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Schweizer Online-Marktplatz Ricardo meldet massiven Datendiebstahl

RIcardo Online Shop auf einem Smartphone
Foto: Ricardo

Key takeaways

➟ Beim Schweizer Online-Marktplatz Ricardo wurden rund 890.000 Kundendatensätze gestohlen. Betroffen sind Namen, Anschriften und Telefonnummern. Trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen konnten Cyberkriminelle eine Schwachstelle ausnutzen.

Lesezeit ca. 2 Minuten

Der Schweizer Online-Marktplatz Ricardo ist Opfer eines massiven Cyberangriffs geworden. Wie der Tagesanzeiger zuerst berichtet, verschafften sich Unbekannte Anfang Oktober 2026 Zugriff auf rund 890.000 Kundendatensätze. Betroffen sind Namen, Postanschriften und Telefonnummern sowie bei gewerblichen Nutzern zusätzlich Firmennamen. E-Mail-Adressen und Passwörter sollen nicht entwendet worden sein. Das Unternehmen informierte betroffene Kunden am 10. Oktober über den Vorfall.

Sicherheitslücke ermöglichte Zugriff auf Kundendaten

Ricardo hatte am Morgen des 7. Oktober ungewöhnliche Aktivitäten auf seinen Servern festgestellt. Eine anschließende Untersuchung ergab, dass Dritte eine Schwachstelle ausgenutzt hatten, um auf gespeicherte Kundeninformationen zuzugreifen.

Nach Angaben des Unternehmens wurde die Sicherheitslücke noch am selben Tag innerhalb weniger Stunden geschlossen. Die zuständigen Datenschutzbehörden seien informiert worden. Zudem kündigte Ricardo an, die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten.

Die genaue Vorgehensweise und Herkunft der Angreifer sind bislang nicht öffentlich bekannt.

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Gestohlene Informationen erhöhen Betrugsrisiko

Auch ohne entwendete Zugangsdaten kann der Vorfall für betroffene Kunden problematisch werden. Namen, Anschriften und Telefonnummern lassen sich beispielsweise für gezielte Kontaktversuche nutzen, bei denen Kriminelle eine vertrauenswürdige Identität vortäuschen.

Ricardo-Nutzer waren bereits in den vergangenen Monaten verstärkt mit Betrugsversuchen konfrontiert. Ein direkter Zusammenhang zwischen diesen Aktivitäten und dem aktuellen Datendiebstahl ist allerdings nicht belegt.

Die Swiss Marketplace Group (SMG), zu der neben Ricardo auch Tutti und Anibis gehören, erklärte, dass sich Angriffe auf die technische Infrastruktur zuletzt nicht auffällig gehäuft hätten.

KI-Systeme sollen betrügerische Aktivitäten erkennen

Die Plattformgruppe setzt nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren automatisierte Verfahren zur Betrugserkennung ein. KI-gestützte Risikomodelle untersuchen unter anderem das Nutzerverhalten und die Kommunikation auf verdächtige Muster.

Zusätzlichen Schutz sollen eine Zwei- beziehungsweise Multi-Faktor-Authentifizierung und der Treuhandservice Ricardo Moneyguard bieten. Bei der Registrierung werden außerdem unsichere oder bereits kompromittierte Passwörter zurückgewiesen.

Regelmäßige Sicherheitsprüfungen konnten Angriff nicht verhindern

Neben internen Sicherheitsteams nutzt die SMG-Gruppe externe Prüfverfahren. Dazu gehören regelmäßige Penetrationstests, jährliche Sicherheitsüberprüfungen und Programme zur Meldung entdeckter Schwachstellen.

Als Orientierungsrahmen dienen internationale Sicherheitsstandards wie ISO 27001 und SOC 2. Darüber hinaus arbeitet Ricardo bei der Betrugsprävention mit der Schweizerischen Kriminalprävention zusammen.

Trotz dieser Maßnahmen gelang es den Angreifern, auf einen umfangreichen Datenbestand zuzugreifen. Der Vorfall verdeutlicht, dass auch mehrstufige Schutzsysteme Sicherheitslücken nicht vollständig ausschließen können.

Untersuchungen dauern an – keine Erpressungsforderungen bekannt

Die Hintergründe des Angriffs werden weiterhin untersucht. Auf Anfrage des IT-Portals Golem machte die SMG keine Angaben zur möglichen Herkunft der Täter oder zu weiteren technischen Erkenntnissen.

Unternehmenssprecherin Mojca Fuks erklärte jedoch, dass im Zusammenhang mit dem Vorfall bislang weder Geldforderungen noch Erpressungsversuche gegenüber Ricardo oder der Unternehmensgruppe bekannt geworden seien.

Für betroffene Kunden bleibt insbesondere das Risiko betrügerischer Kontaktaufnahmen bestehen. Unerwartete Nachrichten oder Anrufe, die persönliche Informationen enthalten und zu Zahlungen oder zur Herausgabe weiterer Daten auffordern, sollten daher besonders sorgfältig geprüft werden.

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