Der globale Sekundärmarkt für Luxusuhren hat 2025 eine spürbare Kurskorrektur vollzogen. Nach Jahren spekulativer Übertreibungen rückt laut einer aktuellen Auswertung des Online-Marktplatzes Chrono24 wieder der klassische Sammlergedanke in den Mittelpunkt. Das Ergebnis auf Basis Millionen Transaktionen weltweit: Sportmodelle dominieren zwar weiterhin das Volumen, doch das stärkste Wachstum entfällt auf elegante Designs, kleinere Gehäuse und anspruchsvolle Komplikationen.
Design-Wandel: Raffinesse statt Tool-Watch
Auffällig ist die gestiegene Nachfrage nach dressigeren Modellen. Rechteckige Gehäuse legten um 9,3 Prozent zu und durchbrechen damit die langjährige Vorherrschaft runder Taucheruhren. Auch bei den Zifferblattfarben zeigt sich ein Wandel: Während Blau und Schwarz stagnieren, gewinnen Edelmetalltöne deutlich an Dynamik. Grün verzeichnete ein Plus von 9,5 Prozent, Champagner 7,9 Prozent und Gold 6,5 Prozent. Uhren werden damit stärker als Ausdruck persönlicher Stilpräferenzen verstanden – weniger als Spekulationsobjekt, mehr als Schmuckstück mit Charakter.
Bei den Complications sticht insbesondere die Mondphase hervor. Sie verzeichnete einen Zuwachs von 15,3 Prozent und unterstreicht die Renaissance mechanischer Finessen, die nicht primär funktional, sondern ästhetisch motiviert sind. Von dieser Entwicklung profitiert etwa Cartier: Die Nachfrage nach Klassikern wie Santos und Tank trieb das Markenwachstum um 8,3 Prozent.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Gewinner im High-End- und Mid-Luxury-Segment
Im High-End-Segment setzte sich Vacheron Constantin mit einem Marktanteilsplus von 13,4 Prozent an die Spitze der Dynamik. Besonders die Overseas-Kollektion entwickelte sich mit einem Wachstum von 17,3 Prozent überdurchschnittlich stark. Damit positioniert sich die Traditionsmarke erfolgreich im Wettbewerb mit Patek Philippe und Audemars Piguet.
Ein bemerkenswertes Comeback gelang IWC. Die Marke steigerte ihren Marktanteil um 14,4 Prozent. Treiber waren vor allem die Linien Pilot mit einem Plus von 10,0 Prozent sowie die neu interpretierte Ingenieur, die um 90,9 Prozent zulegte. Die Entwicklung deutet auf eine Rückbesinnung auf technisch geprägte Marken hin, die solide Verfügbarkeit bieten und weniger von Graumarkt-Aufschlägen abhängig sind.
Auch Tudor bleibt auf Wachstumskurs. Mit einem Plus von 8,7 Prozent und einer starken Performance der Black Bay-Linie festigt die Marke ihre Rolle im Segment unter 5.000 Euro.
Rolex zwischen Normalisierung und Innovationsimpuls
Rolex behauptet trotz leichter Marktanteilsverluste von 3,3 Prozent seine führende Stellung nach Volumen. Die Korrektur gilt als Indiz für das Ende kurzfristiger Wiederverkaufsstrategien. Gleichzeitig zeigt sich die Innovationskraft der Marke weiterhin als Impulsgeber: Die Einführung der Land-Dweller sorgte unmittelbar für deutliche Suchanstiege auf der Plattform und belegt, dass technische Neuerungen größere Resonanz erzeugen als rein kosmetische Modellpflege.
Regionale Preisentwicklung: USA stark, Europa stabil
Regional betrachtet präsentierte sich der US-Markt besonders robust. Die durchschnittlichen Verkaufspreise stiegen im vierten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,43 Prozent. Europa blieb mit einem leichten Plus von 0,28 Prozent weitgehend stabil. Dabei basieren die US-Daten auf Transaktionen in US-Dollar, die EU-Daten auf Euro-Abschlüssen.
Nach Einschätzung von Chrono24 markiert diese Entwicklung eine strukturelle Bereinigung des Marktes. Kurzfristig orientierte Investoren verlieren an Bedeutung, während informierte Sammler mit langfristigem Interesse das Geschehen prägen. Für 2026 erwarten die Analysten eine Fortsetzung des Trends zu tragbaren Größen, Vintage-Elementen und einer stärkeren Fokussierung auf Nachhaltigkeit und Transparenz in der Lieferkette.


