Immer mehr Menschen weltweit geben an, mit ihrer finanziellen Situation besser zurechtzukommen – doch der Ausblick bleibt angespannt. Laut dem neuen Ipsos Cost of Living Monitor 2025 berichten 37 Prozent der Befragten in 30 Ländern, finanziell gut oder zumindest zufriedenstellend aufgestellt zu sein. Das ist ein Anstieg gegenüber 33 Prozent Ende 2024. Besonders deutliche Verbesserungen zeigen sich in Australien (+10 Prozentpunkte), Großbritannien (+6) und Thailand (+6).
Unterschiedliche Erwartungen an das kommende Jahr
Trotz der positiven Entwicklung in einigen Ländern gehen viele Menschen nicht davon aus, dass sich ihre Lage weiter verbessert. Weltweit rechnen lediglich 30 Prozent mit einem Anstieg ihres verfügbaren Einkommens – fast genauso viele (31 Prozent) erwarten das Gegenteil. Besonders in Europa und Nordamerika herrscht Zurückhaltung. In den Niederlanden – obwohl die Menschen dort mit ihrer finanziellen Lage am zufriedensten sind – erwartet mehr als ein Drittel (35 Prozent) sinkende verfügbare Mittel. In Frankreich gehen sogar 44 Prozent davon aus, dass sie im nächsten Jahr weniger Geld zur Verfügung haben werden.
In Schweden, wo derzeit 57 Prozent ihre Lage als gut oder akzeptabel beschreiben, hat sich der Anteil jener, die einen sinkenden Lebensstandard befürchten, seit 2024 um 11 Prozentpunkte erhöht. Auch in Indonesien sind die Sorgen groß: Der Anteil jener, die ihre Lage als gut bezeichnen, ist binnen eines Jahres um 7 Prozentpunkte gefallen. 63 Prozent glauben, das Land befinde sich bereits in einer Rezession.
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Inflations- und Zinsentwicklung als Unsicherheitsfaktoren
Die Sorge vor steigender Inflation nimmt wieder zu. Durchschnittlich 68 Prozent der Befragten in 30 Ländern erwarten eine höhere Teuerung im kommenden Jahr – sechs Prozentpunkte mehr als noch im November 2024. Besonders in den USA stieg der Anteil deutlich (+14 Punkte auf 65 Prozent). Gleichzeitig wächst das Misstrauen, ob die Zentralbanken mit Zinserhöhungen gegensteuern können. Nur 46 Prozent rechnen mit steigenden Zinsen – in Lateinamerika und Südafrika sind es am meisten, in Peru und Chile sinkt der Anteil der Zinserwartung hingegen deutlich.
In Argentinien glauben 10 Prozentpunkte mehr Menschen als im Vorjahr an einen weiteren Inflationsanstieg. In den USA ist auch die Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Lage rückläufig: Der Anteil jener, die sich als gut aufgestellt empfinden, ist dort um 13 Punkte gegenüber April 2023 gesunken.
Arbeitsmarkt unter Druck, vor allem in Indonesien und Frankreich
Ein weiteres zentrales Thema: die erwartete Entwicklung der Arbeitslosigkeit. In 30 Ländern gehen im Schnitt 58 Prozent davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im nächsten Jahr steigen wird. In Indonesien liegt dieser Wert mit 83 Prozent besonders hoch – ein Anstieg um 12 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.
Auch in Frankreich (66 %), Kanada (60 %) und Brasilien (55 %) erwartet die Mehrheit steigende Arbeitslosigkeit. In den USA zeigen sich kaum Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen, wohl aber zwischen Altersgruppen und politischen Lagern: Während jüngere Menschen (unter 35 Jahre) besonders pessimistisch sind (58 %), sind es bei den 50- bis 74-Jährigen nur 50 Prozent. Zudem glauben 65 Prozent der Demokraten, aber nur 34 Prozent der Republikaner an eine Zunahme der Arbeitslosigkeit – eine deutliche Verschiebung im Vergleich zum Vorjahr.
Ursachen der Teuerung: Wirtschaft, Politik, Unternehmen
Bei der Frage nach den Gründen für die steigenden Lebenshaltungskosten sehen 72 Prozent die globale Wirtschaft als Hauptursache. Dahinter folgen die Politik der nationalen Regierung (68 %) und Zinssätze (65 %). Die Wahrnehmung von „Wucherpreisen“ bleibt ebenfalls konstant hoch: 62 Prozent glauben, dass überhöhte Unternehmensgewinne die Preise treiben – bei den Babyboomern sogar 66 Prozent, mehr als bei jüngeren Generationen.
Bemerkenswert ist zudem: Menschen mit höherem Einkommen sehen häufiger einen Zusammenhang zwischen Einwanderung und Inflation. In Europa und Nordamerika ist dieser Glaube besonders verbreitet – ebenso wie die generelle Sorge um Migration.


