Nur ein Bruchteil der Bevölkerung kennt seinen eigenen CO2-Fußabdruck – und noch weniger sind sich der Auswirkungen ihrer digitalen Aktivitäten bewusst. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands wissen nur zwölf Prozent der Bundesbürger, wie stark ihr individueller Lebensstil das Klima belastet. Bei den Jüngeren (16–29 Jahre) liegt der Anteil immerhin bei 24 Prozent, während er bei der Generation 60 Plus auf acht Prozent sinkt. Der persönliche CO2-Fußabdruck umfasst dabei Emissionen durch Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum – zunehmend auch durch digitale Nutzung.
Digitale Nutzung als neue CO2-Quelle
Der sogenannte digitale CO2-Fußabdruck entsteht durch Aktivitäten wie Streaming, Cloud-Nutzung oder den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Dabei geht es nicht nur um den Stromverbrauch der Endgeräte, sondern auch um den Energieeinsatz in Rechenzentren und bei der Datenübertragung. Laut TÜV-Verband verursacht der globale IT- und Kommunikationssektor rund vier Prozent der weltweiten CO2-Emissionen – mehr als der internationale Flugverkehr. Eine Stunde HD-Streaming kommt im Schnitt auf 55 Gramm CO2 – so viel wie für eine Tasse Kaffee. Die Herstellung eines Smartphones erzeugt etwa 60 Kilogramm CO2, bei einem Laptop sind es bis zu 300 Kilogramm.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Viele unterschätzen digitale Emissionen
„Jede Suchanfrage, jeder Videocall, jede Interaktion mit KI verbraucht Energie“, erklärt Juliane Petrich vom TÜV-Verband. Trotzdem kennen laut der Umfrage nur vier Prozent der Menschen ihren digitalen Fußabdruck. Der Stromverbrauch variiert je nach Anbieter, Netzqualität und Stromquelle stark. Dennoch bieten Online-Tools wie der CO2-Rechner des Umweltbundesamts oder Apps wie „Klima“, „Giki“ oder „Capture“ eine erste Orientierung für den digitalen Konsum.
Nachhaltigkeit trifft auf Realität
Nachhaltigkeit ist für viele Verbraucher ein wichtiges Anliegen, bleibt beim Kauf von Technikprodukten aber meist zweitrangig. Nur 17 Prozent nennen sie als entscheidenden Faktor – Preis und Funktion dominieren. Immerhin achten 64 Prozent häufig auf Prüfsiegel, etwa vom TÜV oder dem Blauen Engel. Viele würden gern nachhaltiger konsumieren, stoßen jedoch auf Hindernisse wie fehlende Transparenz, hohe Kosten oder kurze Produktlebenszyklen.
Politik und Wirtschaft in der Pflicht
Vor dem Hintergrund der Weltklimakonferenz appelliert der TÜV-Verband an Politik und Unternehmen, Digitalisierung und Nachhaltigkeit stärker miteinander zu verzahnen. Digitale Technologien könnten zum Klimaschutz beitragen – wenn sie effizient, ressourcenschonend und verantwortungsvoll eingesetzt werden. Transparente Informationen und unabhängige Prüfungen sollen dabei helfen, fundierte Konsumentscheidungen zu ermöglichen.


