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Kaspersky entdeckt Sicherheitslücke bei Barcode-Scannern in der Logistik

Frau mit Barcdoe Scanner und Weinflasche
Foto: Pexels

Key takeaways

➟ Manipulierte Funksignale können unter bestimmten Bedingungen unbemerkte Systembefehle auslösen. Sicherheitsforscher zeigen, wie alltägliche Erfassungsgeräte zum Risiko für digitale Lieferketten werden.

Lesezeit ca. 4 Minuten

Eine Sicherheitsuntersuchung von Kaspersky zeigt, wie drahtlose Barcode-Scanner zum Einfallstor für Cyberangriffe auf Logistikunternehmen und Einzelhändler werden können. Die Experten identifizierten eine Schwachstelle bei der Kommunikation zwischen Handscannern und ihren Empfangsstationen. Aufgrund fehlender Authentifizierung lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen manipulierte Eingaben an angeschlossene Computer übertragen. Dadurch könnten Angreifer unberechtigte Systembefehle auslösen und möglicherweise weitere Teile der betrieblichen IT-Infrastruktur erreichen.

Die Entdeckung macht deutlich, dass auch einfache Peripheriegeräte erhebliche Sicherheitsrisiken verursachen können. In modernen Lagerumgebungen sind zahlreiche Geräte mit Warenwirtschaftssystemen, Arbeitsplatzrechnern und industriellen Anwendungen verbunden. Sicherheitslücken an einzelnen Schnittstellen können deshalb Auswirkungen auf größere Teile der digitalen Lieferkette haben.

Fehlende Authentifizierung ermöglicht manipulierte Eingaben

Die untersuchte Schwachstelle betrifft die drahtlose Datenübertragung zwischen Barcode-Scannern und ihren Basisstationen. Im normalen Betrieb erfassen Mitarbeitende Warenkennzeichnungen, deren Informationen über eine Funkverbindung an einen angeschlossenen Computer weitergegeben werden. Dieser verarbeitet die übertragenen Daten innerhalb der jeweiligen Geschäftsanwendung.

Fehlt eine zuverlässige Identitätsprüfung zwischen den Geräten, können Angreifer die Kommunikation unter bestimmten Bedingungen missbrauchen. Voraussetzung ist unter anderem, dass sie sich innerhalb der Bluetooth-Reichweite befinden und die betreffende Empfangsstation identifizieren können.

Anschließend lassen sich manipulierte Eingaben übertragen, die vom angeschlossenen Rechner wie reguläre Tastaturbefehle behandelt werden. Je nach Systemkonfiguration könnten dadurch unautorisierte Aktionen oder sogar die Ausführung schädlicher Programme möglich werden. Eine bewusste Mitwirkung der Beschäftigten ist für dieses Angriffsszenario nicht erforderlich.

Nach Angaben von Kaspersky wurde das zugrunde liegende Angriffsmuster bei Geräten mehrerer Hersteller festgestellt. Konkrete Modellbezeichnungen oder Angaben zur Verbreitung der Schwachstelle enthält die Mitteilung nicht.

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Angriffe könnten zentrale Lagerverwaltungssysteme erreichen

Ein kompromittierter Arbeitsplatzcomputer könnte als Ausgangspunkt für weitergehende Angriffe dienen. Welche Systeme anschließend erreichbar wären, hängt insbesondere von den vorhandenen Zugriffsrechten und der Netzwerkarchitektur des betroffenen Unternehmens ab.

Besonders kritisch wäre eine Ausbreitung auf zentrale Lagerverwaltungssysteme. Diese koordinieren unter anderem Warenbestände, Kommissionierung, Lagerbewegungen und Versandprozesse. Werden solche Anwendungen beeinträchtigt, können betriebliche Abläufe erheblich gestört werden.

Die Kaspersky-Forscher halten ähnliche Sicherheitsprobleme auch bei anderen vernetzten Geräten für möglich. Dazu gehören mobile Datenerfassungsterminals und Thermodrucker, die häufig unmittelbar mit betrieblichen Anwendungen kommunizieren.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen potenzieller Angriffe könnten entsprechend über einzelne Geräte hinausreichen. Verzögerungen bei Warenbewegungen, eingeschränkte Systemverfügbarkeit und unterbrochene Lieferprozesse können zusätzliche Kosten verursachen und Geschäftsbeziehungen belasten.

Digitalisierung erhöht die Angriffsfläche im Handel

Logistikzentren und Handelsunternehmen setzen zunehmend auf miteinander vernetzte Technologien, um Bestandsführung und Warenbewegungen zu automatisieren. Neben zentralen Softwareplattformen gehören dazu zahlreiche mobile Geräte und technische Schnittstellen, die im täglichen Betrieb kontinuierlich Daten austauschen.

Diese Infrastruktur bietet Effizienzvorteile, erweitert jedoch zugleich die Zahl möglicher Angriffspunkte. Werden einzelne Komponenten nicht ausreichend abgesichert, können selbst vermeintlich unkritische Geräte den Zugang zu sensibleren Systemen erleichtern.

Sergey Sidorov, Head of Industrial Security Services bei Kaspersky, sieht darin eine grundlegende Herausforderung für die Cybersicherheit digitalisierter Betriebsumgebungen. Unternehmen müssten den Schutz ihrer Infrastruktur auf sämtliche Geräte und Kommunikationswege ausdehnen, statt sich ausschließlich auf zentrale IT-Systeme zu konzentrieren.

Die Bedeutung stabiler Lieferketten unterstreicht Kaspersky mit Zahlen zum internationalen Onlinehandel. Dessen weltweiter Umsatz übersteigt nach Unternehmensangaben inzwischen sechs Billionen US-Dollar und hat sich gegenüber 2019 nahezu verdoppelt. Störungen digital gesteuerter Logistikprozesse können daher erhebliche finanzielle Auswirkungen haben.

Netzwerksegmentierung und Zugriffskontrollen reduzieren Risiken

Um vergleichbare Angriffsmöglichkeiten einzuschränken, empfiehlt Kaspersky eine umfassende Überprüfung vernetzter Geräte bereits vor ihrer Inbetriebnahme. Unternehmen sollten insbesondere kontrollieren, welche drahtlosen Schnittstellen aktiv sind und ob die Kommunikation ausreichend gegen unbefugte Zugriffe geschützt wird.

Nicht benötigte Bluetooth-Funktionen sollten abgeschaltet werden. Wo drahtlose Verbindungen erforderlich sind, können geeignete Authentifizierungsverfahren das Risiko manipulierter Datenübertragungen verringern.

Zusätzlich empfiehlt sich eine konsequente Trennung unterschiedlicher Netzwerkbereiche. Durch Segmentierung lässt sich begrenzen, welche Systeme von einem möglicherweise kompromittierten Arbeitsplatz aus erreichbar sind. Verbindungen zu geschäftskritischen Anwendungen sollten ausschließlich dort bestehen, wo sie betrieblich notwendig sind.

Auch eingeschränkte Benutzerrechte und regelmäßige Sicherheitsupdates gehören zu den empfohlenen Maßnahmen. Dabei sollten neben Computern und Servern ausdrücklich die Firmware von Peripheriegeräten sowie die eingesetzten Lagerverwaltungssysteme berücksichtigt werden.

Regelmäßige Sicherheitstests für IT- und OT-Systeme

Neben vorbeugenden technischen Maßnahmen rät Kaspersky zu wiederkehrenden Sicherheitsanalysen und realitätsnahen Angriffssimulationen. Damit sollen Schwachstellen erkannt werden, bevor sie von Cyberkriminellen ausgenutzt werden können. Die Prüfungen sollten auch mögliche Bedrohungen durch Personen mit regulären Zugangsberechtigungen einbeziehen.

Besondere Aufmerksamkeit benötigen Schnittstellen zwischen klassischer Informationstechnik und operativen Systemen. In solchen IT- und OT-Umgebungen können unzureichend kontrollierte Verbindungen dazu führen, dass sich Angriffe über einzelne Arbeitsplatzrechner hinaus ausbreiten.

Für entsprechende Untersuchungen verweist Kaspersky auf spezialisierte Sicherheitsbewertungen und Überwachungslösungen für industrielle Infrastrukturen. Diese sollen problematische Konfigurationen, ungeschützte Zugriffspfade und verdächtige Aktivitäten identifizieren, ohne laufende Betriebsprozesse unnötig zu beeinträchtigen.

Die Analyse verdeutlicht, dass eine wirksame Sicherheitsstrategie sämtliche Bestandteile vernetzter Lager- und Handelsumgebungen berücksichtigen muss. Auch Barcode-Scanner und andere alltägliche Arbeitsgeräte benötigen geeignete Schutzmechanismen, sobald sie mit zentralen Geschäftssystemen verbunden sind.

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