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Mehrheit der Europäer fühlt sich über innovative Lebensmittel schlecht informiert

Salat in einer Indoor Farm Anlage
Foto: Pexels

Key takeaways

➟ Eine Umfrage zeigt große Informationslücken bei innovativen Lebensmitteln. 72 Prozent der Europäer fühlen sich unzureichend informiert, während 85 Prozent klare Angaben zu Herstellung, Inhaltsstoffen und Herkunft erwarten.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Innovative Lebensmittel und neue Technologien in der Landwirtschaft stoßen in der Europäischen Union auf Interesse, aber auch auf erhebliche Vorbehalte. Laut einer neuen Eurobarometer-Sonderumfrage sehen 68 Prozent der Befragten darin Möglichkeiten, Herausforderungen wie Klimawandel, Schädlingsbefall und Ressourcenknappheit besser zu bewältigen. Gleichzeitig fühlen sich 72 Prozent nicht ausreichend über entsprechende Produkte und Herstellungsverfahren informiert.

Die Europäische Kommission veröffentlichte die Ergebnisse am 26. Oktober 2026 in Brüssel. Die Untersuchung zeigt, dass die Akzeptanz neuer Lebensmitteltechnologien eng mit dem Informationsstand, dem Alter und dem Bildungsniveau der Verbraucher zusammenhängt.

Mehrheit erkennt Nutzen für Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion

Mehr als zwei Drittel der Befragten betrachten Lebensmittelinnovationen als mögliche Unterstützung für Landwirte und Hersteller. Neue Anbauverfahren und angepasste Kulturpflanzen könnten nach ihrer Einschätzung dazu beitragen, die Produktion widerstandsfähiger gegenüber extremen Wetterbedingungen und Versorgungsproblemen zu machen.

Besonders aufgeschlossen reagieren Verbraucher auf Obst und Gemüse aus Pflanzen, die besser mit Trockenheit, Schädlingen oder Wetterextremen zurechtkommen. Die Hälfte der Befragten gibt an, sich beim Verzehr solcher Produkte wohlzufühlen.

Die Ergebnisse verdeutlichen damit eine unterschiedliche Bewertung einzelner Innovationsbereiche. Während konkrete Vorteile für die landwirtschaftliche Produktion Zustimmung finden, bleibt die allgemeine Haltung gegenüber neuartigen Lebensmitteln zurückhaltender.

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51 Prozent bewerten innovative Lebensmittel negativ

Trotz des erkannten Potenzials überwiegt bei der allgemeinen Beurteilung die Skepsis. Insgesamt äußern 51 Prozent der Befragten eine negative Einstellung gegenüber innovativen Lebensmitteln, während 39 Prozent sie positiv bewerten.

Ein wesentlicher Faktor ist der geringe Informationsstand. Fast drei Viertel der Europäer erklären, nicht ausreichend über neue Lebensmittel, Zutaten und landwirtschaftliche Technologien Bescheid zu wissen.

Dabei besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Wissen und Akzeptanz. Unter den Personen, die sich gut informiert fühlen, bewerten 72 Prozent innovative Lebensmittel positiv. Bei den weniger gut Informierten liegt dieser Anteil lediglich bei 27 Prozent.

Jüngere und besser informierte Verbraucher sind offener

Auch zwischen den Altersgruppen zeigen sich deutliche Unterschiede. Mehr als die Hälfte der Befragten unter 39 Jahren fühlt sich mit innovativen Lebensmitteln wohl, während es bei den Menschen ab 55 Jahren nur 34 Prozent sind.

Das Bildungsniveau beeinflusst die Einstellung ebenfalls. Personen mit längerer schulischer oder akademischer Ausbildung stehen neuen Lebensmitteltechnologien tendenziell offener gegenüber als Befragte, die ihre Ausbildung früh beendet haben.

Unterschiede bestehen zudem zwischen städtischen und ländlichen Regionen. In Großstädten zeigen sich mehr als 50 Prozent aufgeschlossen gegenüber Lebensmitteln aus modernen Herstellungsverfahren. In Dörfern und ländlichen Gebieten liegt der entsprechende Anteil zwischen 42 und 46 Prozent.

Bekanntheit beeinflusst die Akzeptanz deutlich

Besonders ausgeprägt ist der Zusammenhang zwischen vorheriger Beschäftigung mit dem Thema und der Bereitschaft, innovative Lebensmittel zu akzeptieren. Unter den Befragten, die sich gut informiert fühlen, liegt diese Bereitschaft bei 72 Prozent, unter den übrigen lediglich bei 36 Prozent.

Auch die grundsätzliche Bekanntheit spielt eine Rolle. Von den Personen, die bereits von innovativen Lebensmitteln gehört haben, fühlen sich 59 Prozent mit solchen Produkten wohl. Ohne entsprechende Vorkenntnisse beträgt der Anteil nur 32 Prozent.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass verständliche Informationen eine wichtige Voraussetzung für die Markteinführung neuer Lebensmittel sein können. Aus den Umfragedaten allein lässt sich allerdings nicht ableiten, dass zusätzliche Informationen automatisch zu einer höheren Akzeptanz führen.

85 Prozent verlangen transparente Produktinformationen

Besonders eindeutig fällt die Haltung zur Kennzeichnung aus. Insgesamt 85 Prozent der Befragten erwarten verständliche Produktbezeichnungen und nachvollziehbare Angaben zu Herstellung, Inhaltsstoffen und Herkunft.

Für Lebensmittelhersteller entstehen daraus klare Anforderungen an die Kommunikation neuer Produkte. Verbraucher wollen nicht nur mögliche Vorteile erkennen, sondern auch verstehen, welche Technologien eingesetzt werden und welche Eigenschaften die Lebensmittel besitzen.

Neben transparenten Informationen bleibt die Produktsicherheit ein entscheidender Faktor. Die Europäische Kommission betont deshalb, dass Innovationen mit den geltenden hohen Sicherheitsstandards der EU vereinbar sein müssen.

Ergebnisse fließen in europäische Forschungsstrategie ein

Die Europäische Kommission will die Erkenntnisse für ihre Forschungs- und Innovationspolitik nutzen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Rahmen „Food 2040“, der auf widerstandsfähigere, nachhaltigere und wettbewerbsfähigere Lebensmittelsysteme ausgerichtet ist.

Vorgesehen ist unter anderem, Verbraucher und weitere Interessengruppen frühzeitig in die Entwicklung neuer Lösungen einzubeziehen. Gemeinsame Entwicklungsprozesse und praktische Erprobungen sollen dazu beitragen, wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Anforderungen besser zu berücksichtigen.

Die Eurobarometer-Ergebnisse zeigen damit eine zentrale Herausforderung für die Lebensmittelwirtschaft. Technologische Fortschritte allein reichen nicht aus, um neue Produkte erfolgreich einzuführen. Ebenso wichtig sind nachvollziehbare Vorteile, verständliche Informationen und das Vertrauen der Verbraucher.

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