Die öffentlichen Haushalte in Deutschland müssen in den kommenden Jahren mit deutlich geringeren Steuereinnahmen rechnen als bislang erwartet. Nach den Ergebnissen der 170. Steuerschätzung werden Bund, Länder und Kommunen durch die schwächeren Wachstumsaussichten infolge des Iran-Kriegs erheblich belastet.
Für das laufende Jahr rechnen die Schätzer mit Steuereinnahmen von insgesamt 998,7 Milliarden Euro. Im kommenden Jahr sollen die Einnahmen auf 1.033,3 Milliarden Euro steigen. Gegenüber der bisherigen Prognose vom Oktober 2025 fällt die Entwicklung jedoch deutlich schwächer aus.
Klingbeil macht Energiekrise verantwortlich
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sieht vor allem die Folgen des Iran-Kriegs als Ursache für die verschlechterte Lage. Steigende Energiepreise, Lieferprobleme und die Sperrung der Straße von Hormus hätten die wirtschaftliche Dynamik spürbar gebremst.
Der Minister sprach von einer weiterhin unsicheren Lage, die permanentes Krisenmanagement erfordere. Die Bundesregierung bereite sich darauf vor, bei einer weiteren Eskalation kurzfristig zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen.
Gleichzeitig betonte Klingbeil, Deutschland müsse unabhängiger und widerstandsfähiger werden. Investitionen und wirtschaftliche Reformen blieben deshalb zentrale Elemente der Finanzpolitik.
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Wirtschaftswachstum deutlich schwächer
Grundlage der aktuellen Steuerschätzung ist die Frühjahrsprojektion der Bundesregierung. Diese geht für 2026 nur noch von einem realen Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent aus. Für 2027 wird ein Plus von 0,9 Prozent erwartet.
Besonders belastend wirken sich die steigenden Energie- und Rohstoffpreise auf Unternehmen aus. Vor allem die Gewinnentwicklung der Unternehmen fällt schwächer aus als bislang angenommen. Dadurch geraten insbesondere gewinnabhängige Steuern unter Druck.
Auch auf dem Arbeitsmarkt zeigt sich die wirtschaftliche Abschwächung. Die Entwicklung der Löhne und Gehälter bleibt hinter den bisherigen Erwartungen zurück, was sich wiederum auf die Einnahmen aus der Lohnsteuer auswirkt.
Bundeshaushalt bleibt unter Druck
Für den Bund bringt die neue Steuerschätzung keine Entlastung bei der Aufstellung des Haushalts 2027. Das Bundesfinanzministerium verweist jedoch darauf, dass für erwartete Steuermindereinnahmen bereits Vorsorge getroffen worden seit
Länder und Kommunen sind ebenfalls betroffen, wobei die Abwärtskorrekturen dort etwas geringer ausfallen als beim Bund. Insgesamt rechnet der Staat in allen Jahren des Schätzzeitraums bis 2030 mit niedrigeren Einnahmen als noch im Herbst prognostiziert.
Trotz der schwächeren Entwicklung zeigt sich bei einzelnen Steuerarten ein gemischtes Bild. Während einige Gemeinschaftssteuern hinter den Erwartungen zurückbleiben, entwickelten sich andere Einnahmequellen zuletzt stabiler.
Unsicherheit bleibt hoch
Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die weitere Entwicklung stark von der geopolitischen Lage im Nahen Osten abhängt. Besonders die Energiepreise gelten als entscheidender Risikofaktor für Konjunktur, Inflation und Staatsfinanzen.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen nach Einschätzung des Finanzministeriums, wie stark internationale Krisen inzwischen direkte Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung und die öffentlichen Haushalte in Deutschland haben.


