzerne der USA hätte erhebliche Signalwirkung für den gesamten stationären US-Einzelhandel im Premiumsegment. Die kommenden Wochen dürften darüber entscheiden, ob ein außergerichtlicher Befreiungsschlag gelingt – oder ob der Konzern den formellen Weg der Restrukturierung gehen muss.




