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KI-Fälschungen: Bundesregierung und Google fördern Schutz historischer Dokumente

Medien Staatsminister Wolfram Weimer
Foto: BKM / Kay Herschelmann

Key takeaways

➟ Historische Aufnahmen lassen sich durch generative KI zunehmend überzeugend imitieren. Eine gemeinnützige Initiative entwickelt deshalb überprüfbare Herkunftsnachweise für digitale Sammlungen.

Lesezeit ca. 4 Minuten

Die Bundesregierung und die Google-Stiftung Google.org finanzieren gemeinsam eine Initiative zum Schutz digitalisierter historischer Dokumente vor Manipulationen durch künstliche Intelligenz. Die Global Authentic Memory Initiative (GAMI) entwickelt ein offenes Verfahren, mit dem Archive, Museen und Gedenkstätten die Herkunft und Unverändertheit ihrer digitalen Bestände nachweisbar machen können. Insgesamt stehen dafür laut Pressemitteilung Fördermittel in Höhe von 400.000 Euro zur Verfügung.

Das Projekt reagiert auf die zunehmende Verbreitung KI-generierter Bilder und Dokumente, die authentische historische Quellen imitieren können. Gleichzeitig wächst das Risiko, dass tatsächlich überlieferte Aufnahmen als künstlich erzeugte Fälschungen zurückgewiesen werden. GAMI soll deshalb eine technische Grundlage schaffen, um historische Digitalisate langfristig überprüfbar zu halten.

Bund und Google.org stellen 400.000 Euro bereit

Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien beteiligt sich mit 100.000 Euro an der Finanzierung. Weitere 300.000 Euro kommen von Google.org, der gemeinnützigen Stiftung des Technologiekonzerns. Die Förderung soll sowohl die technische Weiterentwicklung als auch den Aufbau einer dauerhaft nutzbaren Infrastruktur unterstützen.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnet den Schutz historischer Quellen als wichtige Voraussetzung für den Erhalt gesellschaftlicher Erinnerung und die Abwehr gezielter Desinformation. Die Bundesregierung greift damit auch Forderungen von Gedenkstätten auf, die bereits zu Jahresbeginn auf wachsende Risiken durch generative KI aufmerksam gemacht hatten.

Google.org verfolgt mit der Beteiligung das Ziel, die Technologie über einzelne Einrichtungen hinaus verfügbar zu machen. Nach Angaben von Rowan Barnett, Director Google.org EMEA & APAC, soll eine tragfähige technische Infrastruktur entstehen, die perspektivisch von Tausenden Archiven weltweit eingesetzt werden kann.

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Kryptografische Nachweise sichern digitale Archivbestände

Das von GAMI entwickelte Verfahren kombiniert drei technische Komponenten: einen kryptografischen Fingerabdruck, einen Zeitstempel und eine digitale Signatur der jeweiligen Institution. Gemeinsam ermöglichen diese Angaben, die Identität und Integrität eines archivierten digitalen Dokuments unabhängig zu überprüfen.

Museen, Forschungseinrichtungen und Gedenkstätten können ihre Digitalisate mit entsprechenden Nachweisen versehen. Dadurch lässt sich später feststellen, ob eine überprüfte Datei mit der dokumentierten Fassung übereinstimmt und welcher Einrichtung der Herkunftsnachweis zugeordnet ist.

Die Lösung ist offen konzipiert und soll unabhängig von einzelnen Technologieanbietern funktionieren. Damit verfolgt GAMI einen Ansatz, der langfristige Überprüfbarkeit ermöglicht, ohne historische Bestände dauerhaft an proprietäre Plattformen zu binden.

Ein solcher Herkunftsnachweis kann Manipulationen an registrierten Dateien erkennbar machen. Er ersetzt allerdings nicht die historische Quellenkritik oder die Prüfung, ob ein Dokument bereits vor seiner Registrierung authentisch war.

Gedenkstätten warnen vor Vertrauensverlust durch KI-Fälschungen

Den Anstoß für die verstärkte Auseinandersetzung mit dem Thema gab unter anderem ein offener Brief vom 13. Januar 2026. Darin machten insbesondere NS-Gedenkstätten auf die Schwierigkeiten aufmerksam, historische Originalaufnahmen zuverlässig von künstlich erzeugtem Material zu unterscheiden.

Ein zentrales Problem ist die sogenannte Lügner-Dividende. Sie beschreibt die Möglichkeit, authentische Belege allein mit dem Hinweis auf vermeintliche KI-Manipulationen infrage zu stellen. Gleichzeitig können synthetische Bilder als angeblich historische Dokumente verbreitet werden.

Besonders gefährdet sind ältere Archivbestände, deren digitale Fassungen ursprünglich ohne technische Herkunftsnachweise erstellt wurden. Anders als viele moderne Medien enthalten Millionen historischer Digitalisate keine integrierten Informationen, mit denen sich ihre Entstehung oder spätere Veränderungen technisch nachvollziehen lassen.

Pablo Toussaint, Gründer und Direktor von Authentic Memory, sieht deshalb nicht allein die Verbreitung gefälschter Inhalte als Gefahr. Entscheidend sei auch der mögliche Vertrauensverlust gegenüber echten historischen Quellen. Eine frühzeitige technische Absicherung bestehender Sammlungen soll dieser Entwicklung entgegenwirken.

Erste Pilotprojekte an KZ-Gedenkstätten umgesetzt

Hinter GAMI steht die gemeinnützige Authentic Memory gUG, die aus dem wissenschaftlichen Umfeld der Technischen Universität München und der Ludwig-Maximilians-Universität München hervorgegangen ist. Ein Team unter Leitung von Pablo Toussaint entwickelt das technische Verfahren und die dafür benötigte IT-Infrastruktur.

Erste praktische Anwendungen wurden bereits gemeinsam mit den KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg erprobt. Die Pilotprojekte dienen als Grundlage für eine breitere Nutzung durch weitere Einrichtungen, die historische Dokumente digital aufbewahren und öffentlich zugänglich machen.

Langfristig soll das System nicht nur einzelne Sammlungen schützen, sondern eine institutionsübergreifende Überprüfung ermöglichen. Der offene technische Ansatz ist dabei besonders für kleinere Archive relevant, die keine eigenen komplexen Verfahren zur digitalen Authentifizierung entwickeln können.

KI-Desinformation auch Thema bei Gesprächen mit Google

Die Förderung wurde im Zusammenhang mit einer USA-Reise von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bekannt gegeben. Während seines Aufenthalts führte er Gespräche mit Vertretern großer Technologieunternehmen, darunter Google und YouTube. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen generativer KI auf die Kultur- und Kreativwirtschaft sowie der Umgang mit manipulierten digitalen Inhalten.

Diskutiert wurde insbesondere, welche Verantwortung Plattformbetreiber und Technologieunternehmen bei der Eindämmung von Deepfakes und Desinformation übernehmen können. Neben dem Schutz historischer Überlieferungen ging es um mögliche Maßnahmen zur Absicherung kultureller Einrichtungen und kreativer Inhalte.

Mit GAMI entsteht nun ein konkretes Förderprojekt, das technische Herkunftsnachweise für historische Digitalbestände voranbringen soll. Ob sich das Verfahren international etabliert, hängt unter anderem davon ab, wie viele Gedächtnisinstitutionen die Technologie übernehmen und ihre Bestände entsprechend registrieren.

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