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HDE fordert flexiblere Arbeitszeiten und warnt vor neuer Bürokratie

Alte Stechuhr als Symbolbild fuer Arbeitszeit
Symbolbild - Foto: Vitor Diniz / Pexels

Key takeaways

Der Handelsverband Deutschland fordert eine grundlegende Reform des Arbeitszeitgesetzes. Der Einzelhandel drängt auf mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten und Ruhephasen, warnt zugleich aber vor zusätzlichen digitalen Dokumentations- und Bürokratiepflichten für Unternehmen.

Lesezeit ca. 2 Minuten

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat seine Forderung nach einer Reform des Arbeitszeitgesetzes bekräftigt. Angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten und struktureller Veränderungen im Einzelhandel brauche die Branche mehr Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung. Gleichzeitig warnt der Verband davor, eine Reform mit zusätzlichen Dokumentations- und Bürokratiepflichten zu verbinden.

HDE fordert Abkehr von täglicher Höchstarbeitszeit

Im Mittelpunkt der Forderungen steht ein Wechsel von der bisherigen täglichen Höchstarbeitszeit hin zu einer wöchentlichen Betrachtung der Arbeitszeit. Nach Auffassung des HDE orientiert sich das deutsche Arbeitszeitgesetz noch zu stark an traditionellen Arbeitsmodellen und schöpft die europäischen Spielräume nicht vollständig aus.

Der Verband verweist darauf, dass die EU-Arbeitszeitrichtlinie auf maximale Wochenarbeitszeiten abstellt, während in Deutschland grundsätzlich eine tägliche Grenze von acht Stunden gilt. HDE-Experte Steven Haarke bezeichnet diese Regelung als nicht mehr zeitgemäß.

Gerade im Einzelhandel könnten flexiblere Arbeitszeiten helfen, saisonale Spitzen, Aktionszeiträume und kurzfristige Personalbedarfe besser abzudecken. Zudem sieht der Verband Vorteile für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, etwa durch längere Arbeitstage mit zusätzlichen freien Tagen.

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Warnung vor zusätzlicher Arbeitszeiterfassung

Scharfe Kritik äußert der HDE an möglichen zusätzlichen Vorgaben zur elektronischen Arbeitszeiterfassung. Eine verpflichtende digitale Dokumentation aller Arbeitszeiten würde insbesondere mittelständische Handelsunternehmen stark belasten.

Der Verband fordert deshalb, die Vertrauensarbeitszeit ausdrücklich zu erhalten. Diese sei bereits im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vorgesehen. Neue bürokratische Anforderungen seien in der aktuellen wirtschaftlichen Lage kontraproduktiv.

Hintergrund der Debatte ist die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs sowie des Bundesarbeitsgerichts, nach der Unternehmen grundsätzlich zur systematischen Arbeitszeiterfassung verpflichtet sind. Die konkrete gesetzliche Umsetzung in Deutschland ist bislang jedoch offen.

Auch Ruhezeiten stehen zur Diskussion

Zusätzlichen Anpassungsbedarf sieht der HDE bei den gesetzlichen Ruhezeiten. Die derzeit vorgeschriebene elfstündige Ruhephase zwischen zwei Arbeitseinsätzen sei in bestimmten Situationen zu unflexibel.

Moderne Arbeitsmodelle wie mobiles Arbeiten oder geteilte Schichten würden differenziertere Regelungen erfordern. Gleichzeitig betont der Verband, dass gesundheitliche Aspekte weiterhin berücksichtigt werden müssten.

Konflikt zwischen Flexibilität und Arbeitsschutz

Die Diskussion um das Arbeitszeitgesetz bleibt politisch umstritten. Arbeitgeberverbände drängen auf größere Flexibilität, während Gewerkschaften vor einer Aufweichung bestehender Schutzstandards warnen.

Für den Einzelhandel steht nach Ansicht des HDE viel auf dem Spiel. Die Branche kämpft mit Konsumzurückhaltung, steigenden Kosten und wachsendem Wettbewerbsdruck durch internationale Plattformanbieter. Flexiblere Arbeitszeitmodelle könnten aus Sicht des Verbands dazu beitragen, die betriebliche Handlungsfähigkeit zu stärken.

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