Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland verharrt auf einem hohen Niveau. Im zweiten Quartal 2026 beantragten laut einer Analyse von Falkensteg 105 Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz Insolvenz. Damit blieb die Zahl gegenüber dem ersten Quartal mit 104 Fällen nahezu konstant, lag aber knapp zwölf Prozent über dem Vorjahreswert von 94 Verfahren. Das geht aus dem aktuellen 5-nach-12-Insolvenzreport von FalkenSteg hervor.
Im gesamten ersten Halbjahr wurden 209 Anträge registriert und damit knapp vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Von einer Normalisierung kann dennoch kaum gesprochen werden: Die Zahl der Verfahren im zweiten Quartal liegt rund 40 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt von 75 Fällen.
Mehr große Unternehmen geraten in die Krise
Besonders auffällig ist die Verschiebung hin zu größeren Unternehmen. Auf Firmen mit zehn bis 19 Millionen Euro Umsatz entfielen zwar weiterhin 50 und damit knapp die Hälfte der Insolvenzen. Bei Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz stieg die Zahl gegenüber dem Vorjahr jedoch von sieben auf zwölf Fälle. Weitere zwölf Insolvenzen betrafen Unternehmen mit 50 bis 99 Millionen Euro Umsatz.
Die Regelinsolvenz gewinnt dabei deutlich an Bedeutung. Auf sie entfielen 81 der 105 Verfahren und damit gut 77 Prozent. Die Eigenverwaltung ging dagegen von 30 auf 21 Fälle zurück, hinzu kamen lediglich drei Schutzschirmverfahren. Der Anteil der durch das ESUG gestärkten Sanierungsinstrumente sank damit laut FalkenSteg auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren.
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Industrie und Einzelhandel besonders betroffen
Die meisten Großinsolvenzen verzeichneten Metallwarenhersteller mit 14 Fällen, gefolgt von Automobilzulieferern mit zwölf und Maschinenbauunternehmen mit elf Verfahren. Auch der Einzelhandel kam auf elf Insolvenzen, nach zehn im vorherigen Vergleichszeitraum.
Zuwächse gab es zudem in der Logistik mit zehn Fällen, der Elektrotechnik mit neun sowie beim Bau von Immobilien mit acht Verfahren. FalkenSteg sieht weiterhin eine Diskrepanz zwischen verbesserten Stimmungsindikatoren und der schwachen realwirtschaftlichen Entwicklung. Eine belastbare konjunkturelle Wende sei bislang nicht erkennbar.
Zwei Drittel der abgeschlossenen Verfahren enden positiv
Deutlich besser entwickelt sich dagegen die Sanierungsquote. Von 70 abgeschlossenen Verfahren führten 45 zu einer Fortführung des Unternehmens. Die Positivquote erhöhte sich damit auf 64 Prozent, nachdem sie im Vorquartal bei 55 Prozent und ein Jahr zuvor bei 48 Prozent gelegen hatte.
Wichtigstes Instrument ist der Verkauf von Vermögenswerten an einen neuen Eigentümer. 37 Verfahren und damit 53 Prozent aller Abschlüsse endeten mit einem Asset Deal. Insolvenzpläne kamen wie bereits in den beiden vorherigen Quartalen auf acht Fälle.
Gleichzeitig sank die Zahl der Masseunzulänglichkeiten von 17 auf zehn. Hinzu kamen 15 Betriebseinstellungen. Insgesamt verringerte sich der Anteil negativer Verfahrensausgänge von 45 auf knapp 36 Prozent.
Sanierungsverfahren dauern deutlich länger
Problematisch bleibt die zunehmende Dauer bis zu einer Lösung. Im Durchschnitt vergehen inzwischen 8,2 Monate. Im Jahr 2020 waren es laut FalkenSteg lediglich 5,4 Monate. Je länger ein Verfahren dauert, desto größer ist das Risiko, Kunden, Lieferanten und Beschäftigte zu verlieren und damit den Wert des Unternehmens für potenzielle Käufer zu reduzieren.
Der Insolvenzreport sieht die aktuelle Welle dennoch in der Nähe ihres Höhepunkts. Der Ökonom Harro Heilmann von der Hochschule Aalen verweist darauf, dass Insolvenzen wirtschaftlichen Krisen häufig mit mehrjähriger Verzögerung folgen. Die Folgen von Pandemie, Ukrainekrieg und Energiekrise würden deshalb erst jetzt vollständig sichtbar. Ob die Großinsolvenzen tatsächlich ihren Höhepunkt erreicht haben, dürfte wesentlich davon abhängen, ob der bislang vor allem in Stimmungsindikatoren erkennbare Konjunkturoptimismus auch die Realwirtschaft erreicht.






