Die Berliner Bio-Supermarktkette BIO COMPANY SE stellt Ende November ihren eigenen Online-Shop ein und konzentriert sich künftig vollständig auf den Vertrieb über die Plattform des finnischen Lieferdienstes Wolt. Damit endet ein knapp einjähriger Testlauf des hauseigenen Lieferservices „Frische Kiste“. Zukünftig erfolgt die Bestellung von rund 4.000 Bio-Produkten ausschließlich über die Wolt-App – der eigene Webshop wird nicht weiter betrieben, wie das Unternehmen mitteilt.
Strategische Neuausrichtung
Die Entscheidung zur Kooperation mit Wolt ist strategisch motiviert. Im Berliner Pilotgebiet rund um die Filiale Yorckstraße in Kreuzberg liegt die Lieferzeit im Schnitt bei 35 Minuten – ein Wert, den BIO COMPANY mit eigener Logistik nicht erreichen konnte. Zudem bietet Wolt Zugriff auf ein deutlich größeres Online-Sortiment: Während der eigene Shop nur etwa 1.000 Produkte abbildete, können Kunden auf der Plattform rund 4.000 Artikel bestellen. Nicole Korset-Ristic, Vorständin für Einkauf & Sortiment, betont: „Wir sehen weiterhin Potenzial im Online-Vertrieb, setzen diesen aber nun über die Wolt-Plattform um.“
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Aufgabenverlagerung und Fokussierung
Mit dem Plattformwechsel übergibt BIO COMPANY nicht nur den Vertrieb, sondern auch wesentliche logistische Aufgaben an Wolt. Der Lieferdienst übernimmt sowohl das Auftragsmanagement als auch die Auslieferung und App-Anbindung. BIO COMPANY konzentriert sich künftig stärker auf Sortimentsgestaltung, Regionalität und Frische – zentrale Markenwerte, die durch die neue Arbeitsteilung noch deutlicher herausgestellt werden sollen. Korset-Ristic spricht von einer „Verbindung zweier Stärken“: BIO COMPANYs Bio-Kompetenz trifft auf Wolts Plattform-Know-how.
Für Wolt ist die Kooperation der Einstieg in die Bio-Vollsortiment-Welt auf dem deutschen Markt. BIO COMPANY ist laut eigenen Angaben der erste Partner dieser Kategorie im deutschen Wolt-Netzwerk. Die Zusammenarbeit ermöglicht es dem Lieferdienst, gezielt eine nachhaltig orientierte Zielgruppe anzusprechen – ein attraktives Segment im Quick-Commerce-Umfeld.
Auswirkungen auf das Geschäftsmodell
Die Einstellung des eigenen Online-Shops bringt für BIO COMPANY mehrere Veränderungen mit sich: Die interne Komplexität – von Logistik über Kundenservice bis IT – wird reduziert, was Kosten spart und operative Risiken minimiert. Gleichzeitig wird das Sortiment für Online-Kunden stark ausgeweitet, was zusätzliche Plattformeffekte ermöglicht. Auf der anderen Seite steigt die Abhängigkeit vom Plattformpartner, inklusive möglicher Margenbelastungen durch Gebühren oder Provisionen. Auch der direkte Kundenzugang über den eigenen Kanal entfällt.
Strategisch bleibt der stationäre Handel das Kerngeschäft von BIO COMPANY. Der Online-Vertrieb wird zukünftig ausgelagert betrieben – ein klarer Richtungswechsel in der Multichannel-Strategie.
Marktumfeld und Perspektiven
Der Wechsel zu einem Plattformmodell folgt einem generellen Trend im Bio-Handel. Konsumenten erwarten heute schnelle Lieferungen und ein breites Angebot. BIO COMPANY testete dieses Modell bereits im Sommer 2024 mit der „Frische Kiste“. Die neue Zusammenarbeit mit Wolt baut darauf auf und ermöglicht eine skalierbare Lösung. Angesichts wachsender Konkurrenz im Online-Bio-Handel könnte dieser Schritt entscheidend sein, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Ob sich die neue Arbeitsteilung bewährt, wird sich zeigen. Die Chancen stehen jedoch gut: BIO COMPANY stärkt sein Profil als stationärer Bio-Händler mit Online-Erweiterung, während Wolt seine Position im urbanen Liefermarkt ausbaut.


