Der Einzelhandel zählt weiterhin zu den wichtigsten Ausbildungsbranchen in Deutschland. Doch eine aktuelle Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) zeigt: Die Sicherung des Fachkräftenachwuchses wird zunehmend durch strukturelle Probleme erschwert – nicht durch mangelnde Bereitschaft der Unternehmen.
Hohe Ausbildungsbereitschaft trifft auf Besetzungsprobleme
Ausbildung hat in der Branche nach wie vor einen hohen Stellenwert. Mehr als 90 Prozent der befragten Unternehmen sehen sie als unverzichtbar für die eigene Nachwuchssicherung und als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Gleichzeitig gelingt es vielen Betrieben nicht mehr, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Nur rund ein Viertel konnte im Ausbildungsjahr 2025 alle Stellen vergeben, während mehr als ein Drittel trotz vorhandener Angebote leer ausging.
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Passungsprobleme am Übergang von Schule in den Beruf
Ein zentrales Hindernis liegt in der Qualität und Passgenauigkeit der Bewerbungen. Viele Unternehmen äußern sich unzufrieden oder nur eingeschränkt zufrieden mit den eingehenden Bewerbungen. Häufig fehlen grundlegende Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Ausbildung erforderlich sind. Auch realistische Vorstellungen vom Berufsbild sind aus Sicht der Betriebe oft unzureichend ausgeprägt.
Unzureichende schulische Qualifikationen und falsche Erwartungen an den Beruf zählen damit zu den wichtigsten Gründen für unbesetzte Ausbildungsplätze – deutlich vor wirtschaftlichen Faktoren oder Kostenaspekten.
Einzelhandel übernimmt Integrationsfunktion
Gleichzeitig zeigt die Branche Engagement bei der Integration: Rund 18,5 Prozent der befragten Unternehmen sprechen gezielt junge Menschen mit Migrationshintergrund an, um sie für eine Ausbildung zu gewinnen. Damit übernimmt der Einzelhandel auch eine wichtige gesellschaftliche Rolle über die reine Fachkräftegewinnung hinaus.
Übernahme hängt von stabilen Ausbildungsprozessen ab
Die Umfrage macht zudem deutlich, dass die Übernahme von Auszubildenden eng mit der Qualität und Stabilität der Ausbildung zusammenhängt. Dort, wo Ausbildung reibungslos verläuft und die Passung stimmt, sind die Chancen auf eine anschließende Beschäftigung hoch. Probleme entstehen hingegen vor allem bei Ausbildungsabbrüchen, mangelnder Eignung oder wirtschaftlicher Unsicherheit.
Strukturelle Herausforderungen statt fehlender Motivation
Insgesamt widersprechen die Ergebnisse dem verbreiteten Eindruck, Unternehmen würden sich nur eingeschränkt in der Ausbildung engagieren. Vielmehr zeigt sich ein strukturelles Problem: Die Betriebe sind bereit auszubilden, finden jedoch zunehmend weniger geeignete Bewerberinnen und Bewerber.
Damit wird deutlich, dass die Sicherung des Fachkräftenachwuchses im Einzelhandel nicht allein eine Frage betrieblicher Initiative ist. Gefragt sind vielmehr bessere Rahmenbedingungen am Übergang von Schule in den Beruf sowie eine stärkere Unterstützung bei der Berufsorientierung junger Menschen.



