Die Verbraucher im Euroraum rechnen wieder mit einer etwas höheren Inflation und beurteilen die wirtschaftliche Entwicklung zunehmend skeptisch. Nach der aktuellen Verbraucherumfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) stiegen die Inflationserwartungen für die kommenden zwölf Monate im September 2026 auf 3,1 Prozent. Gleichzeitig verschlechterten sich die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum, während die prognostizierte Arbeitslosenquote zunahm.
Trotz der gedämpften Konjunkturaussichten rechnen die Haushalte mit steigenden Einkommen und höheren Konsumausgaben. Die am Freitag veröffentlichten Ergebnisse zeigen damit eine unterschiedliche Entwicklung zwischen persönlicher Finanzplanung und allgemeiner Wirtschaftserwartung.
Inflationserwartungen steigen auf 3,1 Prozent
Die von Verbrauchern wahrgenommene Inflation der vergangenen zwölf Monate erhöhte sich im September auf 3,6 Prozent. Im August hatte der entsprechende Medianwert noch bei 3,5 Prozent gelegen.
Auch die erwartete Preissteigerung für die kommenden zwölf Monate nahm leicht zu. Sie stieg von 3,0 auf 3,1 Prozent. Die längerfristigen Erwartungen blieben dagegen stabil: Für einen Zeitraum von drei Jahren rechnen die Befragten weiterhin mit 2,9 Prozent Inflation, für fünf Jahre mit 2,5 Prozent.
Die Unsicherheit über die kurzfristige Preisentwicklung nahm ebenfalls etwas zu. Nach Angaben der EZB liegt sie weiterhin über dem Niveau vor Beginn des Konflikts im Nahen Osten.
Zwischen den Bevölkerungsgruppen bestehen Unterschiede. Haushalte mit niedrigem Einkommen nehmen die Inflation stärker wahr und erwarten höhere Preissteigerungen als einkommensstarke Haushalte. Jüngere Befragte zwischen 18 und 34 Jahren schätzen die Inflation dagegen niedriger ein als ältere Verbraucher.
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Haushalte erwarten steigende Konsumausgaben
Die Erwartungen für das nominale Einkommenswachstum verbesserten sich im September leicht. Für die kommenden zwölf Monate rechnen Verbraucher durchschnittlich mit einem Anstieg ihrer Einkommen um 1,1 Prozent, nach 1,0 Prozent im August.
Bei den Konsumausgaben fällt die erwartete Entwicklung deutlich stärker aus. Die prognostizierte nominale Ausgabensteigerung erhöhte sich von 3,6 auf 3,7 Prozent.
Zugleich gaben die Befragten an, dass ihre Ausgaben in den vergangenen zwölf Monaten bereits um 5,3 Prozent gestiegen seien. Im Vormonat hatte dieser Wert bei 5,2 Prozent gelegen.
Für den Einzelhandel zeigen die Ergebnisse, dass Verbraucher weiterhin mit höheren Ausgaben rechnen. Da die Angaben nominale Veränderungen erfassen, lässt sich daraus allerdings nicht unmittelbar auf steigende reale Absatzmengen schließen.
Konjunkturerwartungen verschlechtern sich deutlich
Weniger optimistisch beurteilen die Verbraucher die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Für die kommenden zwölf Monate erwarten sie einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,5 Prozent.
Im August hatte die Prognose noch bei minus 1,2 Prozent gelegen. Damit verschlechterte sich die Einschätzung innerhalb eines Monats um 0,3 Prozentpunkte.
Auch die Erwartungen für den Arbeitsmarkt trübten sich ein. Die von den Befragten für die kommenden zwölf Monate prognostizierte Arbeitslosenquote stieg von 11,0 auf 11,3 Prozent.
Haushalte mit niedrigem Einkommen rechnen dabei mit einer Arbeitslosenquote von 13,6 Prozent. In der höchsten Einkommensgruppe liegt die Erwartung dagegen bei 9,7 Prozent.
Da die Verbraucher die aktuelle Arbeitslosenquote auf 10,6 Prozent schätzen, bleibt der erwartete Anstieg insgesamt begrenzt. Die EZB spricht deshalb weiterhin von einem weitgehend stabilen Arbeitsmarktausblick.
Immobilienpreise dürften weiter steigen
Am Immobilienmarkt erwarten die Verbraucher ebenfalls höhere Preise. Für die kommenden zwölf Monate rechnen sie mit einem Wertzuwachs ihrer Wohnimmobilien von durchschnittlich 3,5 Prozent. Im August hatte die Erwartung bei 3,4 Prozent gelegen.
Die Einschätzungen unterscheiden sich nach Einkommen. Während die unterste Einkommensgruppe Preissteigerungen von 4,0 Prozent erwartet, liegt der entsprechende Wert bei einkommensstarken Haushalten bei 3,2 Prozent.
Die erwarteten Hypothekenzinsen blieben mit 4,9 Prozent unverändert. Allerdings rechnen Haushalte mit geringem Einkommen durchschnittlich mit höheren Finanzierungskosten von 5,7 Prozent. In der obersten Einkommensgruppe werden lediglich 4,4 Prozent erwartet.
Zugleich berichteten mehr Befragte von einer Verschärfung der Kreditbedingungen. Auch für die kommenden zwölf Monate rechnen zunehmend mehr Haushalte mit einem erschwerten Zugang zu Finanzierungen.
EZB befragt rund 19.000 Verbraucher
Die Ergebnisse stammen aus der monatlichen Consumer Expectations Survey der EZB. An der Onlinebefragung nehmen derzeit rund 19.000 Erwachsene aus elf Ländern des Euroraums teil, darunter Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien.
Die jüngste Erhebung wurde zwischen dem 27. August und dem 28. September 2026 durchgeführt. Die Ergebnisse ergänzen andere Wirtschaftsindikatoren und dienen der geldpolitischen Analyse.


