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China-Handel: Deutschlands Defizit steigt auf Rekordniveau

Vogelperspektive auf eine Beladung eines Schiffes
Foto: Tom Fisk / Pexels

Key takeaways

➟ Der China-Handel entwickelt sich für Deutschland zum strukturellen Problem. Während Importe stark wachsen, verlieren Autoindustrie, Maschinenbau und Elektrotechnik frühere Exportvorteile.

Lesezeit ca. 3 Minuten

Das deutsche Handelsbilanzdefizit mit China könnte 2026 erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro überschreiten. Nach einer Hochrechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) dürfte der Fehlbetrag rund 105,5 Milliarden Euro erreichen. Im Jahr 2019 lag er noch bei 14,1 Milliarden Euro. Damit hätte sich das Defizit innerhalb von sieben Jahren mehr als versiebenfacht. Besonders betroffen sind die Automobilindustrie, die Elektrobranche und der Maschinenbau.

Importe übersteigen Exporte deutlich

Im ersten Halbjahr 2026 führte Deutschland wertmäßig fast zweieinhalbmal so viele Waren aus China ein, wie es in die Volksrepublik exportierte. Sollte sich diese Entwicklung im zweiten Halbjahr fortsetzen, würde das Handelsbilanzdefizit einen neuen Höchststand erreichen.

Die IW-Berechnungen zeigen eine Verschlechterung des deutschen Warenhandelssaldos um rund 91 Milliarden Euro gegenüber 2019. Dabei konzentriert sich der Anstieg auf wenige industrielle Schlüsselbranchen, die für die deutsche Exportwirtschaft besonders wichtig sind.

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Automobilindustrie verliert bisherigen Überschuss

Die Automobilbranche trägt nach IW-Angaben knapp 24 Prozent zur Verschlechterung der gesamten Handelsbilanz mit China bei. Noch 2019 erzielte Deutschland in diesem Bereich einen Überschuss von mehr als 23 Milliarden Euro. Für 2026 erwartet das Institut dagegen nahezu einen ausgeglichenen Saldo.

Ursache ist die gegenläufige Entwicklung von Ein- und Ausfuhren. Während die deutschen Automobilexporte nach China gegenüber 2019 voraussichtlich um mehr als 50 Prozent sinken, dürften die Einfuhren chinesischer Fahrzeuge und Autoteile um über 475 Prozent steigen.

Elektroindustrie und Maschinenbau unter Druck

Auch die Elektroindustrie verzeichnet eine deutliche Verschlechterung ihrer Handelsbilanz. Auf die Branche entfallen laut IW rund 30 Milliarden Euro beziehungsweise etwa ein Drittel des gesamten Defizitanstiegs.

Bei elektrischen Ausrüstungen dürfte der Fehlbetrag seit 2019 auf mehr als 24 Milliarden Euro steigen und sich damit verfünffachen. Die entsprechenden Importe aus China nehmen nach der Hochrechnung um mehr als 130 Prozent zu. Bei Datenverarbeitungsgeräten und verwandten Produkten wächst das Defizit von gut 26 Milliarden auf knapp 38 Milliarden Euro.

Im Maschinenbau zeichnet sich ebenfalls eine Trendwende ab. Aus einem Handelsüberschuss von fast zehn Milliarden Euro im Jahr 2019 könnte 2026 erstmals ein Defizit von etwas mehr als einer Milliarde Euro werden.

IW sieht strukturelle Wettbewerbsnachteile

Nach Einschätzung des IW lässt sich die Entwicklung nur zu einem kleinen Teil durch hohe Energiepreise erklären. Energieintensive Wirtschaftszweige wie Chemie, Papier, Glas und Metalle tragen zusammen lediglich rund vier Milliarden Euro zur Verschlechterung bei.

Als wesentliche Ursachen nennt das Institut den technologischen Fortschritt chinesischer Unternehmen sowie aus seiner Sicht bestehende Wettbewerbsverzerrungen. Dazu zählt das IW staatliche Subventionen und eine nach seiner Bewertung deutlich unterbewertete chinesische Währung.

Institut fordert europäische Ausgleichszölle

IW-Außenhandelsexperte Jürgen Matthes spricht sich für zusätzliche handelspolitische Maßnahmen auf europäischer Ebene aus. Der Europäische Rat solle die EU-Kommission auffordern, ein Instrument für breit angelegte Ausgleichszölle zu entwickeln.

Nach Auffassung des Instituts könnten solche Maßnahmen Wettbewerbsnachteile europäischer Hersteller begrenzen. Die Forderung ist eine wirtschaftspolitische Position des IW; mögliche Auswirkungen zusätzlicher Zölle auf Preise, Lieferketten und Handelsbeziehungen werden in der Mitteilung nicht näher untersucht.

Für die deutsche Wirtschaft verdeutlicht die Hochrechnung den wachsenden Anpassungsdruck in wichtigen Industriezweigen. Ob das Defizit tatsächlich den prognostizierten Rekordwert erreicht, hängt von der Handelsentwicklung im zweiten Halbjahr 2026 ab.

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