Deutschlands mittelständische Unternehmen verfügen trotz anhaltender wirtschaftlicher Belastungen über eine solide finanzielle Basis. Allerdings bleibt die Investitionsbereitschaft verhalten. Das zeigt das KfW-Mittelstandspanel 2026, für das mehr als 10.700 Unternehmen befragt wurden. Während sich die Ertragslage im vergangenen Jahr verbesserte, entwickelten sich die Umsätze preisbereinigt rückläufig. Hohe Kosten, wirtschaftliche Unsicherheit und bürokratische Anforderungen bremsen weiterhin die Investitionstätigkeit.
Die Ergebnisse verdeutlichen eine Diskrepanz zwischen finanzieller Leistungsfähigkeit und tatsächlichen Zukunftsausgaben. Obwohl zahlreiche Betriebe über ausreichendes Eigenkapital verfügen, werden geplante Vorhaben verschoben. Damit bleibt ein wesentlicher Impuls für die wirtschaftliche Erholung bislang aus.
Umsätze sinken real, Gewinnmargen steigen
Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland erwirtschafteten 2025 zusammen rund 5,3 Billionen Euro Umsatz. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem nominalen Zuwachs von 1,5 Prozent. Unter Berücksichtigung der Preisentwicklung ergibt sich jedoch ein realer Rückgang um ebenfalls 1,5 Prozent.
Gleichzeitig verbesserte sich die Profitabilität. Die durchschnittliche Gewinnmarge erhöhte sich um 0,5 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent und erreichte damit wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie. Je Euro Umsatz verblieben den Unternehmen somit durchschnittlich 7,5 Cent Gewinn.
Auch die Kapitalausstattung entwickelte sich insgesamt günstig. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote blieb mit 30,7 Prozent auf dem hohen Vorjahresniveau. Besonders deutlich zeigt sich die Stabilisierung bei schwächer finanzierten Betrieben: Der Anteil der Unternehmen mit weniger als zehn Prozent Eigenkapital verringerte sich von über 28 auf knapp 24 Prozent.
Demgegenüber verfügten inzwischen mehr als 51 Prozent der Mittelständler über eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent. Das entspricht einem Anstieg um 1,5 Prozentpunkte. Die verbesserte Kapitalstruktur erhöht die Widerstandsfähigkeit gegenüber wirtschaftlichen Belastungen und schafft grundsätzlich Spielraum für zusätzliche Investitionen.
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Nur vier von zehn Unternehmen investieren
Trotz der vergleichsweise günstigen Finanzlage beteiligten sich 2025 lediglich 40 Prozent der rund 3,9 Millionen mittelständischen Unternehmen am Investitionsgeschehen. Auch die Investitionsintensität blieb hinter früheren Werten zurück.
Bei der Hälfte der investierenden Betriebe machten die Investitionsausgaben höchstens 5,4 Prozent des Jahresumsatzes aus. Der langfristige Vergleichswert liegt bei 6,5 Prozent. Damit zeigt sich, dass nicht nur weniger Unternehmen investieren, sondern auch die eingesetzten Mittel gemessen am Umsatz begrenzt bleiben.
Die gesamten Neuinvestitionen erreichten nominal 218 Milliarden Euro und lagen damit drei Milliarden Euro unter dem Vorjahreswert. Preisbereinigt belief sich das Volumen auf 213 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 3,7 Prozent entspricht.
Eine zusätzliche Befragung im September 2026 bestätigt die Zurückhaltung. Zahlreiche Unternehmen berichteten, ursprünglich für das laufende Jahr vorgesehene Investitionsprojekte auf einen späteren Zeitpunkt verlegt zu haben. Besonders betroffen sind damit Vorhaben, die für Modernisierung, Digitalisierung und langfristige Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sein können.
Hohe Kosten und Bürokratie behindern Investitionen
Als wesentliche Gründe für die schwache Investitionsentwicklung nennen die Unternehmen gestiegene Ausgaben für Energie, Materialien und Personal. Hinzu kommen Unsicherheiten über den weiteren Konjunkturverlauf sowie die eigene Umsatzentwicklung.
Auch gesetzliche Anforderungen und administrative Belastungen werden als bedeutende Hindernisse wahrgenommen. Die Kombination aus hohen laufenden Kosten und schwer kalkulierbaren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erschwert längerfristige Entscheidungen.
Nach Einschätzung von KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher besitzen zahlreiche mittelständische Betriebe grundsätzlich die finanziellen Voraussetzungen, um in neue Technologien, Anlagen, Innovationen und klimafreundliche Produktionsprozesse zu investieren. Dass diese Möglichkeiten vielfach ungenutzt bleiben, bewertet die Förderbank als problematisch für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Die Kapitalausstattung allein reicht demnach nicht aus, um eine stärkere Investitionsdynamik auszulösen. Entscheidend ist auch, ob Unternehmen ihre künftige Geschäftsentwicklung als ausreichend verlässlich einschätzen und zusätzliche Ausgaben wirtschaftlich rechtfertigen können.
Nachfrage nach Bankkrediten bleibt gering
Die Zurückhaltung zeigt sich ebenfalls bei der Finanzierung über Banken und Sparkassen. Im Jahr 2025 führten lediglich zehn Prozent aller mittelständischen Unternehmen Gespräche über eine Kreditaufnahme. Unter den Betrieben mit Investitionsvorhaben lag dieser Anteil bei 25 Prozent.
Als häufigsten Grund für den Verzicht auf Kreditverhandlungen nennt die Untersuchung eine grundsätzliche Abneigung gegenüber zusätzlicher Verschuldung. Damit bleibt die Fremdfinanzierung trotz der vielfach guten Eigenkapitalausstattung von untergeordneter Bedeutung.
Unternehmen, die Kreditverhandlungen aufnahmen, konnten diese überwiegend erfolgreich abschließen. Allerdings stieg bei Kleinstunternehmen die Zahl der Fälle deutlich, in denen angebotene Kredite letztlich nicht angenommen wurden.
Die KfW vermutet dahinter verschärfte Anforderungen der Kreditinstitute angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage. Dadurch könnten die angebotenen Finanzierungskonditionen für kleinere Betriebe an Attraktivität verloren haben. Die schwache Kreditnachfrage lässt sich somit nicht ausschließlich mit fehlendem Finanzierungsbedarf erklären.
Mittelstand verfügt über Potenzial für wirtschaftliche Erholung
Die Ergebnisse des KfW-Mittelstandspanels zeigen, dass viele Unternehmen finanziell besser aufgestellt sind, als die schwache Investitionsentwicklung zunächst vermuten lässt. Eine vergleichsweise hohe Eigenkapitalquote und verbesserte Gewinnmargen schaffen Voraussetzungen, um künftige Wachstumsprojekte zu finanzieren.
Ob daraus tatsächlich zusätzliche Investitionen entstehen, hängt jedoch wesentlich von der weiteren Kostenentwicklung, der wirtschaftlichen Planungssicherheit und den regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Solange Unternehmen größere Vorhaben zurückstellen, dürfte das vorhandene Finanzierungspotenzial nur eingeschränkt zur wirtschaftlichen Erholung beitragen.
Das KfW-Mittelstandspanel erfasst seit 2003 die wirtschaftliche Situation privater Unternehmen mit einem Jahresumsatz von höchstens 500 Millionen Euro. An der Hauptbefragung zwischen Februar und Juli 2026 beteiligten sich 10.773 Betriebe. Ergänzend wurden im September weitere 2.051 Unternehmen zur aktuellen Geschäftslage befragt.


