Der deutsche Einzelhandel verliert jährlich mehr als drei Milliarden Euro durch Ladendiebstahl. Nach Einschätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) und der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat sich das Problem zu einer erheblichen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Herausforderung entwickelt. Beide Organisationen verlangen deshalb in einem neuveröffentlichten Positionspapier von der Politik eine konsequentere Strafverfolgung, eine bessere Ausstattung der Behörden und wirksamere Instrumente gegen organisierte Tätergruppen.
Milliardenverluste belasten Handel und Verbraucher
Die Schadenssumme durch Ladendiebstähle hat nach Angaben von HDE und GdP 2025 einen Höchststand erreicht. Die Folgen treffen nicht allein die betroffenen Händler. Verluste und zusätzliche Sicherheitskosten können sich auch auf die Verbraucherpreise auswirken.
Das tatsächliche Ausmaß dürfte erheblich größer sein als die registrierte Kriminalität. Die Polizeiliche Kriminalstatistik berücksichtigt ausschließlich angezeigte Fälle. HDE und GdP verweisen auf wissenschaftliche Schätzungen, nach denen das Dunkelfeld bei mehr als 98 Prozent liegt. Demnach könnten jährlich rund 25 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt bleiben.
Besonders problematisch sind gewerbs- und bandenmäßig organisierte Delikte. Schätzungsweise ein Drittel der Taten entfällt auf diese Formen. Sie verursachen überdurchschnittlich hohe Schäden und erfordern häufig aufwendige, teilweise länderübergreifende Ermittlungen.
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GdP verlangt konsequentere Strafverfolgung
GdP-Bundesvorsitzender Jochen Kopelke kritisiert, dass Ladendiebstahl zu häufig wie ein geringfügiges Delikt behandelt werde. Professionell organisierte Täterstrukturen stünden einer Strafverfolgung gegenüber, der vielfach Personal und Ressourcen für umfangreiche Ermittlungen fehlten. Eingestellte Verfahren belasteten zudem das Vertrauen von Handelsunternehmen und Polizeibeschäftigten in eine wirksame Rechtsdurchsetzung.
HDE und GdP fordern daher eine deutliche personelle und technische Verstärkung von Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten. Den geplanten Pakt für den Rechtsstaat betrachten die Organisationen als einen wichtigen ersten Ansatz, um bestehende Engpässe abzubauen.
Videoüberwachung und KI sollen rechtssicher einsetzbar werden
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Prävention. Offene Videoüberwachung soll nach Vorstellung von HDE und GdP im Einzelhandel unter bundesweit einheitlichen und praxistauglichen Datenschutzregeln eingesetzt werden können. Dafür verlangen die Verbände eine einheitlichere Auslegung der Datenschutz-Grundverordnung durch die Aufsichtsbehörden.
Zusätzlich soll geprüft werden, unter welchen rechtlichen Voraussetzungen KI-gestützte Videoanalysen künftig bei der Verhinderung und Aufklärung von Diebstählen helfen können. Die Bundesregierung solle sich außerdem auf europäischer Ebene für größere Rechtssicherheit einsetzen.
Schwerpunktstaatsanwaltschaften gegen organisierte Täter
Für gewerbs- und bandenmäßig begangene Ladendiebstähle schlagen HDE und GdP Schwerpunktstaatsanwaltschaften auf Landesebene vor. Dadurch sollen Serienfälle schneller zusammengeführt, überregional aktive Gruppen erkannt und kriminelle Strukturen gezielter verfolgt werden.
Voraussetzung dafür sei ein verbesserter Informationsaustausch zwischen Polizei, Staatsanwaltschaften und weiteren zuständigen Behörden. Auch die internationale Zusammenarbeit soll ausgebaut werden. Vorgesehen sind ein intensiverer Datenaustausch sowie mehr gemeinsame operative Maßnahmen und Einheiten.
Vermögensabschöpfung soll Täterstrukturen treffen
HDE und GdP verlangen darüber hinaus verlässlichere Sanktionen, die der Schwere einer Tat, der eingesetzten kriminellen Energie und dem entstandenen wirtschaftlichen Schaden Rechnung tragen. Im Fokus stehen insbesondere organisierte Täter sowie Hintermänner, die andere Personen oder Minderjährige für Straftaten einsetzen.
Als wichtiges Instrument gegen organisierte Kriminalität nennen die Organisationen zudem die konsequente Abschöpfung illegal erworbener Vermögenswerte. Insgesamt soll der Maßnahmenkatalog dafür sorgen, Eigentumsdelikte im Einzelhandel wirksamer zu verfolgen und das Vertrauen von Unternehmen in Polizei, Justiz und Rechtsstaat zu stärken.





