Tencent hat im zweiten Quartal 2026 Umsatz und Gewinn gesteigert und zugleich seine Investitionen in künstliche Intelligenz erheblich ausgeweitet. Der chinesische Technologie- und Internetkonzern sieht Fortschritte bei KI-Modellen, Anwendungen und Infrastruktur. Besonders stark entwickelten sich das Werbegeschäft und die Spieleaktivitäten im chinesischen Heimatmarkt.
Umsatz steigt um elf Prozent
Die Konzernerlöse erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresquartal um elf Prozent auf 204,8 Milliarden Renminbi (RMB) (rund 26,3 Milliarden Euro). Der Bruttogewinn legte um 13 Prozent auf 118,4 Milliarden RMB (rund 15,2 Milliarden Euro) zu. Nach IFRS erreichte Tencent einen operativen Gewinn von 67,3 Milliarden RMB (rund 8,6 Milliarden Euro) und damit zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Nettogewinn stieg um drei Prozent auf 58,0 Milliarden RMB (rund 7,4 Milliarden Euro).
Auf Non-IFRS-Basis erhöhte sich der operative Gewinn um neun Prozent auf 75,6 Milliarden RMB (rund 9,7 Milliarden Euro). Der den Anteilseignern zurechenbare bereinigte Nettogewinn erreichte 68,4 Milliarden RMB (rund 8,8 Milliarden Euro) und lag ebenfalls neun Prozent über dem Vorjahreswert.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Werbegeschäft wächst um 22 Prozent
Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft mit Marketingdienstleistungen. Der Umsatz stieg um 22 Prozent auf 43,6 Milliarden RMB (rund 5,6 Milliarden Euro). Tencent führt das Wachstum unter anderem auf Verbesserungen bei KI-gestützten Werbeempfehlungen, der automatisierten Kampagnensteuerung AIM+ sowie eine stärkere Verzahnung von Marketingangeboten innerhalb des Weixin-Ökosystems zurück.
Die Erlöse mit FinTech- und Unternehmensdienstleistungen erhöhten sich um neun Prozent auf 60,3 Milliarden RMB (rund 7,7 Milliarden Euro). Neben Zahlungs-, Vermögensverwaltungs- und Kreditdienstleistungen trugen wachsende Cloud-Umsätze dazu bei. Dabei profitierte Tencent insbesondere von einer höheren Nachfrage nach KI-Diensten.
Chinesisches Spielegeschäft legt deutlich zu
Die Erlöse im Bereich Value Added Services erhöhten sich um acht Prozent auf 98,4 Milliarden RMB (rund 12,6 Milliarden Euro). Das chinesische Spielegeschäft wuchs um 17 Prozent auf 47,3 Milliarden RMB (rund 6,1 Milliarden Euro). Zu den Wachstumstreibern zählten unter anderem Delta Force, VALORANT und Roco Kingdom: World.
Das internationale Spielegeschäft erwirtschaftete 18,6 Milliarden RMB (rund 2,4 Milliarden Euro) und lag aufgrund von Wechselkurseffekten knapp unter dem Vorjahresniveau. Zu konstanten Wechselkursen ergab sich dagegen ein Wachstum von vier Prozent. Das Social-Networks-Geschäft legte leicht auf 32,5 Milliarden RMB (rund 4,2 Milliarden Euro) zu.
Auch die Nutzung der Videofunktion Video Accounts innerhalb von Weixin nahm weiter zu. Die insgesamt dort verbrachte Zeit erhöhte sich im Jahresvergleich um mehr als 20 Prozent.
Tencent investiert Milliarden in KI-Infrastruktur
Parallel zum Wachstum erhöht Tencent seine Investitionen in Rechenkapazitäten erheblich. Die Investitionsausgaben stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um 176 Prozent auf 52,8 Milliarden RMB (rund 6,8 Milliarden Euro). Das Unternehmen beschaffte zusätzliche Rechenleistung für seine KI-Modelle und Anwendungen sowie für die wachsende Nachfrage im Cloud-Geschäft.
Die hohen Ausgaben belasteten den Cashflow. Tencent verzeichnete im zweiten Quartal einen negativen Free Cashflow von 13,8 Milliarden RMB (rund 1,8 Milliarden Euro). Ohne Vorauszahlungen für zusätzliche Rechenkapazitäten hätte der Free Cashflow nach Unternehmensangaben 37,6 Milliarden RMB (rund 4,8 Milliarden Euro) erreicht.
Hy3, WorkBuddy und CodeBuddy im Fokus
Im Juli veröffentlichte Tencent die Produktionsversion seines KI-Modells Hy3. Das Unternehmen berichtet zudem von stark steigenden Nutzerzahlen bei seinem KI-Produktivitätsdienst WorkBuddy und dem Programmierwerkzeug CodeBuddy. Innerhalb von Weixin testet Tencent außerdem in begrenztem Umfang den KI-Agenten Xiaowei.
Die neuen KI-Angebote verursachen zunächst erhebliche Kosten. Ohne die Beiträge der neuen KI-Produkte hätte der bereinigte operative Gewinn laut Tencent 86,1 Milliarden RMB (rund 11,1 Milliarden Euro) erreicht und damit 19 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen. Die entsprechende operative Marge wäre von 39 auf 42 Prozent gestiegen.
Weixin und WeChat erreichen 1,44 Milliarden Nutzer
Die zusammengefasste Zahl der monatlich aktiven Nutzer von Weixin und WeChat erhöhte sich zum Ende des zweiten Quartals um zwei Prozent auf 1,439 Milliarden. QQ kam auf mobilen Geräten auf 520 Millionen monatlich aktive Nutzer und lag damit zwei Prozent unter dem Vorjahreswert.
Zum Quartalsende verfügte Tencent über liquide Mittel von insgesamt 511,2 Milliarden RMB (rund 65,6 Milliarden Euro). Die Nettoliquidität sank dagegen um 22 Prozent auf 58,2 Milliarden RMB (rund 7,5 Milliarden Euro). Im zweiten Quartal kaufte der Konzern zudem rund 37,4 Millionen eigene Aktien für insgesamt etwa 16,9 Milliarden Hongkong-Dollar zurück.





