Steigende Lebenshaltungskosten machen den Deutschen weiterhin am meisten Angst. Laut der aktuellen R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen 2025“ geben 52 Prozent der Befragten an, dass sie große Sorge vor der Preisentwicklung haben. Damit steht die Inflation erneut auf Platz eins der größten Ängste – bereits zum 15. Mal in Folge. Obwohl sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld leicht beruhigt hat, bleibt das Thema für viele präsent. Besonders die Kosten für Energie, Lebensmittel und Dienstleistungen gelten als Haupttreiber der Verunsicherung.
Finanzen vor Migration und Politik
Die weiteren Plätze im Angst-Ranking belegen ebenfalls wirtschaftliche Themen: Die Furcht vor Steuererhöhungen oder Sozialkürzungen liegt mit 49 Prozent auf Platz drei, dicht gefolgt von der Sorge um unbezahlbaren Wohnraum (48 Prozent). Die Angst, dass die Migration den Staat überfordert, landet mit 49 Prozent auf Platz zwei – allerdings mit abnehmender Tendenz im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Furcht vor gesellschaftlichen Spannungen durch Zuwanderung ist leicht gesunken. Auffällig sind die regionalen Unterschiede: In Ostdeutschland sind migrationsbezogene Ängste deutlich stärker ausgeprägt als im Westen.
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Weniger Angst trotz Krisen
Trotz multipler globaler Krisen fällt der allgemeine Angstindex – der Durchschnitt aller abgefragten Ängste – auf 37 Prozent (2024: 42 Prozent). Es ist der zweitniedrigste Wert seit Beginn der Langzeitstudie im Jahr 1992. Laut Studienleiter Grischa Brower-Rabinowitsch haben sich viele Menschen an die ständige Krisenpräsenz gewöhnt. Die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Isabelle Borucki spricht von „Krisenmüdigkeit“. Die Menschen würden sich zunehmend auf ihre individuelle Lebensrealität konzentrieren – vor allem auf finanzielle Sicherheit.
Trump verliert an Schrecken
Im internationalen Kontext verliert Donald Trump an Bedrohungspotenzial: 45 Prozent der Befragten fürchten sich vor seiner Politik – ein deutlich niedrigerer Wert als noch in seiner ersten Amtszeit, als bis zu 69 Prozent der Deutschen Trump für eine Gefahr hielten. Heute rangiert diese Angst nur noch auf Platz sechs. Davor liegt mit 47 Prozent die Furcht vor erstarkenden autoritären Regimen weltweit – die einzige Sorge, die 2025 leicht gestiegen ist.
Vertrauen in Politik steigt leicht
Die Angst, dass Politiker mit ihren Aufgaben überfordert sind, ist deutlich zurückgegangen – von 49 auf 42 Prozent. Auch die Durchschnittsnote für politische Akteure hat sich verbessert. Dennoch bleiben die Ost-West-Unterschiede bestehen: Im Osten trauen 50 Prozent der Regierung zu wenig zu, im Westen sind es 40 Prozent. Politologin Borucki mahnt, dass Vertrauen ein entscheidender Faktor für gesellschaftlichen Zusammenhalt sei – und ein Verlust Raum für Radikalisierung schaffe.
Spaltung als neuer Normalzustand
Die Angst vor einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft sinkt auf 39 Prozent – ein Rückgang um neun Prozentpunkte. Dennoch sehen viele Befragte konkrete Trennlinien: Zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund (72 Prozent), zwischen Arm und Reich (58 Prozent) sowie zwischen Anhängern und Gegnern demokratischer Werte (57 Prozent). Eine Ost-West-Spaltung sehen hingegen nur 22 Prozent als bedrohlich an. Die zunehmende Normalisierung gesellschaftlicher Spannungen bewertet Borucki kritisch.
Weitere Ergebnisse
Auch andere Ängste zeigen einen rückläufigen Trend: Die Sorge vor einer Kriegsbeteiligung Deutschlands stagniert bei 41 Prozent, die Angst vor einer Rezession sinkt auf denselben Wert. Extremismus wird weiterhin als Bedrohung wahrgenommen, wobei die Angst vor rechtem Extremismus gestiegen ist (43 Prozent), während die Furcht vor islamistischem Terror zurückgeht. Überraschend niedrig ist mit 20 Prozent die Angst vor Kriminalität – sie rangiert ganz am Ende der Liste.
Die R+V-Studie basiert auf der Befragung von rund 2.400 Personen zwischen dem 12. Mai und dem 22. Juli 2025. Sie ist seit über 30 Jahren eine der wichtigsten Langzeiterhebungen zur Stimmungslage in Deutschland.


