Im Jahr 2025 ist die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit so stark gesunken wie noch nie zuvor. Nach Daten der OECD brachen die Leistungen der Geberstaaten real um mehr als 23 Prozent ein. Das Gesamtvolumen fiel auf 174,3 Milliarden US-Dollar und erreichte damit wieder ein Niveau wie zuletzt 2015 – jenem Jahr, das mit der Verabschiedung der UN-Agenda 2030 eigentlich einen Aufbruch markierte.
Auffällig ist vor allem die Rolle der größten Gebernationen: Sie reduzierten ihre Beiträge geschlossen und verursachten nahezu den gesamten Rückgang. Die internationale Hilfsarchitektur gerät dadurch zunehmend unter Druck.
Deutschland übernimmt Führungsrolle
Trotz dieses globalen Trends steigt Deutschland erstmals zum größten Geberland auf. Mit 29,1 Milliarden US-Dollar liegt es knapp vor den USA. Dahinter folgen weitere große Industriestaaten wie das Vereinigte Königreich, Japan und Frankreich.
Die neue Spitzenposition fällt jedoch in eine wirtschaftlich angespannte Phase, in der sogar eine Erhöhung der Mehrwertsteuer diskutiert wird. Schwaches Wachstum, hohe Energiekosten und steigende Sozialausgaben belasten die Haushaltslage erheblich. Dennoch hält die Bundesregierung an ihrer Linie fest, Entwicklungszusammenarbeit als strategisches Instrument für Stabilität, Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung zu priorisieren.
Im Verhältnis zur Wirtschaftskraft bleibt Deutschland allerdings unter dem international vereinbarten Ziel von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens. Nur wenige Länder erreichen diese Marke weiterhin.
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Ukraine-Hilfe verschiebt Strukturen
Ein wesentlicher Treiber der aktuellen Entwicklung ist die Unterstützung der Ukraine. Zwar ging die direkte bilaterale Hilfe deutlich zurück, doch über multilaterale Kanäle – insbesondere über EU-Institutionen – stieg die Gesamtunterstützung auf ein Rekordniveau.
Diese Entwicklung zeigt eine klare Verschiebung: Statt direkter Zahlungen setzen Geberländer zunehmend auf gemeinsame Programme. Dadurch werden Kürzungen in nationalen Budgets teilweise kompensiert, gleichzeitig verändert sich die Struktur der internationalen Hilfe grundlegend.
Einschnitte bei zentralen Programmen
Besonders stark betroffen sind klassische Entwicklungsprogramme. Mittel für langfristige Projekte gingen deutlich zurück, ebenso die humanitäre Hilfe und Ausgaben für Geflüchtete in den Geberländern. Diese Einschnitte treffen vor allem die ärmsten Regionen der Welt.
Experten warnen vor den Folgen: Steigende Schuldenlasten, geopolitische Spannungen sowie Risiken für Ernährungssicherheit und wirtschaftliche Stabilität könnten sich weiter verschärfen, wenn die Unterstützung nicht wieder ausgeweitet wird.
Ausblick bleibt angespannt
Für das Jahr 2026 wird ein weiterer Rückgang der globalen Entwicklungshilfe erwartet. Haushaltszwänge und politische Unsicherheiten dürften die Bereitschaft vieler Staaten zu höheren Ausgaben weiter begrenzen.
Deutschland steht damit vor einer doppelten Herausforderung: Die neue Führungsrolle stärkt zwar den internationalen Einfluss, erhöht aber zugleich den innenpolitischen Druck. Künftig wird entscheidend sein, wie effizient die Mittel eingesetzt werden und wie die Balance zwischen globaler Verantwortung und nationalen Prioritäten gelingt.


