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Ad-Tech-Markt: The Trade Desk streicht 15 Prozent der Stellen

TheTradeDesk Logo auf einem Laptop
Foto: TheTradeDeisk / Made with AI

Key takeaways

➟ Nach dem Verlust an Wachstumsdynamik reagiert der US-Werbetechnologieanbieter mit einem umfangreichen Personalabbau. Trotz hoher Liquiditätsreserven sollen Ressourcen künftig stärker auf KI und andere Wachstumsfelder konzentriert werden.

Lesezeit ca. 3 Minuten

The Trade Desk leitet nach einer deutlichen Abschwächung seines Wachstums eine umfassende Restrukturierung ein. Der US-Werbetechnologieanbieter will laut einem Eintrag bei der Börsenaufsicht SEC seine weltweite Belegschaft um rund 15 Prozent reduzieren und den Stellenabbau im Wesentlichen noch im dritten Quartal 2026 abschließen.

Ausgehend von den 3.843 Vollzeitbeschäftigten zum Jahresende 2025 entspräche dies rechnerisch rund 575 Arbeitsplätzen. Die tatsächliche Zahl kann abweichen, da das Unternehmen keine aktuelle Beschäftigtenzahl unmittelbar vor Beginn der Restrukturierung veröffentlicht hat.

Für Abfindungen und weitere Leistungen rechnet The Trade Desk mit zahlungswirksamen Belastungen zwischen 39 und 51 Millionen US-Dollar. Dem sollen Effekte von rund vier bis fünf Millionen Dollar aus aktienbasierten Vergütungen gegenüberstehen.

Umsatzwachstum fällt auf drei Prozent

Der Stellenabbau folgt auf eine deutliche Abkühlung des Geschäfts. Im zweiten Quartal 2026 erzielte The Trade Desk einen Umsatz von 715 Millionen Dollar. Gegenüber 694 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Wachstum von lediglich drei Prozent. Ein Jahr zuvor hatte die Wachstumsrate noch 19 Prozent betragen.

Gleichzeitig sank der Nettogewinn von rund 90 Millionen auf 64 Millionen Dollar. Die Nettomarge verringerte sich von 13 auf neun Prozent. Beim bereinigten EBITDA ging das Ergebnis von knapp 271 Millionen auf rund 241 Millionen Dollar zurück, während die entsprechende Marge von 39 auf 34 Prozent fiel.

Auch im ersten Halbjahr zeigt sich die schwächere Entwicklung. Der Umsatz stieg noch um sieben Prozent auf 1,40 Milliarden Dollar, während der Nettogewinn von knapp 141 Millionen auf rund 104 Millionen Dollar zurückging. Das bereinigte EBITDA sank von rund 479 Millionen auf 447 Millionen Dollar.

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Finanzielle Lage bleibt vergleichsweise solide

Eine akute Liquiditätskrise steht hinter der Restrukturierung nicht. Ende Juni verfügte The Trade Desk über rund 1,12 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln und weitere etwa 362 Millionen Dollar an kurzfristigen Investments. In den ersten sechs Monaten 2026 erwirtschaftete das Unternehmen zudem einen operativen Cashflow von rund 545 Millionen Dollar.

Noch im Gesamtjahr 2025 war der Umsatz um 18 Prozent auf knapp 2,90 Milliarden Dollar gestiegen. Der Nettogewinn erreichte 443 Millionen Dollar und das bereinigte EBITDA knapp 1,20 Milliarden Dollar. Über die Plattform wurden Werbeausgaben von rund 13,4 Milliarden Dollar abgewickelt.

Der Stellenabbau ist damit vor allem als strategische Reaktion auf die nachlassende Wachstumsdynamik zu verstehen. Ressourcen sollen stärker auf priorisierte Geschäftsfelder konzentriert und die Organisation effizienter aufgestellt werden.

Google und Amazon erhöhen den Wettbewerbsdruck

The Trade Desk betreibt eine Demand-Side-Plattform, über die Unternehmen und Agenturen digitale Werbeflächen automatisiert einkaufen und Kampagnen steuern können. Das Unternehmen positioniert sich dabei als unabhängige Alternative zu den geschlossenen Werbeplattformen großer Technologiekonzerne.

Zu den wichtigsten Wettbewerbern gehören Google und Amazon. Google verfügt über eine starke Position entlang der digitalen Werbewertschöpfungskette und ist für The Trade Desk zugleich Konkurrent und wichtiger Anbieter von Werbeinventar. Eine von den US-Behörden angestrebte strukturelle Zerschlagung von Teilen des Google-Werbetechnologiegeschäfts setzte sich zuletzt nicht durch.

Amazon erhöht den Druck insbesondere im Retail-Media-Geschäft. Die Verbindung von Werbedaten mit tatsächlichen Kauftransaktionen verschafft Handelsplattformen einen wichtigen Vorteil und verstärkt den Wettbewerb um Werbebudgets.

KI und Connected TV sollen neue Impulse liefern

The Trade Desk konzentriert seine Investitionen unter anderem auf die Plattformgeneration Kokai. Dabei sollen künstliche Intelligenz und Datenanalyse die Steuerung und Optimierung digitaler Werbekampagnen verbessern.

Mit OpenPath versucht das Unternehmen zugleich, Werbekunden einen direkteren Zugang zum Inventar von Publishern zu ermöglichen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Connected TV und der programmatischen Vermarktung von Streaming- und Fernsehangeboten.

Die Restrukturierung dürfte deshalb nicht ausschließlich auf Kosteneinsparungen abzielen. Vielmehr sollen Personal und Investitionen stärker auf KI, Daten, Connected TV und die technische Infrastruktur für programmatische Werbung ausgerichtet werden. Ob diese Bereiche die Wachstumsrate wieder erhöhen können, bleibt die zentrale operative Frage.

Restrukturierung muss Wachstum wieder beschleunigen

Für das dritte Quartal hatte The Trade Desk zuletzt mindestens 650 Millionen Dollar Umsatz und ein bereinigtes EBITDA von rund 160 Millionen Dollar prognostiziert. Die zusätzlichen Restrukturierungsaufwendungen dürften das ausgewiesene Ergebnis zunächst belasten.

Langfristig reicht eine niedrigere Kostenbasis jedoch nicht aus. Entscheidend wird sein, ob The Trade Desk über seine Technologieplattformen zusätzliche Werbebudgets gewinnen und wieder deutlich höhere Wachstumsraten erreichen kann.

Mit dem Abbau von rund 15 Prozent der Stellen verschiebt das Unternehmen seinen Schwerpunkt von Expansion auf Produktivität und strategischen Fokus. Die solide Liquiditätsposition verschafft dem Management dabei finanziellen Spielraum, erhöht jedoch zugleich den Druck, mit der Neuorganisation messbare operative Verbesserungen zu erzielen.

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