Deutschlands Wirtschaft ist bei digitalen Technologien weiterhin stark auf ausländische Anbieter angewiesen. Nach einer repräsentativen Bitkom-Befragung beziehen 96 Prozent der Unternehmen digitale Produkte oder Dienstleistungen aus dem Ausland. Sollten diese Importe vollständig ausfallen, könnten die Betriebe ihre Geschäftstätigkeit nach eigener Einschätzung durchschnittlich noch 16 Monate aufrechterhalten. Gegenüber 2025 hat sich dieser Wert um zwei Monate verbessert, dennoch erwarten 66 Prozent der Befragten eine weiter zunehmende Abhängigkeit.
USA und China bleiben zentrale Technologielieferanten
Besonders verbreitet ist der Import digitaler Endgeräte wie Smartphones und Notebooks, die 94 Prozent der befragten Importeur-Unternehmen aus dem Ausland beziehen. Bei Hardware-Komponenten einschließlich Chips und Halbleitern beträgt der Anteil 79 Prozent, bei Cloud-Diensten 73 Prozent. Auch Software, Cybersicherheitslösungen und KI-Anwendungen stammen häufig von internationalen Anbietern.
Die USA sind mit einem Anteil von 88 Prozent das wichtigste Herkunftsland beziehungsweise die wichtigste Herkunftsregion außerhalb der europäischen Betrachtung. Anbieter aus der EU werden von 83 Prozent der Unternehmen genutzt, chinesische Technologien und Dienstleistungen von 80 Prozent.
Gewinnen in der Plattform-Ökonomie
Sorgen über US-Abhängigkeit nehmen stark zu
Die wirtschaftliche Verflechtung mit internationalen Technologieanbietern wird zunehmend kritisch bewertet. Insgesamt 94 Prozent der befragten Unternehmen halten Deutschland bei digitalen Technologien für stark oder eher vom Ausland abhängig.
Besonders deutlich haben sich die Einschätzungen gegenüber den USA verändert. Während 2024 noch 38 Prozent der Unternehmen die technologische Abhängigkeit von amerikanischen Anbietern als besorgniserregend einstuften, sind es inzwischen 73 Prozent.
Auch China bleibt ein zentraler Risikofaktor. 79 Prozent der Unternehmen sorgen sich über die entsprechende Abhängigkeit, verglichen mit 69 Prozent im Jahr 2024. Unter den Unternehmen mit Digitalimporten bezeichnen sich 61 Prozent als sehr abhängig von China.
Importausfälle würden das Kerngeschäft treffen
Ein längerfristiger Ausfall ausländischer Digitaltechnologien hätte nach Einschätzung der Unternehmen weitreichende betriebliche Folgen. 93 Prozent der Digitalimporteure erwarten Einschränkungen bei Produktion oder Leistungserbringung, 91 Prozent im Vertrieb und 87 Prozent in Logistik und Lieferketten.
Auch Einkauf, Kundenservice und technische Infrastruktur wären betroffen. Damit reichen die möglichen Folgen weit über die IT-Abteilungen hinaus und könnten wesentliche Geschäftsprozesse beeinträchtigen.
Gleichzeitig sehen viele Betriebe nur begrenzte Möglichkeiten, kurzfristig auf andere Anbieter umzusteigen. 68 Prozent der Unternehmen mit internationalen Digitalgeschäften geben an, für bestehende Abhängigkeiten keine Alternative zu haben.
Unternehmen diversifizieren ihre Lieferketten
Ein Teil der Wirtschaft reagiert bereits mit Maßnahmen zur Risikobegrenzung. 44 Prozent der Unternehmen mit Digitalimporten setzen verstärkt auf Anbieter aus Deutschland und Europa, während 41 Prozent größere Vorräte wichtiger Komponenten anlegen.
Weitere 40 Prozent bereiten einen möglichen Wechsel kritischer Anbieter oder Systeme vor. Rund ein Drittel investiert in eigenes technologisches Know-how oder verteilt Beschaffungen auf mehrere Lieferanten. Lediglich drei Prozent haben bislang keine entsprechenden Vorkehrungen getroffen.
Trotz dieser Entwicklung bleibt der Preis das wichtigste Auswahlkriterium für internationale Geschäftspartner. Für 97 Prozent sind die finanziellen Konditionen entscheidend, während 93 Prozent auf technologische Kompetenz und 89 Prozent auf IT-Sicherheitsstandards achten.
Bitkom fordert Investitionen in Schlüsseltechnologien
Die Forderung nach einer stärkeren europäischen Technologieposition findet unter den Unternehmen breite Zustimmung. Jeweils 97 Prozent sprechen sich für zusätzliche Investitionen in digitale Schlüsseltechnologien und eine Stärkung der digitalen Souveränität Deutschlands aus.
Der Digitalverband Bitkom empfiehlt insbesondere bessere Rahmenbedingungen für Innovationen und Kapitalbeschaffung sowie Investitionen in Halbleiter, künstliche Intelligenz, Cloud-Infrastruktur und Rechenzentren. Ergänzend fordert er widerstandsfähigere Lieferketten, höhere Cybersicherheit und einen langfristigen Ausbau digitaler Kompetenzen.
Aus Sicht des Verbandes geht es dabei nicht um eine vollständige Abkehr vom internationalen Handel. Vielmehr sollen einseitige Abhängigkeiten reduziert und alternative Bezugsquellen geschaffen werden, damit Unternehmen auch bei politischen oder wirtschaftlichen Krisen handlungsfähig bleiben.
Studie zum Digital-Gipfel veröffentlicht
Die Ergebnisse wurden anlässlich des Digital-Gipfels der Bundesregierung am 19. Oktober 2026 vorgestellt. Grundlage ist eine repräsentative Bitkom-Befragung von 602 Unternehmen in Deutschland mit mindestens 20 Beschäftigten.
Die angegebene Überlebensdauer von durchschnittlich 16 Monaten beruht auf den Selbsteinschätzungen der Unternehmen. Sie beschreibt damit keine unabhängig überprüfte Ausfalldauer, sondern die von den Betrieben erwartete Widerstandsfähigkeit gegenüber einem vollständigen Wegfall digitaler Importe.


