Die globale Vermögensverwaltungsbranche hat im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Höchststand erreicht. Nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey stieg das weltweit verwaltete Vermögen auf rund 165 Billionen US-Dollar, nachdem es Ende 2025 noch bei etwa 151 Billionen US-Dollar gelegen hatte. Auch die Nettomittelzuflüsse entwickelten sich kräftig: Auf ein Gesamtjahr hochgerechnet entsprächen sie einem organischen Wachstum von rund fünf Prozent. Das wäre der höchste Wert innerhalb eines Jahrzehnts.
Europäische ETFs verzeichnen starke Mittelzuflüsse
Besonders dynamisch entwickelte sich der europäische Markt. Bereits im ersten Halbjahr 2026 erreichten die Nettomittelzuflüsse nahezu das Volumen des gesamten Vorjahres. Allein börsengehandelte Indexfonds (ETFs) sammelten in Europa rund 255 Milliarden US-Dollar ein.
In Deutschland fördern insbesondere ETF-Sparpläne und digitale Wertpapierplattformen den Zugang privater Anleger zum Kapitalmarkt. Die wachsende Nachfrage stärkt das Geschäft der Vermögensverwalter, verschärft zugleich aber den Wettbewerb um neue Kundengelder.
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Wenige Anbieter dominieren den ETF-Markt
Das Wachstum verteilt sich zunehmend ungleich auf die Marktteilnehmer. In den USA vereinen die fünf größten Anbieter passiver ETFs inzwischen 94 Prozent der Nettomittelzuflüsse auf sich. Gegenüber dem Stand vor fünf Jahren entspricht das einem Anstieg um acht Prozentpunkte.
In Europa entfallen rund 75 Prozent der Zuflüsse in passive ETFs auf die fünf führenden Gesellschaften. Auch bei geschlossenen Private-Credit-Fonds nimmt die Marktkonzentration zu: Die zehn größten Anbieter gewinnen mittlerweile 72 Prozent des neu eingeworbenen Kapitals, verglichen mit 44 Prozent vor fünf Jahren.
McKinsey beobachtet zudem, dass institutionelle Kunden ihre Zusammenarbeit stärker auf ausgewählte strategische Partner konzentrieren. Gleichzeitig gewinnen Vertriebsplattformen und Anbieter umfassender Portfoliolösungen an Bedeutung. Für spezialisierte Vermögensverwalter bestehen dennoch Chancen, etwa mit aktiven ETFs oder besonderen Anleihestrategien.
Technologieausgaben steigen um 13 Prozent
Trotz wachsender Vermögensbestände verbessern sich die Gewinnmargen der Branche bislang nur begrenzt. Ein wesentlicher Grund sind steigende Investitionen in Technologie und die Modernisierung bestehender IT-Systeme.
Nordamerikanische und westeuropäische Vermögensverwalter erhöhten ihre Technologieausgaben 2025 um 13 Prozent auf insgesamt 41 Milliarden US-Dollar. Damit stiegen die Kosten in diesem Bereich stärker als in sämtlichen anderen Unternehmensfunktionen. Neben der Erneuerung technischer Infrastruktur fließen zunehmend Mittel in Anwendungen künstlicher Intelligenz.
KI bringt zunächst zusätzliche Kosten
Die wirtschaftlichen Vorteile der KI-Investitionen zeigen sich nach McKinsey-Angaben bisher vor allem in technologischen Aufgabenbereichen. Insbesondere bei der Softwareentwicklung lassen sich bereits messbare Produktivitätsfortschritte erzielen.
Im Investmentmanagement sowie in Vertrieb und Marketing befinden sich viele KI-Anwendungen dagegen noch in einer frühen Entwicklungsphase. Für zahlreiche Vermögensverwalter entstehen deshalb zunächst zusätzliche Ausgaben, bevor größere Einsparungen realisiert werden können.
Einzelne Unternehmen erzielen bereits positive Ergebnisse, indem sie ganze Geschäftsprozesse neu organisieren. McKinsey zufolge reicht es häufig nicht aus, bestehende Abläufe lediglich durch einzelne KI-Werkzeuge zu ergänzen.
Wachstum erfordert klare Positionierung
Die Studie zeigt, dass steigende Vermögenswerte nicht automatisch zu einer höheren Profitabilität führen. Entscheidend bleiben die Fähigkeit, neue Kundengelder anzuziehen, eine erkennbare Spezialisierung und die effiziente Organisation des Geschäftsmodells.
Größere Anbieter profitieren dabei von Skaleneffekten und ihrer starken Marktstellung. Kleinere Gesellschaften können sich nach Einschätzung von McKinsey weiterhin behaupten, wenn sie spezialisierte Leistungen anbieten und Technologieinvestitionen gezielt in wirtschaftliche Vorteile umsetzen.



