Junge Unternehmen in Deutschland stehen unter wachsendem Finanzierungsdruck. Eine aktuelle Bitkom-Umfrage unter 152 Tech-Startups zeigt, dass jedes vierte Unternehmen aufgrund fehlender Kapitalperspektiven einen Standortwechsel ins Ausland erwägt. Hauptgrund ist die Zurückhaltung von Investoren in der aktuell schwierigen konjunkturellen Lage.
Nur 23 Prozent der befragten Startups sehen das verfügbare Wagniskapital in Deutschland als ausreichend an. Im Schnitt benötigen die Unternehmen in den kommenden zwei Jahren rund 2,5 Millionen Euro frisches Kapital, doch lediglich 24 Prozent fühlen sich für diesen Zeitraum ausreichend finanziert.
Internationale Optionen im Blick
Die Bereitschaft zur Abwanderung ist dabei nicht auf ein konkretes Zielland fokussiert. 28 Prozent der Unternehmen ziehen die USA als neuen Standort in Betracht, jeweils 25 Prozent denken über ein anderes EU-Land oder ein europäisches Land außerhalb der EU nach. Ein knappes Viertel hat sich noch nicht festgelegt oder wollte keine Angabe machen.
Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst warnt vor einer schleichenden Erosion des Startup-Standorts Deutschland: „Wir müssen Deutschland nicht nur als Heimat für bestehende Startups attraktiv halten, sondern auch als Magnet für internationale Gründer etablieren.“ Zwar habe die Politik mit dem Zukunftsfonds erste Schritte unternommen, doch weitere Maßnahmen seien dringend notwendig.
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Verhaltener Optimismus trotz Finanzdruck
Trotz des Kapitalmangels zeigen sich die betroffenen Startups überwiegend zuversichtlich. 79 Prozent der Unternehmen, die in den kommenden zwei Jahren auf frisches Geld angewiesen sind, halten es für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich, ihre Finanzierungsrunden erfolgreich abzuschließen. Nur 19 Prozent äußerten Skepsis.
Auch ein Börsengang ist für viele ein denkbarer Weg zur Kapitalbeschaffung: 53 Prozent der Startups halten diesen Schritt grundsätzlich für möglich. Dabei ist die Entscheidung zwischen einem Listing an einer deutschen oder einer ausländischen Börse nahezu ausgeglichen – 45 Prozent bevorzugen eine deutsche, 40 Prozent eine ausländische Börse.


