Der insolvente Luxuswarenhauskonzern Saks Global verschärft seine Restrukturierung und nimmt eine der größten Bereinigungen in seiner Unternehmensgeschichte vor. Im laufenden Chapter-11-Verfahren kündigt das Unternehmen nun insgesamt die Schließung von 24 Warenhäusern an – 20 von Saks Fifth Avenue und vier von Neiman Marcus. Für die angeschlagene Gruppe bedeutet dies einen tiefen Einschnitt, der auch Tausende Beschäftigte trifft.
Filialnetz wird drastisch verkleinert
Seit dem Gläubigerschutzantrag Mitte Januar nutzt Saks Global die Möglichkeiten des US-Insolvenzrechts, um kostspielige Mietverträge ohne Strafzahlungen aufzulösen. Das Ziel: ein überdimensioniertes Filialnetz zurückfahren und die Kostenbasis stabilisieren. Nach der gestern angekündigten neuen Schließungsrunde bleiben nur noch 13 Saks-Fifth-Avenue-Häuser bestehen, während Neiman Marcus künftig 32 Standorte betreibt. Die prestigeträchtigen Bergdorf-Goodman-Häuser an der Fifth Avenue bleiben erhalten.
Bereits im Februar waren neun weitere Schließungen angekündigt worden, zudem wird das Off-Price-Segment sowohl online als stationär massiv zurückgefahren: 57 Saks-Off-5th-Filialen, fünf „Last Call“-Outletcenter und das Horchow-Kataloggeschäft verschwinden. Entscheidend für die Auswahl seien Mietkonditionen, historische Performance und Zukunftsaussichten.
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Fokus auf lohnenden Luxusmärkten
Künftig setzt der Konzern auf Regionen mit besonders kaufkräftiger Kundschaft. In Märkten wie Beverly Hills, Houston, Miami oder Atlanta bleiben beide Luxusbanner präsent. Laut Unternehmen überschneiden sich die Zielgruppen dort nur minimal – ein Argument für das parallele Weiterführen beider Marken. In anderen Städten entscheidet die Performance: Boston verliert Neiman Marcus, Chicago, Las Vegas und Philadelphia hingegen Saks Fifth Avenue, da jeweils das verbleibende Haus deutlich höhere Umsätze erzielt. Der Kurs ist klar: Weniger Fläche, dafür mehr Produktivität je Standort.
Marken sollen stärker differenziert werden
CEO Geoffroy van Raemdonck, der auf den ausgeschiedenen Galeria-Miteigentümer Richard Baker beschreibt die Neuausrichtung als langfristige Strategie. Saks Fifth Avenue, Neiman Marcus und Bergdorf Goodman sollen künftig klarer positioniert werden, um unterschiedliche Segmente des Luxusmarktes abzudecken. Das Unternehmen setzt dabei auf exklusive Kundenerlebnisse, kuratierte Sortimente und technologische Unterstützung für Verkaufsteams. Ziel ist eine stärkere Bindung zu besonders wertvollen Kunden – ohne interne Konkurrenz.
Milliardenfinanzierung stabilisiert das operative Geschäft
Finanziell stützt sich Saks Global auf zugesagte Mittel von 1,75 Milliarden US-Dollar, von denen aktuell 825 Millionen Dollar verfügbar sind. Damit sichert der Konzern den Warenfluss, der zuletzt ins Stocken geraten war. Mehr als 500 Marken haben die Belieferung wieder aufgenommen, Waren im Wert von rund 1,3 Milliarden Dollar wurden für die kommenden Monate freigegeben. Zugleich hat Saks über 175 neue oder erneuerte Markenpartnerschaften geschlossen. Zwar dürften viele Lieferanten ältere Forderungen abschreiben müssen, doch kurzfristig sorgt die Finanzierung für Stabilität.
Sozialer Preis des Umbaus
Die umfassenden Maßnahmen gehen zulasten der Beschäftigten: Mit der Schließung von 24 Warenhäusern verlieren zahlreiche Mitarbeitende ihre Jobs oder müssen mit Versetzungen rechnen. Konkrete Zahlen nennt der Konzern bislang nicht. Die Restrukturierung erfolgt nur wenig mehr als ein Jahr nach der 2,7-Milliarden-Dollar-Übernahme der Neiman Marcus Group. Hohe Schulden, schwache Umsätze und steigende Kosten hatten die Fusion schnell in die Krise geführt.
Das kombinierte Umsatzvolumen lag 2024 bei rund 7,3 Milliarden Dollar. Wie stark die Erlöse durch die Filialschließungen sinken werden, ist offen – klar ist jedoch, dass Saks Global auf geringere Fläche, weniger Volumen und höhere Profitabilität setzt.
Luxusbranche im Wandel
Der Umbau zeigt exemplarisch, wie stark der stationäre Luxusmarkt unter Druck steht. Höhere Betriebskosten, veränderte Erwartungen der Kundschaft und der wachsende Einfluss digitaler Kanäle lassen traditionellen Handel kaum Spielraum. Ob die radikale Neuausrichtung reicht, um den Konzern nachhaltig zu stabilisieren, bleibt abzuwarten. Die aktuelle Restrukturierung verschafft Zeit – aber keine Garantie.


