Die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung am Immobilienmarkt schwindet zunehmend – das zeigen aktuelle Umfrageergebnisse von EY-Parthenon unter 58 immobilienfinanzierenden Kreditinstituten und 22 spezialisierten Kanzleien in Deutschland. Der Anteil der Institute, die bis 2030 mit einer positiven Marktentwicklung rechnen, ist von 80 Prozent Mitte 2025 auf nur noch 65 Prozent gefallen. Zugleich prognostizieren mittlerweile zehn Prozent eine dauerhaft negative Entwicklung.
Wirtschaftliche Gesamtlage belastet Marktstimmung
Als größtes Risiko für die Stabilität der Immobilienmärkte sehen die Befragten die angespannte gesamtwirtschaftliche Lage – 74 Prozent nennen sie als größte Herausforderung. Auch das Refinanzierungsrisiko hat weiter an Bedeutung gewonnen und wird von 71 Prozent der Institute als kritisch eingeschätzt – ein signifikanter Anstieg gegenüber dem zweiten Quartal (52 Prozent).
Kurzfristig überwiegt der Pessimismus nicht ganz so deutlich: Für das Jahr 2026 gehen 45 Prozent der befragten Banken von einer Seitwärtsbewegung aus, also stabilen Preisen ohne starke Ausschläge. Besonders unter Druck geraten jedoch erneut Projektentwicklungen: 61 Prozent rechnen mit einem steigenden Insolvenzrisiko in diesem Bereich – dreimal so viele wie noch im Vorquartal.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Einzelhandel und Büros mit negativer Perspektive
Besonders düster fällt der Ausblick für Einzelhandelsimmobilien aus. Keines der Institute erwartet noch steigende Preise – stattdessen prognostizieren 48 Prozent fallende und 52 Prozent konstante Entwicklungen. Auch im Bürosegment bleiben die Erwartungen kritisch: 52 Prozent rechnen mit Preisrückgängen, nur drei Prozent mit einer Erholung.
Besser stellt sich die Lage bei Wohn-, Hotel- und Logistikimmobilien dar. Für Wohnimmobilien sehen die Kreditgeber immerhin eine moderate Erholung. Bei Hotels bleibt das Refinanzierungsrisiko hingegen hoch – 64 Prozent erwarten hier im kommenden Jahr eine kritische Entwicklung.
Kreditvergabe verschärft – neue Strategien gefragt
Mehr als die Hälfte der Institute hat ihre Kreditvergabe in den vergangenen sechs Monaten verschärft. Besonders restriktiv zeigt sich der Markt bei Büroimmobilien, wo 89 Prozent strengere Kriterien anwenden – vor allem bei Beleihungswerten und geforderten Sicherheiten.
Parallel dazu verändern sich die Strategien im Umgang mit notleidenden Engagements: Zwar bleibt „Amend & Extend“ mit 74 Prozent die meistgenutzte Methode, doch alternative Ansätze wie der freihändige Verkauf mit Schuldenschnitt (42 Prozent) oder reguläre Insolvenzverfahren (52 Prozent) gewinnen an Bedeutung. Hinzu kommt ein gestiegener Anteil an beobachteten NPL-Transaktionen (32 Prozent).
EY-Partner Jean-Pierre Rudel sieht in neuen Modellen wie Plattformlösungen oder sogenannten „Rettungserwerben“ langfristige Potenziale zur Wertschöpfung. Die zunehmende Ernüchterung über das Ausbleiben einer schnellen Erholung verleiht diesen strukturierten und nachhaltigen Lösungsansätzen Auftrieb.


