Die geplante Übernahme von Ceconomy durch JD.com entwickelt sich zunehmend zu einem geopolitischen Konflikt zwischen der Europäischen Union und China. Nachdem die EU-Kommission die milliardenschwere Übernahme des MediaMarktSaturn-Mutterkonzerns im Rahmen der Foreign Subsidies Regulation (FSR) vertieft prüft, untersagt die chinesische Regierung eigenen Angaben nach Unternehmen und Behörden im eigenen Land, die europäischen Ermittlungen zu unterstützen. Damit wird aus einer regulatorischen Prüfung ein grundsätzlicher Streit über die Reichweite europäischer Wettbewerbsregeln und den Umgang mit staatlich unterstützten Investitionen aus Drittstaaten.
Peking stellt sich gegen die EU-Untersuchung
Das chinesische Justizministerium bezeichnet laut Reuters die Untersuchung der Europäischen Kommission als unzulässige extraterritoriale Anwendung europäischen Rechts. Nach Auffassung Pekings verlangen die EU-Behörden Informationen innerhalb Chinas, auf die ihnen kein Zugriff zustehe. Deshalb dürfen chinesische Unternehmen und Organisationen bestimmte Auskunftsersuchen der EU weder erfüllen noch unterstützen. Dadurch geraten international tätige Unternehmen in einen Konflikt zwischen europäischen Anforderungen und chinesischem Recht.
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EU prüft mögliche Wettbewerbsvorteile durch staatliche Unterstützung
Die Europäische Kommission untersucht seit Ende Mai 2026, ob JD.com beim geplanten Erwerb von Ceconomy von staatlichen Subventionen aus China profitiert haben könnte. Grundlage ist die Foreign Subsidies Regulation, mit der Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Unterstützung aus Drittstaaten verhindert werden sollen. Die Kommission betont, dass die vertiefte Prüfung ergebnisoffen ist. Im Juli verschärfte sich das Verfahren zusätzlich, nachdem JD.com eine formelle Mitteilung über regulatorische Bedenken erhalten hatte.
Milliardendeal mit strategischer Bedeutung
JD.com hatte Ceconomy ein freiwilliges Übernahmeangebot über 4,60 Euro je Aktie unterbreitet und sich damit – vorbehaltlich aller Genehmigungen – rund 59,8 Prozent der Anteile gesichert. Gemeinsam mit der Beteiligung des Partners Convergenta liegt die Stimmrechtsposition bei 85,2 Prozent. Für Ceconomy könnte JD.com wertvolle Kompetenzen in den Bereichen Logistik, E-Commerce und Digitalisierung einbringen. Gleichzeitig würde ein chinesischer Technologiekonzern erheblichen Einfluss auf einen der größten europäischen Elektronikhändler mit den Marken MediaMarkt und Saturn erhalten.
Präzedenzfall für künftige Investitionen
Der Fall gilt als wichtiger Test für die noch junge europäische Foreign Subsidies Regulation. Sollte China die Zusammenarbeit seiner Unternehmen mit europäischen Behörden dauerhaft einschränken, könnten künftige Übernahmen chinesischer Investoren in Europa deutlich komplizierter werden. Die EU muss dann entscheiden, wie sich Untersuchungen durchführen lassen, wenn wesentliche Informationen aus China nicht verfügbar sind. Für JD.com und Ceconomy hängt der Vollzug der Transaktion damit zunehmend nicht nur von wirtschaftlichen, sondern vor allem von geopolitischen und regulatorischen Entwicklungen ab.






