Die wachsende Nachfrage nach Strom für Künstliche Intelligenz (KI) bringt sogar ein stillgelegtes Atomkraftwerk in den USA zurück ans Netz. NextEra Energy und Google haben vereinbart, das Duane Arnold Energy Center im US-Bundesstaat Iowa wieder in Betrieb zu nehmen. Die Anlage war 2020 nach 45 Jahren Laufzeit vom Netz gegangen. Der Neustart ist für Anfang 2029 geplant.
Reaktor-Neustart für Rechenzentren
Angetrieben wird die Initiative durch den wachsenden Strombedarf großer Technologieunternehmen. Google, Microsoft, Amazon und andere sogenannte Hyperscaler benötigen für den Betrieb ihrer Rechenzentren enorme Mengen an verlässlicher und möglichst CO₂-freier Energie. Atomstrom erlebt dadurch eine Renaissance – insbesondere bei Projekten, die große Grundlast garantieren können.
Google wird laut Reuters für 25 Jahre Strom vom wiederbelebten 615-Megawatt-Reaktor abnehmen. Damit ist die Finanzierung des Neustarts gesichert. Ein weiterer Anteil der erzeugten Energie wird von einem früheren Minderheitseigner des Werks, der Central Iowa Power Cooperative, zu denselben Konditionen übernommen.
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Strategisches Investment in Nukleartechnologie
Parallel dazu wollen NextEra und Google auch gemeinsam in die Entwicklung neuer Nukleartechnologien investieren. Dabei geht es um fortschrittliche Reaktorkonzepte wie Small Modular Reactors (SMRs) oder Fusionskraftwerke. Auch andere Technologiekonzerne wie Microsoft haben ähnliche Abnahmeverträge mit Nuklearprojekten geschlossen, etwa am Standort des ehemaligen Kraftwerks Three Mile Island in Pennsylvania.
Nächster Schritt für NextEra
NextEra Energy, das bereits zu den größten Ökostromerzeugern der USA zählt, will mit dem Projekt seine Kompetenz im Bereich CO₂-freier Grundlast weiter ausbauen. CEO John Ketchum bezeichnete den Neustart als wichtigen Meilenstein. Das Unternehmen übernimmt zudem die bislang gehaltenen 30 Prozent Anteile der beteiligten Genossenschaften und wird damit alleiniger Eigentümer des Werks.
Signalwirkung für US-Energiewende
Der Fall Duane Arnold ist eines von drei derzeit laufenden Wiederinbetriebnahmeprojekten für US-Kernkraftwerke – allerdings wäre es das erste, das tatsächlich erfolgreich reaktiviert wird. Google-Finanzchefin Ruth Porat betonte die Vorbildfunktion des Projekts: Es zeige, wie durch gezielte Investitionen die Energiewende und die digitale Transformation parallel vorangebracht werden können.


