Die Textil- und Modeindustrie sowie der deutsche Einzelhandel wollen die Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) für Textilien aktiv begleiten. Dafür haben der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie und der Handelsverband Deutschland (HDE) die „Allianz für textile Kreisläufe“ gegründet. Mit der Initiative möchten die Verbände Unternehmen und weitere Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette einbinden und sich gemeinsam für ein praxistaugliches, wirtschaftlich tragfähiges und europaweit einheitliches Kreislaufsystem einsetzen.
Allianz setzt auf Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Unter dem Leitgedanken „Kreislauf braucht Zusammenarbeit“ versteht sich die neue Allianz als Plattform für Hersteller, Händler, Forschungseinrichtungen und weitere Marktteilnehmer. Ziel ist es, die geplanten gesetzlichen Rahmenbedingungen für die textile Kreislaufwirtschaft frühzeitig mitzugestalten und praktische Erfahrungen aus der Branche in den politischen Prozess einzubringen.
Im Mittelpunkt steht die Einführung der erweiterten Herstellerverantwortung, die derzeit auf Grundlage europäischer Vorgaben vorbereitet wird. Künftig sollen Unternehmen, die Textilien und Schuhe in Verkehr bringen, finanziell an der späteren Sammlung, Sortierung und Entsorgung beziehungsweise Verwertung ihrer Produkte beteiligt werden.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Branche fordert praxisnahe Umsetzung der Herstellerverantwortung
Nach Ansicht des Gesamtverbandes textil+mode kann die erweiterte Herstellerverantwortung ein wichtiger Baustein für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft werden. Voraussetzung sei jedoch, dass die Unternehmen, welche die Finanzierung des Systems übernehmen, ihre fachliche Expertise auch bei dessen Ausgestaltung einbringen können.
Die deutsche Textil- und Modeindustrie verfüge gemeinsam mit Forschungseinrichtungen über umfangreiches Know-how bei Materialien, Recyclingverfahren und innovativen Produktionsprozessen. Dieses Wissen müsse genutzt werden, um ein System zu schaffen, das sowohl ökologisch wirksam als auch wirtschaftlich praktikabel sei.
HDE verlangt gleiche Pflichten für alle Marktteilnehmer
Der Handelsverband Deutschland betont insbesondere die Bedeutung fairer Wettbewerbsbedingungen. Nach Auffassung des Verbandes darf ein zukünftiges EPR-System nicht ausschließlich europäische Unternehmen belasten, während internationale Plattformen oder Anbieter aus Drittstaaten von vergleichbaren Verpflichtungen ausgenommen bleiben.
Die Herstellerverantwortung müsse deshalb für alle Unternehmen gelten, die Textilien oder Schuhe auf den europäischen Markt bringen. Nur unter gleichen gesetzlichen Rahmenbedingungen könne ein funktionierendes Kreislaufsystem entstehen, das sowohl ökologische Ziele erreiche als auch Wettbewerbsverzerrungen vermeide.
Kreislaufwirtschaft gewinnt für die Branche weiter an Bedeutung
Die Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Handelsbranche befindet sich seit Jahren in einem tiefgreifenden Wandel. Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Recycling rücken zunehmend in den Mittelpunkt unternehmerischer Strategien. Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck durch internationale Direktvertriebsmodelle, globale Plattformen und ungleiche regulatorische Rahmenbedingungen.
Vor diesem Hintergrund sehen die beteiligten Verbände die Kreislaufwirtschaft als wichtigen Baustein für eine nachhaltige und zugleich wettbewerbsfähige Entwicklung der Branche.
Fokus liegt auf einem wirtschaftlich tragfähigen EPR-System
Die Allianz spricht sich für eine verbindliche Beteiligung von Herstellern und Handel bei der Ausgestaltung des künftigen Systems aus. Darüber hinaus fordert sie eine transparente und verursachergerechte Kostenverteilung, eine klare Systemarchitektur sowie einen europaweit harmonisierten Rechtsrahmen.
Nach Auffassung der Initiatoren kann ein erfolgreiches EPR-System nur dann dauerhaft funktionieren, wenn ökologische Ziele, wirtschaftliche Tragfähigkeit und faire Wettbewerbsbedingungen gleichermaßen berücksichtigt werden. Mit der neuen Allianz wollen Textilindustrie und Handel deshalb ihre Positionen künftig gemeinsam gegenüber Politik und Gesetzgeber vertreten.






