Der angeschlagene Kochboxen-Anbieter Marley Spoon benötigt zusätzliche Liquidität für seine laufende Restrukturierung. Die mit Runway Growth Finance vereinbarte Brückenfinanzierung steigt um 3,6 Millionen auf bis zu 11,7 Millionen Euro. Gleichzeitig verschiebt sich die geplante umfassende Refinanzierung von Ende November 2026 auf Ende März 2027. Damit verlängert sich die finanzielle Übergangsphase um vier Monate.
Brückenfinanzierung steigt um 44 Prozent
Wie die Marley Spoon Group SE heute in einer Ad-Hoc Mitteilung meldet, hat ihre deutsche Tochtergesellschaft Marley Spoon SE eine Erweiterung der bestehenden Finanzierungsvereinbarung abgeschlossen. Der maximal verfügbare Betrag erhöht sich von 8,1 Millionen auf 11,7 Millionen Euro.
Die Aufstockung entspricht einem Plus von rund 44 Prozent. Mit den zusätzlichen Mitteln soll der Liquiditätsbedarf während der Restrukturierung gedeckt werden.
Die Auszahlung bleibt allerdings an vereinbarte Bedingungen und Sanierungsmeilensteine gebunden. Eine sofortige Verfügbarkeit des gesamten Betrags ist damit nicht garantiert.
Bereits beanspruchte Überbrückungsmittel sollen später auf die geplante neue Finanzierung angerechnet werden. Diese soll die bisherigen Kreditvereinbarungen vollständig ersetzen.
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Refinanzierung verzögert sich bis März 2027
Ursprünglich wollte Marley Spoon die finanzielle Neuordnung bis Ende November 2026 abschließen. Nach der jüngsten Vereinbarung wird nun Ende März 2027 als Zieltermin genannt.
Der zusätzliche Zeitbedarf verdeutlicht die Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Sanierungsplans. Bereits Anfang September hatte das Unternehmen eine erste Brückenfinanzierung mit Runway Growth Finance vereinbart.
Das Restrukturierungsprogramm umfasst Kostensenkungen, eine effizientere Steuerung der Marketingausgaben und Maßnahmen in einzelnen Landesgesellschaften. Ziel ist eine dauerhaft tragfähige Finanzierungs- und Kostenstruktur.
Personalabbau soll Ausgaben reduzieren
Parallel zur Refinanzierung setzt Marley Spoon auf einen umfangreichen Stellenabbau. Ende September kündigte die Unternehmensgruppe an, ihre weltweite Belegschaft um rund 21 Prozent zu verkleinern.
Betroffen sind Standorte und Aktivitäten in Deutschland, Portugal, den USA und Australien. Die Maßnahmen sollen organisatorische Strukturen vereinfachen und die laufenden Kosten senken.
Ein vollständiger Rückzug aus diesen Märkten ist nach Unternehmensangaben nicht vorgesehen. Vielmehr sollen die bestehenden Geschäftsaktivitäten mit einer schlankeren Organisation fortgeführt werden.
Umsatzrückgang verschärft finanzielle Lage
Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen den erheblichen wirtschaftlichen Druck. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 24 Prozent auf 105,6 Millionen Euro.
Das bereinigte Operating EBITDA verschlechterte sich von positiven 5,6 Millionen auf minus 6,8 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg der Nettoverlust von 7,1 Millionen auf 16,9 Millionen Euro.
Auch der operative Cashflow drehte ins Minus. Nach einem Mittelzufluss von 2,1 Millionen Euro im Vorjahr verzeichnete Marley Spoon einen Abfluss von 4,5 Millionen Euro.
Zum 30. Juni verfügte der Konzern über liquide Mittel von 7,6 Millionen Euro. Die verzinslichen Finanzverbindlichkeiten beliefen sich gleichzeitig auf rund 105,5 Millionen Euro.
Marketingkosten belasten die Profitabilität
Trotz rückläufiger Umsätze erhöhten sich die Marketingausgaben im ersten Halbjahr von 20,2 Millionen auf 21,1 Millionen Euro. Ihr Anteil am Umsatz stieg dadurch von etwa 15 auf 20 Prozent.
Für Marley Spoon wird die effizientere Kundengewinnung damit zu einer wichtigen Aufgabe. Das Unternehmen muss Marketingkosten reduzieren, ohne den Rückgang bei Bestellungen und Kundenbeziehungen zusätzlich zu verstärken.
Gleichzeitig müssen Beschaffung, Produktion und Logistik wirtschaftlicher organisiert werden. Im abonnementbasierten Kochboxengeschäft sind eine stabile Nachfrage und die langfristige Bindung bestehender Kunden besonders wichtig.
Kreditbedingungen bleiben entscheidend
Die zusätzliche Finanzierung ist an die Umsetzung des vereinbarten Restrukturierungsprogramms gekoppelt. Dazu gehören finanzielle und operative Anforderungen sowie die Einhaltung bestimmter Meilensteine.
Im Halbjahresbericht verwies Marley Spoon auf eine vertraglich vereinbarte Mindestliquidität von 1,5 Millionen Euro im Rahmen der damaligen Finanzierung. Die Fortführung des Geschäftsbetriebs hängt unter anderem von ausreichenden Zahlungsmitteln und der Einhaltung der Kreditbedingungen ab.
Die Aufstockung signalisiert, dass Runway Growth Finance den Sanierungsprozess zunächst weiter begleitet. Eine bedingungslose Zusage für die endgültige Refinanzierung ergibt sich daraus jedoch nicht.
Internationale Aktivitäten müssen stabil bleiben
Marley Spoon vertreibt Kochboxen und Mahlzeitenlösungen unter mehreren Marken, darunter Marley Spoon, Dinnerly und BistroMD. Das Unternehmen ist unter anderem in Europa, den USA und Australien tätig.
Besondere Bedeutung hat das amerikanische Geschäft, das einen wesentlichen Teil des Konzernumsatzes erwirtschaftet. Dort ist Marley Spoon teilweise auf externe Produktions- und Logistikpartner angewiesen.
Zusätzliche Unsicherheit entstand 2026 durch das Insolvenzverfahren des US-Partners FreshRealm. Marley Spoon prüfte alternative Lösungen, um die betroffenen Abläufe abzusichern.
März 2027 wird zum wichtigen Sanierungsziel
Mit der erweiterten Brückenfinanzierung gewinnt Marley Spoon zusätzlichen finanziellen Handlungsspielraum. Die langfristige Stabilisierung des Unternehmens ist damit allerdings noch nicht erreicht.
Bis Ende März 2027 müssen die Voraussetzungen für eine umfassende Refinanzierung geschaffen werden. Gleichzeitig gilt es, operative Verluste zu reduzieren und die Auswirkungen des Personalabbaus zu bewältigen.
Die nächsten Monate werden zeigen, ob die eingeleiteten Maßnahmen die Liquiditäts- und Ertragslage nachhaltig verbessern. Die aufgestockte Zwischenfinanzierung verschafft Zeit, ersetzt aber keine erfolgreiche operative Sanierung.



