Amazon-Chef Andy Jassy empfiehlt jungen Menschen, sich beim Berufseinstieg nicht zu sehr auf den perfekten Arbeitsplatz zu konzentrieren. Bei einer Veranstaltung am Unternehmenssitz in Seattle berichtete der Manager über seinen eigenen, keineswegs geradlinigen Karriereweg. Bevor er 1997 zu Amazon kam, arbeitete er unter anderem beim Fernsehen, im Einzelhandel, in der Beratung und im Vertrieb.
Seine wichtigste Botschaft: Berufliche Orientierung entsteht häufig erst durch unterschiedliche Erfahrungen. Auch Tätigkeiten, die zunächst wenig mit den eigenen langfristigen Zielen zu tun haben, können wertvolle Fähigkeiten vermitteln.
Karriere begann mit dem Wunsch nach Sportjournalismus
Ursprünglich wollte Jassy Sportreporter werden. Während seines Studiums arbeitete er drei Sommer lang beim New Yorker Fernsehsender Fox an der Vorbereitung und Produktion der Sendung „Good Day New York“.
Dabei begleitete er Kamerateams unter anderem zu Trainingseinheiten der New York Mets und New York Rangers. Neben dem Sportjournalismus begeisterte ihn besonders die unternehmerische Atmosphäre beim Aufbau einer neuen Fernsehsendung.
Nach dem Studium verschickte Jassy Bewerbungsaufnahmen an rund 200 kleinere Fernsehmärkte in den USA. Er erhielt lediglich zwei Angebote aus abgelegenen Regionen, entschied sich jedoch gegen einen Wechsel dorthin.
Stattdessen nahm er eine Stelle als Produktionsassistent bei ABC Sports an. Damit rückte sein ursprüngliches Ziel einer Karriere vor der Kamera zunehmend in den Hintergrund.
Amazon unaufhaltsam
Unterschiedliche Jobs prägten seine berufliche Entwicklung
In den folgenden Jahren probierte Jassy zahlreiche Tätigkeiten aus. Er arbeitete für ein Produktunternehmen, gründete mehrere kleinere Unternehmen und sammelte Erfahrungen in der Unternehmensberatung.
Hinzu kamen Stationen im Verkauf von Werbeartikeln, in einem Golfgeschäft sowie ein dreimonatiges Praktikum bei einer Investmentbank.
Rückblickend beschreibt der Amazon-Chef diese Phase als wichtige Zeit der Orientierung. Sein Vater habe ihn trotz der wechselnden Tätigkeiten nicht unter Druck gesetzt, sondern darauf vertraut, dass er seinen beruflichen Weg finden würde.
Erst während eines späteren Wirtschaftsstudiums wurde Jassy klarer, dass er eine unternehmerische Aufgabe suchte, für die er sich persönlich begeistern konnte.
Zufälliges Vorstellungsgespräch führte 1997 zu Amazon
Der entscheidende Kontakt zu Amazon entstand Anfang 1997. Nach einer Reise in die San Francisco Bay Area fand Jassy eine Nachricht der damaligen Amazon-Mitarbeiterin Jennifer Cast auf seinem Anrufbeantworter.
Sie hatte seinen Lebenslauf entdeckt und bot ihm kurzfristig einen frei gewordenen Gesprächstermin an. Jassy nahm die Gelegenheit wahr, obwohl er zu diesem Zeitpunkt nur wenig über das Unternehmen wusste.
Das Vorstellungsgespräch überzeugte ihn. Bei einem anschließenden Besuch in Seattle beeindruckten ihn insbesondere die Unternehmensziele, die Mitarbeiter und die Entwicklungsmöglichkeiten.
Ursprünglich wollten Jassy und seine Frau lediglich zwei bis drei Jahre in Seattle bleiben und anschließend nach New York zurückkehren. Aus dem geplanten Zwischenstopp wurde eine inzwischen 29-jährige Karriere bei Amazon.
Amazon-CEO betont Lernbereitschaft und Teamarbeit
Aus seinen Erfahrungen leitet Jassy mehrere Empfehlungen für Berufseinsteiger ab. Junge Menschen müssten nicht bereits mit Anfang 20 wissen, welchen Beruf sie dauerhaft ausüben möchten.
Mindestens ebenso wichtig wie das Entdecken eigener Interessen sei es, herauszufinden, welche Aufgaben und Arbeitsumgebungen nicht zu den persönlichen Vorstellungen passen.
Darüber hinaus empfiehlt er Bescheidenheit, Einsatzbereitschaft und die Fähigkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten. Wer langfristig Verantwortung übernehmen wolle, müsse zunächst bereit sein, grundlegende Erfahrungen zu sammeln.
Die Vorstellung, unmittelbar nach dem Studium eine Spitzenposition erreichen zu müssen, hält Jassy für wenig hilfreich.
Erfahrungen im Einzelhandel bleiben für Jassy relevant
Besonders hebt der Amazon-Chef seine frühere Tätigkeit in einem Golfgeschäft hervor. Dort arbeitete er über einen Zeitraum von etwa einem Jahr an drei Tagen pro Woche.
Der direkte Kontakt mit unterschiedlichen Kunden und Verkaufssituationen habe ihm Erkenntnisse vermittelt, auf die er nach eigenen Angaben bis heute zurückgreift.
Damit unterstreicht Jassy die Bedeutung praktischer Erfahrungen außerhalb klassischer Management- oder Technologiekarrieren. Gerade Tätigkeiten im Verkauf und Kundenservice können Fähigkeiten fördern, die später auch bei der Führung großer Unternehmen relevant werden.
Seine Karriere zeigt aus seiner Sicht, dass beruflicher Erfolg nicht zwangsläufig einen früh festgelegten Karriereplan voraussetzt. Entscheidend sei vielmehr, unterschiedliche Möglichkeiten zu nutzen und aus jeder beruflichen Station etwas für die weitere Entwicklung mitzunehmen.




