Der deutsche Jeansmarkt bewegt sich 2024 auf einem konstanten Niveau – trotz zunehmendem Druck durch Ultra-Fast-Fashion-Anbieter wie Shein und Temu. Wie der aktuelle Branchenbericht von IFH KÖLN und BBE Handelsberatung zeigt, liegt der Umsatz mit Jeans in Deutschland weiterhin bei 3,5 Milliarden Euro. Zwar bedeutet das ein Rückgang von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, dennoch gilt der Markt damit als stabilisiert. Für 2025 erwarten die Analysten ein leichtes Wachstum von 1,4 Prozent.
Strukturwandel im Handel erschüttert die Mitte
Die Marktverschiebungen betreffen vor allem den klassischen Multilabel-Fachhandel, dessen Marktanteil mittlerweile unter 20 Prozent liegt. Während vertikale Händlermarken zunehmend dominieren, droht dem mittleren Marktsegment der Verlust seiner Relevanz. Laut BBE-Berater Lukas Reischmann sind künftig klare Strategien gefragt – entweder eine glaubhafte Nachhaltigkeitspositionierung im Premiumsegment oder ein konsequenter Fokus auf günstige Preise. Wer diesen Spagat nicht meistert, läuft Gefahr, zwischen den Polen zerrieben zu werden.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Temu, Shein und das neue Preisgefüge
Die massive Ausweitung von Plattformen wie Temu und Shein verschärft den Preisdruck deutlich. Laut IFH-Experte Hansjürgen Heinick leidet darunter nicht nur die Preisstruktur, sondern auch die Wertigkeit des Produkts Jeans. Während Nachhaltigkeit und Secondhand-Käufe an Bedeutung gewinnen, wächst gleichzeitig die Nachfrage nach extrem günstiger Importware. Dieses Spannungsfeld zwischen ökologischen Ansprüchen und preisgetriebenem Konsum prägt den Markt zunehmend.
Importe steigen – China verliert an Boden
Die Zahl importierter Jeans steigt seit Jahren kontinuierlich und erreicht 2024 rund 193 Millionen Stück – mit einem Gesamtwert von etwa 2,7 Milliarden Euro. Polen übernimmt dabei die Spitzenposition als wichtigstes Herkunftsland, gefolgt von Bangladesch und den Niederlanden. China hingegen verliert massiv an Bedeutung: Der Umsatz mit Jeansimporten aus der Volksrepublik beträgt nur noch 52 Millionen Euro, ein drastischer Rückgang gegenüber den 419 Millionen Euro aus dem Jahr 2010. Kleinsendungen über Plattformen wie Temu oder Shein sind dabei noch nicht berücksichtigt.
Wachstum bei Jacken und Röcken, Männer tragen mehr Jeans
Die klassische Jeanshose zeigt sich in den vergangenen 14 Jahren vergleichsweise wachstumsschwach: Die durchschnittliche Wachstumsrate liegt bei lediglich 0,6 Prozent pro Jahr. Deutlich dynamischer entwickeln sich andere Jeansartikel wie Jacken oder Röcke mit rund 5 Prozent Wachstum jährlich. Herrenjeans behaupten sich weiterhin als stärkste Warengruppe mit einem Marktanteil von knapp 60 Prozent. Zudem geben Männer im Durchschnitt mehr Geld pro Stück aus als Frauen. Während bei Herren 43 Prozent des gesamten Hosenumsatzes auf Jeans entfallen, liegt dieser Anteil bei Damen bei nur 25 Prozent.


