Die Zahl großer Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt weiter. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte Allianz Trade 33 Insolvenzen von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von jeweils mehr als 50 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg um zehn Prozent.
Damit setzt sich die Entwicklung nach dem Rekordjahr 2025 fort. Damals wurden in Deutschland insgesamt 94 Großinsolvenzen gezählt, nach 87 Fällen im Jahr zuvor. Seit Beginn der entsprechenden Auswertung im Jahr 2015 hatte Allianz Trade keinen höheren Jahreswert registriert.
Automobilbranche verzeichnet die meisten Großinsolvenzen
Besonders betroffen war im ersten Halbjahr 2026 die Automobilindustrie mit sieben großen Firmenpleiten. Dahinter folgte der Einzelhandel mit fünf Fällen. Im Maschinenbau und im Dienstleistungssektor wurden jeweils vier Großinsolvenzen verzeichnet.
Damit geraten neben konsumnahen Branchen zunehmend auch industrielle Bereiche unter finanziellen Druck. Großunternehmen können dabei aufgrund ihrer Position innerhalb umfangreicher Wertschöpfungs- und Lieferketten zusätzliche Risiken für Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner auslösen.
Der kumulierte Jahresumsatz der betroffenen deutschen Unternehmen erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Umsatz je insolventem Großunternehmen um knapp sieben Prozent auf etwa 137 Millionen Euro. Zuletzt waren damit im Durchschnitt etwas kleinere Unternehmen betroffen.
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Deutschland steht für rund 30 Prozent der Fälle in Westeuropa
Besonders deutlich wird die Entwicklung im internationalen Vergleich. Innerhalb der vergangenen vier Quartale registrierte Allianz Trade weltweit 504 Großinsolvenzen. Auf Westeuropa entfielen davon 325 Fälle.
Deutschland lag mit 97 Großinsolvenzen an der Spitze und stellte damit rund 30 Prozent der westeuropäischen Fälle. Dahinter folgten Frankreich mit 69, Italien mit 62 und Großbritannien mit 45 Großinsolvenzen. Deutschland bleibt damit der mit Abstand größte Einzelmarkt für große Unternehmensausfälle in der Region.
Allianz Trade erwartet für den weiteren Jahresverlauf keine nachhaltige Entspannung. Als besonders anfällig gelten Unternehmen mit hohen Investitions- und Energiekosten sowie Geschäftsmodelle, bei denen sich gestiegene Kosten nur begrenzt über höhere Preise an Kunden weitergeben lassen.
Weltweit steigen große Firmenpleiten um 13 Prozent
Auch außerhalb Deutschlands nimmt die Zahl größerer Unternehmensausfälle zu. Im ersten Halbjahr 2026 wurden weltweit 247 Großinsolvenzen registriert. Das waren 13 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Der Einzelhandel führte die internationale Branchenstatistik mit 59 Fällen an. Es folgten der Dienstleistungssektor mit 38 und die Bauwirtschaft mit 33 Großinsolvenzen. Nach Angaben von Allianz Trade lagen diese Bereiche damit auch deutlich über ihren langfristigen Durchschnittswerten.
Westeuropa bleibt besonders stark betroffen
Mehr als 60 Prozent der weltweit erfassten Großinsolvenzen entfielen im ersten Halbjahr auf Westeuropa. Die Region bleibt damit ein Schwerpunkt der aktuellen Entwicklung. Allianz Trade sieht darin ein Zeichen für die weiterhin fragile wirtschaftliche Situation verschiedener europäischer Industriebranchen.
Neben Einzelhandel, Dienstleistungen und Bauwirtschaft geraten insbesondere kapital- und energieintensive Industriezweige stärker unter Druck. Chemie, Automobilindustrie und Maschinenbau weisen im Vergleich mit historischen Durchschnittswerten ebenfalls überdurchschnittlich viele große Firmenpleiten auf.
Lieferketten erhöhen wirtschaftliche Folgerisiken
Die Auswirkungen einer Großinsolvenz können über das unmittelbar betroffene Unternehmen hinausreichen. Gerade größere Marktteilnehmer sind häufig eng mit zahlreichen Zulieferern, Dienstleistern und Finanzierungspartnern verbunden. Zahlungsausfälle oder wegfallende Aufträge können deshalb weitere Unternehmen innerhalb der Lieferkette belasten.
Trotz des gesunkenen durchschnittlichen Umsatzes der insolventen deutschen Großunternehmen bleibt das wirtschaftliche Risiko aufgrund der hohen Fallzahlen entsprechend erhöht. Nach Einschätzung von Allianz Trade dürfte sich daran im weiteren Verlauf des Jahres 2026 zunächst wenig ändern.



