Die Europäische Kommission hat gestern die Initiative RAISE zur Förderung künstlicher Intelligenz in der Wissenschaft vorgestellt. Das Programm soll europäischen Forschungseinrichtungen zusätzliche Rechenleistung, KI-Modelle, Daten und technisches Fachwissen zugänglich machen. Neben öffentlichen Fördermitteln setzt Brüssel dabei auf Unterstützung aus der Wirtschaft und von gemeinnützigen Stiftungen. Der Start erfolgte beim europäischen Gipfel für KI in der Wissenschaft in Dublin.
Technologieunternehmen stellen Forschungsressourcen bereit
RAISE steht für „Resource for AI Science in Europe“ und ist Bestandteil der europäischen Strategie für künstliche Intelligenz in der Wissenschaft.
Im Mittelpunkt steht die Bereitstellung von Ressourcen, die für anspruchsvolle KI-Forschungsprojekte benötigt werden. Unternehmen und Organisationen können unter anderem Rechenkapazitäten, Cloud-Dienste, Softwarelizenzen, Datensätze und Schulungsangebote beitragen.
Erste Unterstützungszusagen kommen von Nvidia, Google DeepMind, Mistral, Elsevier, Sanofi, Frontiers und der Novo Nordisk Foundation. Weitere Unternehmen und Stiftungen können sich anschließen.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Mistral und CERN entwickeln gemeinsames KI-Modell
Ein erstes konkretes Vorhaben ist die Zusammenarbeit zwischen dem französischen KI-Unternehmen Mistral AI und der europäischen Forschungsorganisation CERN.
Die Partner wollen ein besonders umfangreiches KI-Grundlagenmodell für die Physik entwickeln. Es soll wissenschaftliche Expertise mit moderner KI-Technologie verbinden und neue Möglichkeiten für die Forschung erschließen.
Das Projekt verdeutlicht den Ansatz der Initiative, technologische Ressourcen aus der Privatwirtschaft gezielt für wissenschaftliche Anwendungen verfügbar zu machen.
Private Unterstützung soll öffentliche Förderung ergänzen
Mit RAISE will die EU-Kommission zusätzliche Finanzierungs- und Kooperationsmöglichkeiten erschließen. Die Beiträge sollen über die unmittelbaren kommerziellen Interessen der beteiligten Organisationen hinausgehen.
Neben technischen Ressourcen sind finanzielle Zuschüsse, Stipendien und Weiterbildungsprogramme möglich. Ziel ist es, Forschungseinrichtungen Zugang zu Technologien zu verschaffen, die sie aus eigenen Mitteln nur eingeschränkt nutzen könnten.
Die eingegangenen Zusagen und ihre Umsetzung sollen jährlich überprüft werden. Fortschritte will die Kommission bei künftigen europäischen Gipfeltreffen zur KI-Forschung vorstellen.
Neue Plattformen vernetzen Europas KI-Forschung
Parallel zum Programmstart wurden drei digitale Angebote eingerichtet: der RAISE-Hub, das RAISE-Forum und die RAISE-Beobachtungsstelle.
Die Plattformen sollen Informationen, technische Ressourcen und Forschungsgemeinschaften zusammenführen. Zudem sollen sie den Austausch zwischen Wissenschaft, Unternehmen und weiteren Unterstützern erleichtern.
Damit entsteht eine gemeinsame Anlaufstelle für die europäische Forschungsgemeinschaft, die Kooperationen und den Zugang zu KI-Infrastruktur fördern soll.
EU aktualisiert Regeln für verantwortungsvollen KI-Einsatz
Auf dem Gipfel präsentierte die Kommission außerdem überarbeitete Leitlinien zum Einsatz generativer künstlicher Intelligenz in der Forschung.
Die Empfehlungen behandeln unter anderem Transparenz, wissenschaftliche Integrität und den verantwortungsvollen Umgang mit KI-Systemen. Erstmals wird dabei auch der Einsatz sogenannter agentischer KI umfassender berücksichtigt.
RAISE ergänzt die im Oktober 2025 vorgestellte europäische KI-Wissenschaftsstrategie. Diese soll die technologische Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken und wissenschaftliche Innovationen beschleunigen.
Mit der neuen Initiative verfolgt die Kommission das Ziel, europäische Forschungseinrichtungen unabhängiger von begrenzten eigenen Ressourcen zu machen und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Technologiebranche auszubauen.



