Weltweit bekannte Herkunftskennzeichnungen wie „Made in Germany“ oder „Made in China“ sind fester Bestandteil vieler Produktverpackungen – doch wie wirken sie heute auf Konsumenten? Eine aktuelle Studie des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen (NIM) mit 20.000 Befragten aus zehn Ländern liefert differenzierte Einblicke in die Bedeutung dieser Labels.
Vertrauen ja – aber nicht entscheidend
Obwohl die Herkunft eines Produkts nicht als ausschlaggebend für die Kaufentscheidung gilt, spielt sie laut Studie (PDF) für rund die Hälfte der Konsumenten eine wichtige Rolle. Besonders hoch im Kurs stehen „Made in Germany“ und „Made in Switzerland“, denen international großes Vertrauen entgegengebracht wird. Beide Labels gelten als Synonym für Qualität und Zuverlässigkeit – Werte, die in vielen Märkten kaufentscheidend sein können.
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USA und Japan punkten in Zukunftsfeldern
Im Kontext innovativer Technologien zeigt sich ein anderes Bild: „Made in USA“ und „Made in Japan“ genießen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Elektrogeräte und E-Mobilität hohe Anerkennung – selbst in Ländern, in denen Konsumenten den Herkunftsangaben generell eher skeptisch gegenüberstehen. Das deutet darauf hin, dass die Wirkung von Herkunftslabels stark von der Produktkategorie abhängt.
China zwischen Imageproblem und Produktqualität
Das Label „Made in China“ wird nach wie vor kritisch gesehen, vor allem im Hinblick auf Qualität und Vertrauen. Dennoch zeigt die Untersuchung, dass Produkte aus China – insbesondere im Tech-Segment – besser bewertet werden als ihr Ruf vermuten lässt. In Bereichen wie KI oder E-Autos kann sich das Image spürbar verbessern, was langfristig die Wahrnehmung des Labels verändern könnte.
Heimatbonus und nationale Präferenzen
Ein durchgängiger Trend in allen Ländern ist der sogenannte Heimatbonus: Produkte aus dem eigenen Land werden fast überall positiver bewertet als ausländische. Besonders stark ist dieser Effekt in den USA ausgeprägt. In Schwellenländern wie Indien, Mexiko oder Südafrika hingegen zeigen sich die Konsumenten offener gegenüber fremden Labels. In Industrienationen – allen voran Deutschland und Japan – fällt die Ablehnung gegenüber ausländischen Herkunftskennzeichnungen dagegen überdurchschnittlich hoch aus.
Labels als Signal für Standards
Die Studienautoren betonen, dass Herkunftsangaben weiterhin wichtige Orientierungspunkte für Konsumenten darstellen – allerdings nicht mehr allein als geografisches Siegel. Vielmehr werden damit konkrete Qualitäts- und Produktionsstandards verbunden. „In bestimmten Zukunftsbranchen können Länder trotz kritischer Grundhaltung positiv auffallen“, erklärt Dr. Matthias Unfried vom NIM. Entscheidend sei, wie stark das Herkunftslabel inhaltlich mit der jeweiligen Produktkategorie verknüpft sei.
Methodik der Studie
Die Untersuchung wurde im März 2025 durchgeführt und basiert auf Daten des GfK eBUS® International. Befragt wurden insgesamt 20.000 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren, die jeweils repräsentativ für die Landesbevölkerung in zehn ausgewählten Ländern stehen. Ziel war es, ein umfassendes Bild darüber zu zeichnen, wie Herkunftskennzeichnungen im internationalen Wettbewerb wahrgenommen werden.


