Die DAX-Konzerne haben im zweiten Quartal 2026 bei Umsatz und operativem Gewinn neue Rekorde erzielt. Nach einer Analyse von EY stieg das kumulierte EBIT der untersuchten Unternehmen gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent auf 52,6 Milliarden Euro. Die Erlöse legten um 4,6 Prozent auf rund 463 Milliarden Euro zu.
Hinter den Bestmarken verbirgt sich allerdings eine stark gespaltene Entwicklung. Das Wachstum konzentriert sich auf Branchen, die von Rüstungsausgaben, Investitionen in KI- und Energieinfrastruktur, hohen Zinsen oder Engpässen auf internationalen Energie- und Chemiemärkten profitieren. Teile der klassischen Industrie bleiben dagegen unter erheblichem Druck.
Sonderkonjunkturen treiben die Rekordzahlen
31 der 38 in die Umsatzanalyse einbezogenen Unternehmen steigerten ihre Erlöse. Rheinmetall erzielte mit 69 Prozent das stärkste Wachstum, gefolgt von Airbus mit 28 Prozent. Beim operativen Ergebnis verbesserten sich 29 Unternehmen, während elf einen Rückgang verbuchten.
Zu den Wachstumstreibern zählt der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren. Die damit verbundenen Investitionen und der steigende Strombedarf sorgen laut EY insbesondere in Energietechnik, Infrastruktur, Halbleiterindustrie sowie Spezialmaschinen- und Klimatechnik für zusätzliche Nachfrage.
Auch die Finanzbranche setzte ihren Aufschwung fort. Ihr kumuliertes EBIT erreichte 13,5 Milliarden Euro und lag damit zehn Prozent über dem Vorjahreswert. Teile der Chemieindustrie profitierten zudem von Versorgungsengpässen und höheren Preisen. BASF steigerte seinen operativen Gewinn um 137 Prozent.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Autoindustrie bleibt im Krisenmodus
Deutlich schwächer entwickelte sich dagegen die Automobilbranche. Die DAX-Autokonzerne verzeichneten einen Umsatzrückgang von 1,2 Prozent und einen Gewinneinbruch von zwölf Prozent. EY nennt schwache Absatzmärkte, zunehmenden Wettbewerb aus China, Überkapazitäten und die hohen Kosten des Umbaus zur Elektromobilität als Belastungsfaktoren.
BMW meldete mit einem Minus von 39 Prozent einen besonders starken Gewinnrückgang. Bei Volkswagen und Daimler Truck sank das Ergebnis jeweils um neun Prozent. Dennoch blieb Volkswagen mit rund 82 Milliarden Euro der umsatzstärkste DAX-Konzern, gefolgt von Allianz mit 46 Milliarden Euro.
Den höchsten Quartalsgewinn erzielte die Deutsche Telekom mit 6,9 Milliarden Euro. Dahinter folgten Allianz mit 4,9 Milliarden, Volkswagen mit 3,5 Milliarden und Siemens mit 3,4 Milliarden Euro. Das stärkste Gewinnwachstum meldeten Bayer und Vonovia.
DAX-Konzerne bauen 41.000 Stellen ab
Die Rekordergebnisse schlagen sich nicht in steigender Beschäftigung nieder. Ende Juni arbeiteten rund 3,49 Millionen Menschen bei den untersuchten Konzernen, 41.000 beziehungsweise 1,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Besonders deutlich fällt der Stellenabbau in der Automobilindustrie aus. Dort sank die Beschäftigtenzahl um rund 40.000 beziehungsweise 5,2 Prozent. Insgesamt erhöhten 21 von 37 Unternehmen mit entsprechenden Angaben ihre Mitarbeiterzahl, während 16 Stellen abbauten. Rheinmetall verzeichnete mit 24 Prozent den stärksten Zuwachs.
Neben Kostensenkungsprogrammen verändert laut EY auch künstliche Intelligenz die Personalplanung, insbesondere in Verwaltungsfunktionen. Gleichzeitig entstehen bei expandierenden Unternehmen neue Arbeitsplätze, allerdings häufig außerhalb Deutschlands.
Rekorde verdecken strukturelle Probleme
EY warnt deshalb davor, die Rekordwerte als breit angelegte wirtschaftliche Trendwende zu interpretieren. Ein wesentlicher Teil des Wachstums werde im Ausland erzielt, während die Nachfrage in Deutschland schwach bleibe. Sonderfaktoren könnten zudem schnell an Wirkung verlieren.
Zu den strukturellen Belastungen zählt EY hohe Standortkosten, umfangreiche Verwaltungsstrukturen sowie die Anfälligkeit gegenüber geopolitischen Krisen, Zöllen und zunehmender Abschottung. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung hielten die DAX-Unternehmen dennoch weitgehend stabil. 21 Unternehmen investierten zusammen 16,8 Milliarden Euro und damit 1,2 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.
Die Rekordbilanz zeigt damit zwei Seiten der deutschen Großunternehmen: Rüstung, Finanzwirtschaft und Profiteure des globalen KI-Infrastrukturbooms wachsen kräftig, während insbesondere die Automobilindustrie weiter restrukturiert. Hinter dem Rekordgewinn steht deshalb keine flächendeckende Erholung der deutschen Industrie.



