Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten könnte die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland spürbar dämpfen. Das ifo Institut hat seine Wachstumsprognose daher nach unten korrigiert. Hintergrund sind vor allem steigende Energiepreise, die kurzfristig Inflation und Konjunktur belasten könnten.
Energiepreise als zentraler Risikofaktor
Nach Einschätzung des ifo Instituts würde ein kurzfristiger Anstieg der Energiepreise das Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr um etwa 0,2 Prozentpunkte reduzieren. Das Institut erwartet daher ein Wachstum von 0,8 Prozent im laufenden Jahr und von 1,2 Prozent im kommenden Jahr.
Sollten die Preise für Öl und Gas allerdings länger auf einem erhöhten Niveau bleiben, könnte sich die Inflation stärker beschleunigen. In diesem Fall wäre ein Anstieg der Teuerungsrate auf knapp drei Prozent möglich. Gleichzeitig würde sich das Wirtschaftswachstum weiter abschwächen: Für dieses Jahr könnte es dann auf rund 0,6 Prozent sinken, für das kommende Jahr auf etwa 0,8 Prozent.
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Erholung der Wirtschaft hat bereits begonnen
Trotz der Risiken sehen die Konjunkturforscher erste Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung. Ende 2025 habe sich die deutsche Wirtschaft bereits auf einen moderaten Wachstumspfad begeben. Hinweise darauf seien unter anderem ein deutlicher Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts sowie eine höhere Kapazitätsauslastung in der Wirtschaft.
Auch die Auftragslage im Baugewerbe und in Teilen der Industrie habe sich zuletzt spürbar verbessert.
Staatliche Ausgaben treiben Konjunktur
Auffällig ist laut ifo Institut, dass die aktuelle wirtschaftliche Erholung nicht wie üblich vom Export getragen wird. Trotz wachsender Wirtschaftsleistung auf wichtigen Absatzmärkten gingen die deutschen Warenausfuhren zuletzt weiter zurück.
Stattdessen wird die Konjunktur vor allem durch inländische Impulse gestützt. Besonders staatliche Investitionen und höhere öffentliche Ausgaben spielen dabei eine wichtige Rolle. Dazu zählen unter anderem Investitionen in Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung.
Arbeitsmarkt reagiert zeitverzögert
Am Arbeitsmarkt dürfte sich die wirtschaftliche Erholung erst mit Verzögerung bemerkbar machen. Die Zahl der Erwerbstätigen könnte im laufenden Jahr zunächst noch leicht sinken, bevor sie im Zuge der konjunkturellen Belebung wieder steigt.
Auch die Arbeitslosenquote wird voraussichtlich erst mittelfristig zurückgehen. Entscheidend dafür ist laut ifo Institut, wie lange die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten anhalten und welche wirtschaftlichen Folgen daraus entstehen.


